Hallo,
wenn ich ein Bild betrachte, erfasse ich es nicht wie ein Scanner, in einer bestimmten Ecke beginnend, um dann nacheinander zeilenweise die Informationen für das ganze Bild in meine Sehrinde zu schleusen.
Mein Blick fällt zuerst auf das, was mir in dem Bild am stärksten auffällt, und danach umrunde ich immer bewußter diese Stelle und erschließe mir das Bild.
Dabei denkt es in mir und Gedanken und Empfindungen steuern den weiteren Aufbau des Bildes und machen mir zunehmend Details bewußt, jedenfalls solange es mich interessiert. Es mischen sich Vorerfahrungen mit Vorlieben und Abneigungen ein und es treten Kenntnisse über Farben, Bilder, Weinblätter, über Objektive, Blende, Belichtungszeit und anderes hinzu.
Im Falle dieses Bildes habe ich zuerst das obere, weitgehend scharf abgebildete Blatt wahrgenommen, danach erst das untere, unscharfe, und dann die dahinterliegenden, rotgefärbten Blätter.
Ohne nach einer detaillierteren Begründung zu suchen, neigt mein schwankendes Urteil zu diesem Bild dahin, dass mir das untere, unscharfe Blatt, besser gefiele, wenn es sich farblich stärker von dem oberen, scharfen, abhöbe.
Außerdem sagen mir die Proportionen des Bildes nicht sehr zu: die Höhe sollte gegenüber der Breite etwas reduziert sein. Aber man kann das untere Blatt nicht einfach abschneiden. Wenn dies auch noch scharf wäre, wirkte das Bild überladen. Die Höhe des Bildes käme mir eher richtig vor, wenn es einen Rebstock gäbe, der eine Senkrechte im Hintergrund bildete.
Die Farben finde ich schön, auch die Komposition des Bildes ansonsten.
So kann sich jeder nach seiner Erfahrung und seinem davon ja abhängigen Geschmack eine eigene Meinung bilden. Es kann keine zwei Menschen geben, die in jedem Detail zu einem solchen Bild genau übereinstimmen würden, und es wird schon bedenklich, wenn man scheinbar logische Begründungen dafür konstruiert, warum einem etwas gefällt oder nicht.
Deshalb sehe ich meine Meinung nur als Beispiel an, und ich lese mit Interesse, welche Auffassungen es zu diesem Bild gibt.
Grüße, Heinz