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Bewertungskriterien bei Fotobesprechungen

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo,

mit Sicherheit gibt es bereits, wie für Computerspiele und vieles andere, Aufstellungen über Kategorien von Bildern, die für ihre Beurteilung und Bewertung Bedeutung haben.

Jedenfalls ist in der Diskussion in diesem Thread gut erkennbar, dass bei jedem Urteil verschiedene Gesichtspunkte eine Rolle spielen und dass sie in unterschiedlicher Weise berücksichtigt und gewichtet werden.

Naturgemäß hängt dabei die Bewertung davon ab, welchen Geschmack der Betrachter hat, welche handwerklichen, künstlerischen Erfahrungen und Fähigkeiten er selbst hat und anderes mehr.
Es gibt auch keine objektivierbaren Kriterien, nach denen Bilder bewertet werden können.
Wohl aber kann man einige Charakteristika eines Bildes voneinander getrennt beurteilen. Dies geschieht eigentlich auch fast immer, so zum Beispiel, wenn ein Bild die Schönheit eines Sonnenuntergangs zeigt, aber durch mäßige Qualität der Aufnahme verliert.

Nicht selten werden aber die sehr verschiedenen Seiten eines Bildes zu Eindrücken zusammengefaßt, die man, um dem Bild und seinem "Schöpfer" gerecht zu werden, auch um überhaupt objektiver urteilen zu können, bei der Analyse des Bildes getrennt sehen und danach erst in einer Gesamtwertung zusammenfassen sollte.

Dabei springen zumindest einige Kategorien ins Auge, die den Wert eines Bildes ausmachen und die sehr unterschiedlich dazu beitragen. Ich möchte einmal versuchen, zumindest einige zunächst ohne Heranziehung irgendwelcher Quellen für eine solche Aufstellung zu systematisieren:

- origineller Blick - nicht originell
- handwerklich gute Aufnahme - handwerklich schlechte
- Motiv selten - häufig
- leicht zu fotografieren - schwer
- aufregend - langweilig
- schönes Motiv - häßliches
- lehrreich - nicht lehrreich

Wenn ich bei der Bildbeurteilung auf solche Kategorien achte, kann ich mir ein begründeteres, wohl auch gerechteres Urteil bilden als wenn ich gleich zu Beginn den Gesamteindruck zur Grundlage meiner Meinung mache. Der Gesamteindruck, den man mit einem und auch noch dem zweiten Blick erfaßt, ist wichtig, aber man sollte sich bei einer detaillierten Beurteilung noch einmal von ihm lösen und einzelne Aspekte, Kategorien oder wie immer, betrachten und sich dann eine Meinung bilden. Diese wird man mit dem zuerst gewonnenen Eindruck vergleichen und etwaige Differenzen zu erklären versuchen.
Danach müßte man - mit den Möglichkeiten, die man selbst hat - ein einigermaßen gesichertes Urteil auf der Grundlage der eigenen Persönlichkeit, ihrer Erfahrungen und Vorlieben abgeben können (das in der Diskussion mit anderen, aber auch schon einen Tag später durch eigene Überlegungen geändert werden kann).

Wenn man so vorgeht, die meisten von uns werden es so oder ähnlich tun, braucht man dazu nicht mehr oder nicht viel mehr Zeit als zum Lesen dieses Beitrags. (Manches Bild kann aber sehr lange in der Erinnerung bleiben und sogar im Gemüt.)

Mit der obenstehenden Zusammenstellung, ohne eingehende Überlegungen als Beispiel erstellt, möchte ich dazu anregen, solche Kriterien beizusteuern, mit denen man den Versuch machen könnte, Bildern wie den hier gezeigten gerecht zu werden - mit denen man in den Blick bekäme, was alles in ein solches Bild hineingewirkt hat, dass es so und nicht anders vor unseren Augen steht.

Sollte sich zeigen, dass eine solche Zusammenstellung sich zu einer Art Checkliste zur Beurteilung von Photographien entwickeln ließe, so übernähme ich es gerne, das Ergebnis redaktionell zu überarbeiten - abgesehen davon, dass jeder das machen kann und dass etwaige Ergebnisse zur Diskussion gestellt werden könnten. Bei einem solchen Verfahren wäre u. a. darauf zu achten, dass Dürers "Großes Rasenstück" (zum Beispiel) nicht zu kurz käme, denn dieses herrliche, prächtige Bild könnte bei einer unüberlegten Bewertungssystematik leicht "durchfallen". Dann aber fiele, natürlich, nicht das Bild durch, sondern das Bewertungssystem.

Wenn es zu brauchbaren Ergebnissen käme, wäre ein neuer Thread zu eröffnen. (Ohne Resonanz wird dieser Beitrag wohl hier stehenbleiben können, und wenn Hinweise auf bereits bestehende Systematiken der vorgeschlagenen Art eingehen, hat sich der Beitrag auch erledigt.)

Grüße, Heinz
 

Martina

Gesperrt
Also. Eine lose Sammlungsergänzung von mir:

Motiv:
* ausdrucksstark/ -schwach
* aussagekräftig/ nichtssagend
* anrührend/ ???
* ästhetisch/ abstossend
* Fantasie anregend/ oder eben nicht
* "erzählt" eine Geschichte/ erzählt nix
* dynamisch/ statisch

Gestaltung/Bildaufteilung:
* un-/ harmonisch
* spannungsreich/ -los
* planvolle/ zufällige Bildgestaltung (goldener Schnitt usw.)
* räumliche Tiefe/ flach

Technik:
* Schärfe/ unscharf (auch Schärfeverlauf, Tiefenschärfe usw.)
* Kontrastbewältigung/ flau (abgesoffen, überstrahlt)
* Farben (Sättigung usw.)

Vielleicht fällt mir später noch mehr ein.

LG
Martina
 

wopi

Aktives Mitglied
Beurteilen, Beschreiben oder Interpretieren?

Beurteilen
>> Beurteilen ist in der Fotografie am schwersten
>> Um beurteilen zu können müssen Grundlageninformationen vorhanden sein:
>>>> Grund der fotografischen Arbeit (Bildjournalismus, Werbefotografie, Schnappschuß, Kunst, ... )
>>>> Entstehung der fotografischen Arbeit
>> Zudem benötigt der "Richter über stark und schwach" auch fachliches Wissen,
um seine Beurteilung ausführen und belegen zu können.

Beschreiben
>> Eine Fotografie beschreiben, kann jeder, sollte aber wertefrei bleiben.

Interpretieren
>> Vielleicht die spannendste Art, geht über das Beschreiben weit hinaus und offenbart die Persönlichkeit des Betrachters.
Sollte aber ebenfalls wertefrei bleiben!



Nebelschmelzende Grüße aus dem sonnigen Schwabenland.
Oli
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo Oliver,

sehr interessanter und nützlicher Hinweis!

Auch das sind Gesichtspunkte, die ineinandergreifen - bei einer Stellungnahme zu einer Fotografie aber klärungsbedürftige Voraussetzungen!

Besten Dank, diese bedeutsame Unterscheidung hat mich, obwohl sie mir ansonsten geläufig ist, für die Anwendung in unserem Zusammenhang erheblich weitergebracht.

Grüße, Heinz
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo Martina,

danke für die "Anhandnahme" meiner Anregung und besonders für die wertvolle Anreicherung der Gesichtspunkte, die eine Rolle spielen und die, macht man sie sich nicht ausdrücklich bewußt, die eigene Meinung mitformen, vielleicht ohne dass man es selbst bemerkt.

Grüße, Heinz
 

plutonium

Läuft öfters hier vorbei
Bitte nein,

aus dem Englisch gibt es die schöne Bezeichnung "it works", wenn es das tut, warum etwas hinterfragen/analysieren was mann nie erklären wird können.

Die Antike und das Mittelalter sind vorbei, alle Versuche Kunst zu formalisieren sind fehlgeschlagen. Auch unsere Zeit, trotz Neuronennetze und Mustererkennungen, hat nichts bewegt. Das Gefühl und die Offenheit ist hier gefordert.

Daher meine Bitte, nicht weiter machen in die Richtung

Es gibt schöne Regeln, aber man erreicht auch viel wenn man exakt diese Regeln bricht.

Markus
 
T

Thbrunker

Hallo zusammen.

Ich finde dieses Forum sehr gut weil hier Fotografen unterschiedlichster Erfahrung einen Treffpunkt haben und ich nicht ein Foto / Bild in Prozent oder mit Schulnoten bewerten muß. Trotzdem aber technische, gestalterische und emotionale Rückmeldungen erhalte. Einige Mitwirkende kenne ich, bei anderen schaue ich dann halt im Profil mal nach. Mit der Zeit lernt man die Art der Kritik besser zu verstehen und für sich zu nutzen.

Eine leichte "Systematik" in der Vorgehensweise bei der Erstellung einer Stellungsnahme bekommt jeder der sich länger hier aufhält und mitmacht von selbst mit. Zum einen durch das lesen der schon geschriebenen Stellungsnahmen (ich benutze voller Absicht nicht das Wort "Bewertung"
biggrin.gif
) von anderen und zum weiteren durch den ständig besser werdenden eigenen Blick für das Wesentliche, Technische und Emotionale. Das nennt man glaube ich: "Lernerfolg"!

Meiner Erfahrung aus dem Studium nach ist es am aussagekräftigsten, wenn wir zusammen an einem Thema arbeiten und anschließend die gemachten Fotos gemeinsam in der Runde besprechen. Da ist es halt schade das wir alle so verstreut sind. Daraus ergibt sich die Idee, die mir seit Köln im Kopf umhergeht: "Bei einem Usertreffen Fotografieren und anschließend die Bildbesprechung" ? Würde mich auch dafür bereit erklären mitzuwirken.

Gruß Thomas
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo Markus,

es geht ja gar nicht um Regeln, auch nicht darum, "Kunst zu formalisieren".

Die Frage lautet, auf einen einfachen Nenner gebracht:
Woran sollte man denken, um dem Bild (und seinem "Schöpfer") gerecht werden zu können?

Nicht jeder, der ein Bild beurteilt, kann sich vorstellen, was in einem solchen Bild "drinsteckt", wie und unter welchen Umständen es gemacht wurde, was der Photograph mit der Aufnahme und dem Zeigen sagen will usw. Kenntnisse darüber helfen, den Photographen und sein Bild besser zu verstehen und sich eine eigene, möglichst begründete Meinung zu bilden.

Das sollte eigentlich aus dem bisher Gesagten erkennbar sein.

(Das Mittelalter und auch die ersten Jahrhunderte der Neuzeit hatten ihre Bilder so stark formalisiert, dass die Aussage vieler Bilder heute kaum noch von spezialisierten Kulturhistorikern verstanden wird. Da wurden Gegenstände, Tiere, Raumbeziehungen, Lichteffekte usw. eingesetzt, die eine längst vergessene, nur schwer wieder entschlüsselbare Bedeutung hatten. Seit es bildende Kunst gibt, schon in der Grotte Chauvet, ist das so. Die Symbolik früherer Kunstwerke enthält ebenso wie die heutigen "Hervorbringungen" mit symbolischer Bedeutung mit selbst bei gleichzeitiger Herstellung kulturbedingten Eigenheiten, die in anderen Kulturen nur Fachleuten verständlich sind. Das ist hier nicht Gegenstand der Diskussion. Da keine automatisierte Bildbeurteilung Gegenstand des Threads ist, sehe ich auch keinen Zusammenhang mit "Neuronennetzen" und "Mustererkennung".)

"It works" hätte sich hier auf Bildkritik zu beziehen, und dass die optimierbar ist, kann man kaum bestreiten. Bei der Beurteilung von Bildern kann nicht auf einen ersten Eindruck verzichtet werden und dafür plädiert niemand. Andernfalls sähe man, wie der Volksmund es treffend ausdrückt, vor lauter Bäumen möglicherweise den Wald nicht mehr. In diesem Sinne bemühe ich mich durchaus um Komplexitätsreduktion. Andere Forumsteilnehmer, die dazu etwas geschrieben haben, beabsichtigen auch nicht, ein Orwellsches Szenario mit Hilfe von Kriterien zur Bildbeurteilung zu installieren, wenigstens davor brauchen wir nicht gerettet werden.

Was spricht dagegen, Kenntnisse zusammenzutragen, die zu einem besseren Verständnis von Bildern beitragen können?

Grüße, Heinz
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Verehrte Leser,

das Interesse an dem Thema, das immerhin knapp ein Promille der Teilnehmer an die geflügelte Taste gelockt hat, spornt mich an, auf dem beschrittenen Wege umzukehren.

Was Martina, Markus, Oliver, Thomas und meine bescheidene Wenigkeit vorgetragen haben, ist vorstehend dokumentiert und mag, wenn die Zeit dafür noch nicht reif ist, der Nachwelt dienen.

Zum Abschluß der Arbeit an dem Projekt danke ich meinen Mitautoren für ihren Einsatz und für die eingebrachten Erkenntnisse, die das operationalisierbare Handlungswissen in dem bearbeiteten Sektor der Bildkritik zu einem brauchbaren Instrument angereichert und verdichtet haben.

Westerwald, im November 2006
Nikodemus
 

Martina

Gesperrt
Schade eigentlich.

Natürlich beurteile ich ein Bild auch erstmal aus dem Bauch heraus. Es spricht mich an, bringt irgendeine Saite in mir zum Schwingen - oder eben nicht. Für mein ganz eigenes Empfinden ist mir ziemlich egal, wieso und warum das so ist.

Wenn es aber um gemeinsame Bildbesprechungen geht, an denen wir lernen wollen, dann hilft es ungemein, das individuelle Bauchgefühl nachvollziehbar zu machen. Ich entwickle mich nämlich nicht dadurch weiter, dass jemand mir sagt, "wow, gefällt mir" oder "nee, gefällt mir nicht", sondern indem er mir so detailliert wie möglich erklärt, was genau ihm gefällt und was nicht.

Dafür wäre eine solche Sammlung möglicher Kriterien, die ein Foto in seiner Wirkung beeinflussen können, prima. Nicht als Regelwerk (manchmal sind gerade die regelverletzenden Fotos gut), sondern als "Checkliste", die bei einer Bildbesprechung helfen könnte.

LG
Martina
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo Martina,

wer dieses Thema weiterverfolgen und für sich persönlich zu einem brauchbaren Ergebnis kommen möchte, kann das auch außerhalb eines Forums.

Übrigens hat jemand schon ganz Beachtliches zusammengetragen zu "Bildkritik":
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Bei der Suche nach Quellen habe ich in einem anderen Forum einen ganz erschreckend gelaufenen Thread über Bildkritik gesehen, wo man sich in etwa fünfzig Beiträgen (geschätzt) innerhalb weniger Tage thematisch fast nur im Kreis gedreht hat, bis dieser Thread wegen häufiger gegenseitiger Anfeindungen geschlossen wurde. (Dort fand ich aber immerhin den Hinweis auf die vorstehende URL.)

Grüße, Heinz
 

Steffen

Hat seine Zahnbürste bei uns
Hallo Zusammen!

Das ist ja auch ein heikles Thema. Geschmäcker sind extrem unterschiedlich. Ich denke die technischen Aspekte, wie Schärfe... sind leicht zu beschreiben, aber Bildinhalt und Gefallen wird extrem schwierig. Selbst über den Bildaufbau lässt sich schön streiten. Auch ist es denke ich schwer da nach einem festen Raster zu Bewerten. Ich schaue mir ein Bild an, entscheide ob es mir gefällt oder nicht und was mir besonders gefällt bzw. wo npch das eine oder andere zu verbessern wäre. Alles eher emotional als rational. Meistens zumindest. Wenn mir ein Motiv nicht zusagt, fällt es mir exrtrem schwer das Bild zu bewerten und wenn es technisch noch so perfekt ist.

Ich sehe das bei mir nach dem Mehrheitsprinzip. Wenn mir viele Leute sagen, dass ihnen etwas an meinem Bild nicht gefällt, bin ich durchaus bereit das abzuerkennen, außer gerade das gefällt mir besonders. Wenn die Meinungen aber eher fifty fifty sind, muss man als Fotograf selbst entscheiden, zu welcher man selbst tendiert.

Gefährlich wird es immer dann, wenn zu einem Bild z.B. 10 positive (negtive)Kommentare da sind. Da den Mut aufzubringen und Kritik (Lob)zu äußern ist nicht immer leicht, selbst wenn man davon überzeugt ist. So kann es sein, dass zu einem Bild eine sehr einseitige Meinung aufkommt, abwohl das echte Meinungsbild viel gemischter ist.

Wie unterschiedlich Geschmäcker sein können, habe ich daran gemerkt, als ich das Fotomagazin aboniert hatte. Die "Bilder" von angesagten "Fotokünstlern" die darin oftmals veröffentlicht wurden fand ich oft grottenschlecht. Da war z.B. einer der hat "bewußt"??? nur unscharfe Aufnahmen gemacht, nun für die einen ist es "Kunst", wenn ich so was einschicken würde, würde es heißen, der ist zu blöd seine Kamera zu bedienen. Auch Personenaufnahmen die ich als totgeblitzt bezeichnen würde werden da als Kunst abgedruckt.

Ich bin daher sehr vorsichtig, was dieses Thema angeht und Du Heinz schreibst ja selbst, das man sich in einem anderen Forum schwer in der Wolle hatte. Ich denke man sollte einfach ehrlich schreiben was einem gefällt und was nicht, möglichst mit einer kleinen Begründung, aus der der fotograf was lernen kann und vor allem ohne beleidigend zu sein.

Gruß Steffen
 

nikon23

Läuft öfters hier vorbei
Hallo alle zusammen,
ich habe soeben die Ausführungen zur Bildkritik von Steffen gelesen und kann seinen Ausführungen nur zustimmen. Aber ist es nicht schlimm, wenn man aus Vorsicht und Rücksichtnahmen mit einer ehrlichen Kritik
vorsichtig sein muß?

Wann stelle ich normaler Weise ein Bild zur Kritik ein? Doch dann wenn ich persönlich von meiner Aufnahme überzeugt bin oder wenn ich ein besonderes Geschehen darstellen will. Im letzten Fall gehts dann aber weniger um Kritik sondern um Dokumentation und da können die Aufnahmen schon mal schlechter sein. Bei den Bildern aber, wo der Verfasser um Kritik bittet, sollte man diese konstruktiv und ohne Vorbehalte äußern dürfen.

Genau dieser Wunsch gestaltet sich problematisch. Klar man könnte es halten wie Steffen und Postive loben und das weniger Gute nicht erwähnen. Genauso könnte man den Ärger vermeiden, aber hilft es dem Bittsteller der Bildkritik besser zu werden? Nein, der sagt dann zu seinen Freunden im Fotoclub und Bekannten " Ich habe mein Bild im Forum eingestellt und ich habe nur gute Kritik bekommen, was ich Euch auch beweisen könnte!" Das brauchte uns weiter nicht zu stören, aber ob das dazu beiträgt das man ein besserer Fotograf wird ?

Weil eben dieses Verhalten unserer Gemeinschaft schwer zu ändern ist und wir alle den Frieden lieben, sollten wir uns sehr gut überlegen welche Foto's wir einstellen und gleichzeitig um Kritik bitten, denn man kann auch eine Gemeinschaft in Verlegenheit bringen und herben Ärger verursachen. Wie das geht? Ganz einfach ein angesehenes Forummitglied stellt ein schlechtes Foto ein und bittet dann um Kritik. Die meisten loben dann noch was nicht zu erkennen ist und die paar Kritiker die es ehrlich meinen beziehen Prügel. Also erwähnen wir das kaum erkennbare Besondere und halten uns mit konstruktiver Kritik zurück. So gelingt es uns auf Dauer eine streitlose Gemeinschaft zu bleiben.

Zum Trost aller, dieses Problem gibt es auch in anderen Gemeinschaften und besonders unter Künstler und "Kleingärtner". Da ist auch oft das Lob- und Kritikverhalten gestört. Ich glaube je älter man wird um so mehr ist man von sich überzeugt, sensibler und schnell mal eingeschnappt. Ich bin zwar gerade mal 60 Jahre, aber gemerkt habe ich auch schon mal was in dieser Richtung Hi ..

Mfg Wolfgang
 

GuF

Kennt den Türsteher
Ich glaube je älter man wird um so mehr ist man von sich überzeugt, sensibler und schnell mal eingeschnappt.

Wolfgang,

Das stimmt. Ich bin 61. Als ich vor mehr als zwanzig Jahren den letzten suizidwilligen Menschen überfuhr (ich WAR Lokführer) hatte mir das nichts anhaben können, aber der letzte vor genau zwei Jahren hat mir gerade den Rest gegeben. Man wird dünnhäutiger aufs Alter, aber ich finde, auch sanfter.
Mit Grüssen, Guido
 

nikon23

Läuft öfters hier vorbei
Hallo Guido,
danke für Deine Zustimmung auch wenn mir Deine dramatischen Erlebnisse sehr berührt haben. Man stumpft halt nicht immer ab sondern die meisten werden dünnhäutiger!
Nach dieser Nachricht hatte ich mir mal Dein Profil angelesen und festgestellt, daß Du in Winterthur CH wohnst. Genau da wohnt auch ein lieber Vetter von mir,der bei der Firma Sulzer gearbeitet hat. Er wohnt in der Johannes Beugger Str..

Mfg Wolfgang
 

nikodemus

Bringt häufig das Frühstück mit
Hallo Steffen,

was Du schreibst, halte ich für richtig und bedenkenswert.

Mein Interesse gilt nicht einem Bewertungs- oder Benotungssystem für Bilder (ferne sei mir dies), sondern einer Art Checkliste (wie Martina es auch sieht) mit Gesichtspunkten, die ich an einem Bild beachten sollte, um ihm möglichst gerecht werden zu können.

Die Frage lautet: was sollte ich im Interesse einer möglichst objektiven Beurteilung beachten und nicht vergessen, wenn ich mir über ein Bild eine Meinung bilden und wenn ich diese Meinung weitergeben will?

Wenn ich die Freistellung, die Nicht-Freistellung oder den gegebenen Schärfentiefenbereich bei meiner Meinungsbildung außer Betracht lasse, oder die Raumaufteilung und die Position des Hauptmotivs im Bild, fehlen mir Details, die für ein zutreffendes Urteil in vielen Fällen miterwogen werden müssen.

(Der Doppelsinn des Wortes "Urteil" ist der Beurteilung und der Akzeptanz von Urteilen nicht dienlich, und bei "Kritik" verhält es sich ähnlich. Wenn Begriffe im objektiven Sinne verwendet werden, führt das oft zu Mißverständnissen, die man meist voraussehen und vermeiden kann.)

Was Du bereits anführst und was Wolfgang und Guido noch bekräftigt haben, ist die bekannte Tatsache, dass nicht jeder den Mut oder die Rücksichtlosigkeit oder das Verantwortungsbewußtsein hat, seine Meinung zu äußern.
Das hat jeweils seine Gründe und ist auch nicht immer falsch, hängt aber nicht notwendig zusammen mit einer "Checkliste" von Eigenschaften eines Bildes, die man bei einer Beurteilung berücksichtigen müßte. Die Übermittlung der Kritik und die Art und Weise, in der sie zum Ausdruck gebracht wird, kommt erst danach und verdiente einen eigenen Thread.

Grüße, Heinz
 
T

Thbrunker

Hallo zusammen.

Sich "zu streiten" gehört zu unserer Kultur und ist ein fester Bestandteil der Komunikation. Mit Fotos und Bildern sowie mit der darstellenden Kunst kann ich gezielt darauf zusteuern. Oder ich mache Fotos die im Strom der Allgemeinheit mitschwimmen. Zu dem zweitem ist es dann mit der Diskusion für jeden möglich, doch kommt dann meist zum Inhalt des Fotos "sehr schön" oder ähnliches.

Geht ein Foto weiter und wird zum Kunstwerk, so ist das Verständnis ürf den Grund und für die Bildaussage nicht direkt erkennbar und für sehr viele bleibt sie verborgen wenn man sich nicht mehr darum kümmert.
Meine persönliche Erfahrung ist es das man für den tieferen Blick viel üben und mit einem großen Weitblick haben muß. Das kommt den langjährigen Fotografen unter uns zu gute. Dazu ist der Link von Heinz genau der Richtige. Dank dafür
5769.gif


Muß jetzt los, Gruß Thomas
 

GuF

Kennt den Türsteher
Hallo Thomas,

"doch kommt dann meist zum Inhalt des Fotos "sehr schön" oder ähnliches".

Solch Aussagen sind doch legitim. Das Foto gefällt einem oder eben nicht, ohne genau erklären zu können warum eigentlich.

Ich habe den Eindruck, dass in der heutigen Zeit alles und jedes erklärbar sein muss. Der Laie darf doch noch staunen..

Ich zähle mich zu den Laien und möchte so viel wie möhlich von den Fachleuten hier im Forum lernen.

Da schätze ich natürlich Hinweise darauf, warum jemandem ein Bild gefällt. Z.B. wegen des Bildaufbaues usw. oder wie mans anders machen könnte.

In einem solchen Forum entsteht dann manchmal ein Lehrer - Schüler - Verhältnis. aber das finde ich positiv. Meistens.

Mit Grüssen, Guido


Mit Grüssen, Guido
 

nikon23

Läuft öfters hier vorbei
Hallo Heinz, Thomas und alle die es interessiert,
wir dürfen doch nicht so tun, als wenn die hier vorgestellten Foto`s alle etwas besonderes wären. Einige der hier vorgestellten Foto`s sind sogar schlecht und gehörten in den Rundordner. Natürlich haben wir auch hier richtige "Sahnestückchen" und da ist eine öffentliche Besprechung auch sehr schmeichelhaft für den Einsender, aber was schreibt man zu dem Rest?

Wenn ich als Hobbyfotograf meine Ergebnisse sichte, dann weis ich sehr wohl was ein gutes und ein weniger gutes Foto ist. Ich kann auch beurteilen ob die Aufnahme eine gewisse Exklusivität besitzt und einen besonderen fotografischen Wert hat und wenn man von allem überzeugt ist, dann sollte man seine Fotofreunde um eine Bewertung bitten oder einfach nur sein Werk präsentieren. Leider werden hier auch Aufnahmen vorgestellt, die dem Betrachter nur ein Kopfschütteln oder herbe Kritik abfordern. Diese Aufnahmen sind dann einfach nur geknippst und nicht fotografiert und jetzt, was wollt Ihr denen dann ganz offen und mutig schreiben ?

Wir könnten uns dann ganz große Mühe geben und ganz vorsichtig und konstrukiv schreiben, dass die vorgestellte Aufnahme für den Rundordner geeignet ist oder das vorgeschlagene Berwertungschema anwenden :

(von Martina)

Motiv:
* ausdrucksstark/ -schwach
* aussagekräftig/ nichtssagend
* anrührend/ ???
* ästhetisch/ abstossend
* Fantasie anregend/ oder eben nicht
* "erzählt" eine Geschichte/ erzählt nix
* dynamisch/ statisch

Gestaltung/Bildaufteilung:
* un-/ harmonisch
* spannungsreich/ -los
* planvolle/ zufällige Bildgestaltung (goldener Schnitt usw.)
* räumliche Tiefe/ flach

Technik:
* Schärfe/ unscharf (auch Schärfeverlauf, Tiefenschärfe usw.)
* Kontrastbewältigung/ flau (abgesoffen, überstrahlt)
* Farben (Sättigung usw.)

Richtig eine solche Bewertung wäre wünschenswert, aber auch sehr zeitintensiv und schließt auf keinen Fall einen Streit aus. Das gewünschte Ergebnis, nämlich eine objektive Bildbesprechung die letzt endlich zu besseren Ergebnissen führt, wird wohl in den seltesten Fällen eintreten. Man sollte aber nichts zerreden, was noch nicht probiert wurde und ich würde mich freuen wenn es dann klappt mit unserem Lob und Kritik. Ich werde es demnächst mal versuchen.

Mfg Wolfgang
 
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