Hallo,
mit Zwischenblende meint Thomas sicherlich die "krumme" Lichtstärke von 1,8, weil nach 2,8 als nächste ganze Stufe 2,0 und dann 1,4 folgen müssten. Die halbe Rastblende beim 1,8/85 bedeutet aber nicht 2,0 sondern 2,4, danach folgt statt 2,0 gleich die 1,8 als größte Öffnung.
Einige Objektive (z.B. ein FL 3,5/200) haben knapp daneben noch eine Rastung für die 4,0 als nächsten "runden" Wert, doch beim 85 ist für sowas kein Platz. Das 1,2/85 ist genauso ein Objektiv mit abweichender Blendenstufung (zwischen 1,0 und 1,4).
Die Blendenwerte (und damit die durchgelassene Lichtmenge) verdoppeln/halbieren sich jeweils um den Faktor Wurzel 2 (also 1,41...), gerundet ergeben sich dann die bekannten Blendenwerte. An vielen EOS-Kameras kann man sogar Drittel-Blenden- und -zeitwerte (entsprechend den ASA-Schritten) einstellen.
Wozu diese ganze Pingeligkeit? Wenn man mit Ansel Adams Zonensystem (für die Schwarzweißfotografie) arbeitet, kommt es auf genaueste Belichtung und Berechnung der Belichtungsstufen an, da machen Drittelblenden schon viel aus. In Photoshop-Zeiten ist das vielleicht nicht mehr für jeden nachvollziehbar, sich für perfekte Abzüge solche Mühe zu geben.
Zur Intergral- und Selektivmessung: Die alte F-1 besitzt nur Scheiben mit einem 12prozentigen (sehr zuverlässigen und praxisorientierten) Selektivmessfeld, mit dem sich genau zielen lässt, deutlich mehr als bei einer oft kritischen Spotmessung, aber viel genauer als mit einer Integralmessung über das ganze Bild, was vor allem bei großen Himmelsbereichen Probleme macht.
Da die F-1 alt als Kamera mit Handeinstellung der Blende ausgelegt ist, hat der Fotograf beim Messen die volle Kontrolle und kann sich das für die Belichtung entscheidende Element aussuchen und die Belichtung verändert sich dann auch nicht durch eine eigenwillige Automatik.
Zur Kamera mit Integralmessung kann die alte F-1 allerdings (trotz der Selektivscheiben) doch werden, wenn man z.B. den Servosucher EE benutzt, der für automatische Belichtung (damals z.B. für Überwachungszwecke) doch besser das gesamte Sucherbild berücksichtigt.
Die F-1 New wurde in der Grundausstattung (wenn ich mich nicht sehr irre, die Unterlagen müsste ich erst raussuchen) mit einfachem Standard-Sucher mit Nachführmessung sowie Selektivscheiben angeboten (Standardtyp war Scheibe "E" mit Mikroprismenring und einfachem Schnittbildindikator).
Die Kamera konnte auch mit Automatiksucher als Zeitautomat (bei Blendenvorwahl) gekauft werden und wurde mit Motor oder Winder zum Blendenautomaten. Das Gehäuse allein (egal welcher Sucher) beherrscht nur Nachführmessung und Zeitautomatik, Blendenautomatik gabs nur mit Motorantrieb, was aus damaliger konstruktiver Zeit durchaus Sinn machte, auch wenn viele (vor allem AE-1- und A-1-Fotografen) das Fehlen der Blendenautomatik in der Grundausstattung kritisierten.
Damit konnte die F-1 New kaum viel mehr als die alte F-1 - mit dem Unterschied, jederzeit von Spotmessung (3 Prozent) auf Selektivmessung (12 Prozent) und mittenbetonte Integralmessung (50 Prozent) wechseln zu können.
Für Fotografen, die von der F-1 alt kamen, war das übrigens eine Offenbarung, denn endlich konnte die Messung ans Motiv angepasst werden (z.B. für Bühnenfotografie und Automatikserien).
Andererseits war das eine kostspielige und unpraktische Sache, die Scheiben waren sehr teuer (198 DM) und mussten eben notfalls auch bei schlechtem Wetter gewechselt werden, während Kameras anderer Hersteller die Messartumstellung schon intern bewerkstelligten.
Erst mit dem Paukenschlag der T90 hat Canon dann vieles nachgeholt, aber leider auch die Wechselsucher aufgegeben. Sowas wie den "Kino"-Lupensucher FN 6-fach gibts leider nicht mehr....
LG, Thomas
P.S.: Der Motor zur A-1 und AE-1P heißt übrigens Motordrive MA, der MF dagegen ist das zweite Modell für die F-1 alt (das erste Modell heißt MD), der Motor zur F-1 New heißt Motordrive FN.