Hallo Frank,
die Blitzautomatik ist schön, aber leider doch nicht so einfach, wie es scheint. Die E-TTL, E-TTL2, A-TTL-Systeme von Canon machen eigentlich immer richtig belichtete Bilder, ob sie aber perfekt sind und auch natürlich wirken, hängt von vielen Faktoren ab.
Zum einen steuern alle drei Blitzsysteme (nicht nur E-TTL-2) die Blitzbelichtung automatisch. Je neuer (also am besten E-TTL2) desto angenehmer wird allerdings der Hintergrund in die Gesamtbelichtung eingebunden. Wie das funktioniert, ist ziemlich komplex und an anderen Stellen in diesem Forum auch schon beschrieben.
Es ist sicher jedem bekannt, aber in diesem Thread wurde noch nicht klar gesagt, dass das Blitzlicht immer nur einen Entfernungsbereich richtig belichten kann, alles davor wird zu hell, alles dahinter zu dunkel. Das Licht nimmt mit der Entfernung stark ab, deshalb ist auf vielen Blitzfotos der Hintergrund dunkel.
Damit das nicht passiert, ist folgendes nötig: Die wirksame Blitzblende wird automatisch auf die Blitzlichtstärke abgestimmt (die EOS-Kameras und EX-Blitze steuern sich gegenseitig), die Belichtungszeit dagegen ist ausschließlich dazu da, das noch vorhandene natürliche Licht (Raumbeleuchtung, Dämmerung) so zu steuern, dass auch der Hintergrund brauchbar zu erkennen ist. Das ist leider gerade bei wenig Licht nur mit längeren Belichtungszeiten (und Verwackelungsrisiko) erreichbar, es sei denn, man nutzt die offene Blende und/oder hohe ISO-Zahlen, um mindestens 1/30 Sekunde zu erreichen.
Mit der Program(m)-Automatik "P" geht Canon auf Nummer sicher: Wie schon in einem vorigen Beitrag geschrieben, reicht die Standard-Zeit 1/60 bei normalen Blitzsituationen (im Dunkeln) aus, Verwacklungen weitgehend zu verhindern, weil das Umgebungslicht kaum noch wirken kann und die Hauptbeleuchtung immer vom Blitz kommt. Das ist auch der entscheidende Unterschied zu den anderen Kameraprogrammen: Bei "P" ist der Blitz immer das Hauptlicht, der Hintergrund wird zusätzlich noch etwas unterbelichtet.
Bei Av und Tv dagegen dient der Blitz nur noch als Aufhelllicht, während die Hauptbeleuchtung vom Umgebungslicht kommt. Das bringt oft ein viel natürlicheres Ergebnis, vor allem, wenn man auch noch die Blitzbelichtungskorrektur (-/+) oder die Blitzmesswertspeicherung (FEL) hinzunimmt.
Die manuelle Einstellung von Zeit und Blende plus Blitzautomatik oder manuelle Blitzeinstellung bringen verlässliche Ergebnisse bei rasch wechselnden Reflektionseigenschaften, sind aber z. T. schwer zu händeln, wenn sich der Motivabstand schnell ändert.
Allerdings wirken sie nur selten wirklich natürlich, man sieht immer die künstliche Beleuchtung. Das hat mich schon in der Vor-EOS-Zeit gestört, als man mit F-1 und Co (außer T90) noch alles manuell einstellte und auf die Blitzmessung durchs Objektiv (TTL) verzichten musste. Erst durch E-TTL (in Av und Tv) wird ein (theoetisch) nahezu unsichtbarer Aufhelleffekt erreicht.
Wegen der schwierigen Lichtverteilung und des dramatischen Lichtabfalls nach hinten würde ich bei direktem Blitzen immer Av oder Tv (trotz einiger Nachteile) benutzen, damit der Hintergrund nicht schwarz wird.
Um dieses Problem grundsätzlich zu vermeiden, bietet sich übrigens das indirekte Blitzen gegen Decke oder Wände an, weil dann das Licht von oben überall hin die gleiche Strecke zurücklegen muss und alles gleichmäßig ausgeleuchtet ist. Weil dabei Licht verloren geht, muss man öfter mit offener Blende oder maximal 5,6 arbeiten, je nach ISO.
Gerade in Innenräumen mit langen Tischen (Feiern etc) ist das indirekte Blitzen gegen die helle (möglichst weiße) Decke eine gute Lösung. Dann können auch plötzlich in den Vorgergrund geratene Elemente wie Blumen, Tischdecken oder winkende Arme und Glatzen das Bild nicht durch zu starke Reflexionen zerstören.
In dem Zusammenhang sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass die verschiedenen seit Mitte der 80er Jahre eingeführten Canon-Blitzmessysteme unterschiedlich arbeiten. Sie messen alle durch das Objektiv, aber mit unterschiedlicher Ausprägung. Grundsätzlich orientierten sich die ersten Canon-TTL-Messsysteme immer am nächstgelegenen, hellsten Motivdetail. Anschließend wurde noch die Autofokuseinstellung mit ausgewertet, d.h., die Kameraelektronik ging davon aus, dass die Scharfstellung immer am wichtigsten Motivdetail liegt, also wurde das Blitzlicht dort gemessen, wo das aktive AF-Feld liegt. Was oft danebenging, wenn der Fotograf die Scharfstellung speicherte und dann doch den Ausschnitt änderte. Man konnte zwar eingreifen, aber optimal war das nicht.
Canon hat mit seinen Blitzsystemen noch nie so wirklich eine hundertprozentige Lösung gefunden, sondern doktert immer noch daran herum. Bei E-TTL2 z.B. hat man die Bindung ans AF-Feld wieder aufgegeben und wertet nun die gemessene Entfernung mit aus, um ungewöhnlich starke Reflexionen aus der Messung auszuschließen. Zuletzt wurde (z.B. mit dem 580EXII in Verbindung mit ganz aktuellen Kameras) sogar die Außenmessung wiederbelebt, die in den 70er und 80er Jahren das Nonplusultra war - neben der manuellen Einstellung.
Fazit: Die beste Blitzeinstellung gibt es nicht, es kommt immer auf die Situation an.
Der Canon-Profi-Trainer Jürgen Denter hat beispielsweise lange auf Av und direkten Blitz geschworen und das indirekte Blitzen als überholt abgetan. Da er aber vorwiegend Models und gestellte bzw. berechenbare "Situationen" fotografierte, hatte er viel Spielraum.
Für Reportagefotografie habe ich mir beispielsweise folgende Standardeinstellungen (evtl. Nachteile bewusst in Kauf genommen) für das direkte Blitzen (EX im Blitzschuh der Kamera) zurechtgelegt:
- Tagsüber (außerhalb der Dämmerung) zum Aufhellen E-TTL und "P" (Zeiten 1/60 bis 1/250, bei EOS-1D bis 1/500).
- In der Dämmerung E-TTL und Av (2,8 - 5,6), notfalls mit fester Zeit auf 1/200 oder 1/250 (je nach Kamera), sonst aber durchaus bis 1/15 und 1/2 Sekunde.
- Wenn die Zeit wichtiger ist als die Schärfentiefe, dann Tv mit 1/15 bis 1/60 Vorwahl.
- Bei schwierigen Motiven (z.B. Reflexstreifen von Einsatzkräften bei Unfällen, Bränden etc): Kamera mit manuell gewählter Zeit (je nach Umständen, 1/30 bis 1/250) und manuell gewählter Blende abhängig vom Motivabstand (Blitz auch manuell gesteuert. Manuelles Blitzen geht mit Kameraeinstellung Av und M, nicht aber mit P und Tv).
- In Innenräumen entweder indirektes Blitzen mit P oder Av, bei schwierigen Situationen oder schneller Blitzfolge mit Diffusor ("Joghurtbecher") vorm Blitz oder mit indirektem Blitzen gegen kleine weiße Pappe oder die ausziehbare Reflektorfläche am 580 EXII.
Makroaufnahmen sind wieder ein anderes Gebiet, da bevorzugen etliche Fotografen einen schwarzen Hintergrund.
LG, Thomas
PS: In "P" sind alle Zeiten zwischen 1/60 und 1/250 möglich, sie werden von der kamera abhängig vom vorhandenen Licht eingestellt.