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Verschlusszeit bei Blitz-Aufnahmen mit EOS 350 D

Frank Canon-Fan

Mitglied
Mitglied seit
27 Jul 2009
Beiträge
31
Ich wundere mich, dass meine EOS 350 D standardmäßig im Modus "P" immer mit 1/60 blitzt. Die Kamera kann doch auch bis zu 1/200.

Jetzt habe ich mit einer Sonderfunktion im Menü die Blitzverschlusszeit für AV auf 1/200 geändert. Ich kann dann die Blende wählen und bis zu Blende 8 macht meine Kamera das mit dem Speedlite 430 EX auch gut mit. Sogar wenn der Blitz nach oben gegen die Decke (natürlich nur weiß) gestellt ist. Die Weihnachtsfotos von meiner kleinen Tochter habe ich heute so gemacht und bin zufrieden mit dem Ergebnis. Der Kondensator im Blitz ist natürlich jedesmal fast leer und muss erst mal wieder laden. Aber dafür habe ich mit ISO 100 und 1/200 s und Blende 8 eine Einstellung, bei der nichts verwackeln kann und die Fotos noch bei größerem Format absolut scharf sind.

Wieso sind eigentlich nicht die Standardeinstellungen so? Was spricht dagegen?
 
Hallo Frank,
bei 1/60s + Blitz sollten die Bilder auf jeden Fall scharf genug sein. Auch bei Portraits.
Je kürzer die Belichtungszeit bei Blitzverwendung, desto weniger kriegst du von der Umgebungsstimmung mit aufs Bild.
Wenn du mit dem Blitz bei 1/200s voll draufknallst, ist der Hintergrund doch schon ziemlich dunkel oder?
Lass mal ein Bild sehen.

LG und schöne Feiertage!
Christian
 
Wie stellt man die Kamera richtig ein zum Blitzen?

Hallo Christian,

ja, da hast Du recht. Der Hintergrund ist zu dunkel und man sieht starke Schatten an den Wänden. Die eigentlich fotografierten Personen sehen zwar sehr scharf aus, aber die Umgebung kommt zu kurz.

Wie würdest Du denn die Kamera zum Blitzen einstellen? Auf "P"? Oder auf "AV" ohne die Sonderfunktion "1/200 s"? Und welche Blende dann?


Ciao! Frank
 
Hi!

Ich gebe auch mal meinen Senf dazu: Ich persönlich verwende immer M für Blitzlichtaufnahmen. Damit habe ich die besten Erfahrungen gemacht. P eignet sich als Rundumsorglosprogramm auch, aber da macht die Kamera ja nicht was ich will, sonder was sie meint das ich will.

AV und TV eignen sich nur bedingt und verlangen eigentlich ein Stativ. In diesen Modi versucht die Kamera den Hintergrund ohne Blitz korrekt zu belichten und belichtet den Vordergrund durch den Blitz. Bei vorgewähler Blende ergibt sich dadurch trotz Blitz eine lange Belichtungszeit.

Das kann künstlerisch gewollt sein, wenn du zB eine Spur hinter einem sich bewegenden Objekt haben möchtest. Dann musst Du aber in dern Customerfunctions die Syncronisation auf den 2.Vorhang einstellen, sonst ist die Spur vor dem Objekt.

LG
 
Bei vorgewähler Blende ergibt sich dadurch trotz Blitz eine lange Belichtungszeit.

Sali FM

Das lässt sich aber im Menu so einstellen das im Modus AV die Zeit fest auf 1/250 gestellt wird.
Blitzaufnahmen mache ich immer mit AV und hatte nie lange Belichtungszeiten.
 
Manuelle Blende und Zeit bei Blitzbelichtung

Also ich habe das mal ausprobiert mit der Einstellung M. Das hat gut geklappt. Am besten wurden die Blitzaufnahmen bei Belichtungszeit 1/60 oder 1/80 und Blende zwischen 4 und 5,6 mit Speedlute 430 EX mit hochgeklapptem Blitz.

Bei stärker geschlossener Blende wurde der Hintergrund zu dunkel, weil der Blitz die Ausleuchtung scheinbar nicht schafft. Bei kürzeren Belichtungszeiten z.B. 1/200 ist es ja genau so, wie wenn ich über die Individualfunktion C. Fn 3 die Blitzbelichtungszeit bei AV auf 1/200 einstelle. Dann ist der Hintergrund auch zu dunkel.

Bei Einstellung "P" geht die Kamera immer auf die größte Blendenöffnung des Objektivs. Da fehlt es mir aber an Tiefenschärfe. Sobald mehrere Personen auf dem Foto sind, sind nicht alle scharf.

Bei "Portrait" und dem "grünen Rechteckt" wählt die Kamera automatisch ISO 400. Das möchte ich auch nicht.

Also ich finde da ist wirklich noch am besten, man geht auf "M" und wählt 1/60 oder 1/80 und ne Blende, bei der noch genügent Tiefenschärfe da ist, z.B. 5,6.

Oder gibt es noch andere Meinungen dazu? Mir geht es da nicht um künstlerische Fotos, sondern um einfache Fotos, wo an Weihnachten Oma und Opa da sind und mit den Enkeln vor Weihnachtsbaum spielen. Man muss doch mit einer digitalen Spiegelreflexkamera aus dem Jahre 2006 und einem Speedlite EX solche einfachen Fotos hinbekommen.
 
Hallo Frank

An der Betriebsfeier im Herbst...EOS 40D auf AV 1/250, Blende weiss ich nicht mehr. Grosse Halle, Blitz SP580 EXll. Und ich musste den Blitz zurück stellen weil er zu hell war bei den Gruppen Fotos. Die Fotos waren scharf und alle waren zufrieden. Oma und Opa unterm Tannenbaum müsste man eigentlich sogar mit dem Internen Blitz hinkriegen. Und der hat ja nur LZ 12. Müsste bei ISO 100 so an die 3-4m weit kommen.

Hattest du das Blitzgerät auf Automatik Ettl2 gestellt?
Dann berechnet es ja die nötige Blitzleistung selber.
Wenns dann immer noch zu dunkel sein sollte kannst du ja die Blitzkorrektur höher stellen an der Kamera.
 
ETTL2 hat das Speedlite 430 EX nicht.

Aber auch mit Einstellung ETTL wird der Blitz bei Erreichen der richtigen Helligkeit abgestellt. Das Problem ist eben nur die Ausgewogenheit zwischen Hauptmotiv und Hintergrund.

Sicher kann das die 40 D auch besser, als die 350 D.
 
Hallo Frank,

die Blitzautomatik ist schön, aber leider doch nicht so einfach, wie es scheint. Die E-TTL, E-TTL2, A-TTL-Systeme von Canon machen eigentlich immer richtig belichtete Bilder, ob sie aber perfekt sind und auch natürlich wirken, hängt von vielen Faktoren ab.

Zum einen steuern alle drei Blitzsysteme (nicht nur E-TTL-2) die Blitzbelichtung automatisch. Je neuer (also am besten E-TTL2) desto angenehmer wird allerdings der Hintergrund in die Gesamtbelichtung eingebunden. Wie das funktioniert, ist ziemlich komplex und an anderen Stellen in diesem Forum auch schon beschrieben.

Es ist sicher jedem bekannt, aber in diesem Thread wurde noch nicht klar gesagt, dass das Blitzlicht immer nur einen Entfernungsbereich richtig belichten kann, alles davor wird zu hell, alles dahinter zu dunkel. Das Licht nimmt mit der Entfernung stark ab, deshalb ist auf vielen Blitzfotos der Hintergrund dunkel.

Damit das nicht passiert, ist folgendes nötig: Die wirksame Blitzblende wird automatisch auf die Blitzlichtstärke abgestimmt (die EOS-Kameras und EX-Blitze steuern sich gegenseitig), die Belichtungszeit dagegen ist ausschließlich dazu da, das noch vorhandene natürliche Licht (Raumbeleuchtung, Dämmerung) so zu steuern, dass auch der Hintergrund brauchbar zu erkennen ist. Das ist leider gerade bei wenig Licht nur mit längeren Belichtungszeiten (und Verwackelungsrisiko) erreichbar, es sei denn, man nutzt die offene Blende und/oder hohe ISO-Zahlen, um mindestens 1/30 Sekunde zu erreichen.

Mit der Program(m)-Automatik "P" geht Canon auf Nummer sicher: Wie schon in einem vorigen Beitrag geschrieben, reicht die Standard-Zeit 1/60 bei normalen Blitzsituationen (im Dunkeln) aus, Verwacklungen weitgehend zu verhindern, weil das Umgebungslicht kaum noch wirken kann und die Hauptbeleuchtung immer vom Blitz kommt. Das ist auch der entscheidende Unterschied zu den anderen Kameraprogrammen: Bei "P" ist der Blitz immer das Hauptlicht, der Hintergrund wird zusätzlich noch etwas unterbelichtet.

Bei Av und Tv dagegen dient der Blitz nur noch als Aufhelllicht, während die Hauptbeleuchtung vom Umgebungslicht kommt. Das bringt oft ein viel natürlicheres Ergebnis, vor allem, wenn man auch noch die Blitzbelichtungskorrektur (-/+) oder die Blitzmesswertspeicherung (FEL) hinzunimmt.

Die manuelle Einstellung von Zeit und Blende plus Blitzautomatik oder manuelle Blitzeinstellung bringen verlässliche Ergebnisse bei rasch wechselnden Reflektionseigenschaften, sind aber z. T. schwer zu händeln, wenn sich der Motivabstand schnell ändert.

Allerdings wirken sie nur selten wirklich natürlich, man sieht immer die künstliche Beleuchtung. Das hat mich schon in der Vor-EOS-Zeit gestört, als man mit F-1 und Co (außer T90) noch alles manuell einstellte und auf die Blitzmessung durchs Objektiv (TTL) verzichten musste. Erst durch E-TTL (in Av und Tv) wird ein (theoetisch) nahezu unsichtbarer Aufhelleffekt erreicht.

Wegen der schwierigen Lichtverteilung und des dramatischen Lichtabfalls nach hinten würde ich bei direktem Blitzen immer Av oder Tv (trotz einiger Nachteile) benutzen, damit der Hintergrund nicht schwarz wird.

Um dieses Problem grundsätzlich zu vermeiden, bietet sich übrigens das indirekte Blitzen gegen Decke oder Wände an, weil dann das Licht von oben überall hin die gleiche Strecke zurücklegen muss und alles gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Weil dabei Licht verloren geht, muss man öfter mit offener Blende oder maximal 5,6 arbeiten, je nach ISO.

Gerade in Innenräumen mit langen Tischen (Feiern etc) ist das indirekte Blitzen gegen die helle (möglichst weiße) Decke eine gute Lösung. Dann können auch plötzlich in den Vorgergrund geratene Elemente wie Blumen, Tischdecken oder winkende Arme und Glatzen das Bild nicht durch zu starke Reflexionen zerstören.

In dem Zusammenhang sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass die verschiedenen seit Mitte der 80er Jahre eingeführten Canon-Blitzmessysteme unterschiedlich arbeiten. Sie messen alle durch das Objektiv, aber mit unterschiedlicher Ausprägung. Grundsätzlich orientierten sich die ersten Canon-TTL-Messsysteme immer am nächstgelegenen, hellsten Motivdetail. Anschließend wurde noch die Autofokuseinstellung mit ausgewertet, d.h., die Kameraelektronik ging davon aus, dass die Scharfstellung immer am wichtigsten Motivdetail liegt, also wurde das Blitzlicht dort gemessen, wo das aktive AF-Feld liegt. Was oft danebenging, wenn der Fotograf die Scharfstellung speicherte und dann doch den Ausschnitt änderte. Man konnte zwar eingreifen, aber optimal war das nicht.

Canon hat mit seinen Blitzsystemen noch nie so wirklich eine hundertprozentige Lösung gefunden, sondern doktert immer noch daran herum. Bei E-TTL2 z.B. hat man die Bindung ans AF-Feld wieder aufgegeben und wertet nun die gemessene Entfernung mit aus, um ungewöhnlich starke Reflexionen aus der Messung auszuschließen. Zuletzt wurde (z.B. mit dem 580EXII in Verbindung mit ganz aktuellen Kameras) sogar die Außenmessung wiederbelebt, die in den 70er und 80er Jahren das Nonplusultra war - neben der manuellen Einstellung.

Fazit: Die beste Blitzeinstellung gibt es nicht, es kommt immer auf die Situation an.

Der Canon-Profi-Trainer Jürgen Denter hat beispielsweise lange auf Av und direkten Blitz geschworen und das indirekte Blitzen als überholt abgetan. Da er aber vorwiegend Models und gestellte bzw. berechenbare "Situationen" fotografierte, hatte er viel Spielraum.

Für Reportagefotografie habe ich mir beispielsweise folgende Standardeinstellungen (evtl. Nachteile bewusst in Kauf genommen) für das direkte Blitzen (EX im Blitzschuh der Kamera) zurechtgelegt:
- Tagsüber (außerhalb der Dämmerung) zum Aufhellen E-TTL und "P" (Zeiten 1/60 bis 1/250, bei EOS-1D bis 1/500).
- In der Dämmerung E-TTL und Av (2,8 - 5,6), notfalls mit fester Zeit auf 1/200 oder 1/250 (je nach Kamera), sonst aber durchaus bis 1/15 und 1/2 Sekunde.
- Wenn die Zeit wichtiger ist als die Schärfentiefe, dann Tv mit 1/15 bis 1/60 Vorwahl.
- Bei schwierigen Motiven (z.B. Reflexstreifen von Einsatzkräften bei Unfällen, Bränden etc): Kamera mit manuell gewählter Zeit (je nach Umständen, 1/30 bis 1/250) und manuell gewählter Blende abhängig vom Motivabstand (Blitz auch manuell gesteuert. Manuelles Blitzen geht mit Kameraeinstellung Av und M, nicht aber mit P und Tv).

- In Innenräumen entweder indirektes Blitzen mit P oder Av, bei schwierigen Situationen oder schneller Blitzfolge mit Diffusor ("Joghurtbecher") vorm Blitz oder mit indirektem Blitzen gegen kleine weiße Pappe oder die ausziehbare Reflektorfläche am 580 EXII.

Makroaufnahmen sind wieder ein anderes Gebiet, da bevorzugen etliche Fotografen einen schwarzen Hintergrund.

LG, Thomas

PS: In "P" sind alle Zeiten zwischen 1/60 und 1/250 möglich, sie werden von der kamera abhängig vom vorhandenen Licht eingestellt.
 
Hallo Thomas,

vielen Dank für die ausführliche Beschreibung!

Ich denke, ich habe jetzt alles verstanden. Zu mindest in der Theorie.

Man muss auf jeden Fall von Situation zu Situation abschätzen, was das richtige ist oder man macht einfach mit jeder Einstellung ein paar Fotos.

MfG Frank
 
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