Kürzlich interessierte sich Oliver Indermaur für dieses Objektiv. Für mich ein Grund einiges zu diesem Objektiv zusammenzutragen.
Es erschien anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972, war aber erst 1973 im Markt verfügbar. Die Produktion wurde eingestellt, als 1996 das Telyt-Modulsystem vorgestellt wurde. Es ist das teuerste je von Leica gebaute Objektiv (DM 32.000,--). Aufgrund des hohen Preises gibt es hiervon nur ganz wenige Exemplare. Ich habe kürzlich gesehen, dass eins in Ebay verkauft wurde. Für wie viel, weiß ich zwar nicht mehr genau, aber es war relativ wenig Geld, vielleicht schlappe 4500 € oder so (Oliver, findest du doch auch billig oder?).
Dieses Objektiv gehört zu den Teleskopobjektiven mit nur wenigen Linsen (Telyt-S hat drei verkitte Linsen in symmetrischer Konstruktion). Es handelt sich nicht um eine Tele-Konstruktion; daher ist dieses Objektiv auch sehr lang. Es wurden hierfür im Glaslabor neue Gläser entwickelt. Ich meine mich zu erinnern, dass es fluorhaltige Gläser gewesen wären.
Laut einer Quelle sollen die Gläser "kristallartige Eigenschaften" haben, was auch immer das bedeutet. Jedenfalls kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Möglich aber ist, dass die Linsen sogenannte Glaskeramiken sind, das sind Keramiken, die man herstellt, indem man Gläser über Kristallkeime auskristallisieren lässt. Die "Ceranfelder" der Kochherde zum Beispiel sind solche Glaskeramiken. Die Kristallgröße ist kleiner als die Wellenlänge des Lichts, daher sind sie wie Glas durchsichtig (obwohl sie Keramiken d.h polykristallin sind).
Da Leitz sehr stolz auf die Entwicklung dieses Objektivs war, erhielt es das Kürzel "S" (= spezial). Es wurde zunächst nicht nur in R- sondern auch in Visoflex-Fassung angeboten.
Interessant ist noch, dass Erwin Puts, der Meister-Tester der Leica-Objektive vom Telyt-S nicht viel hält. Wirklich scharf soll das Objektiv nur bis zu einem Bildradius des Films (ich weiß nicht, ob ich den richtigen deutschen Ausdruck gewählt habe, der englische ist "image height") von 9mm sein (der maximale Kleinbildradius ist 21mm). Nach 9mm soll der Kontrast stark abfallen.
Die Gläser des Objektivs sollen durch Reaktion mit der Atmoshäre angegriffen werden, so dass sich die Farbwidergabe des Objektivs mit der Zeit ändern soll. Schließlich soll der Zement, der die drei Gläser verbindet, sehr weich sein, so dass sich die drei Linsen im Laufe der Zeit etwas verschieben können.
Wie weit diese Angaben alle richtig sind, kann ich nicht beurteilen; denn ich besitze diese Objektiv nicht. Diese Zeilen, lieber Oliver, sollen dich auch nicht davon abhalten, dir dieses seltene Objektiv (das normalerweise in einem Alukoffer zerlegt aufbewahrt bzw. herumgetragen wird) zu besorgen, damit du die Menschen deiner Stadt unbemerkt fotgrafieren kannst.
Gruß Jochen
Es erschien anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972, war aber erst 1973 im Markt verfügbar. Die Produktion wurde eingestellt, als 1996 das Telyt-Modulsystem vorgestellt wurde. Es ist das teuerste je von Leica gebaute Objektiv (DM 32.000,--). Aufgrund des hohen Preises gibt es hiervon nur ganz wenige Exemplare. Ich habe kürzlich gesehen, dass eins in Ebay verkauft wurde. Für wie viel, weiß ich zwar nicht mehr genau, aber es war relativ wenig Geld, vielleicht schlappe 4500 € oder so (Oliver, findest du doch auch billig oder?).
Dieses Objektiv gehört zu den Teleskopobjektiven mit nur wenigen Linsen (Telyt-S hat drei verkitte Linsen in symmetrischer Konstruktion). Es handelt sich nicht um eine Tele-Konstruktion; daher ist dieses Objektiv auch sehr lang. Es wurden hierfür im Glaslabor neue Gläser entwickelt. Ich meine mich zu erinnern, dass es fluorhaltige Gläser gewesen wären.
Laut einer Quelle sollen die Gläser "kristallartige Eigenschaften" haben, was auch immer das bedeutet. Jedenfalls kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Möglich aber ist, dass die Linsen sogenannte Glaskeramiken sind, das sind Keramiken, die man herstellt, indem man Gläser über Kristallkeime auskristallisieren lässt. Die "Ceranfelder" der Kochherde zum Beispiel sind solche Glaskeramiken. Die Kristallgröße ist kleiner als die Wellenlänge des Lichts, daher sind sie wie Glas durchsichtig (obwohl sie Keramiken d.h polykristallin sind).
Da Leitz sehr stolz auf die Entwicklung dieses Objektivs war, erhielt es das Kürzel "S" (= spezial). Es wurde zunächst nicht nur in R- sondern auch in Visoflex-Fassung angeboten.
Interessant ist noch, dass Erwin Puts, der Meister-Tester der Leica-Objektive vom Telyt-S nicht viel hält. Wirklich scharf soll das Objektiv nur bis zu einem Bildradius des Films (ich weiß nicht, ob ich den richtigen deutschen Ausdruck gewählt habe, der englische ist "image height") von 9mm sein (der maximale Kleinbildradius ist 21mm). Nach 9mm soll der Kontrast stark abfallen.
Die Gläser des Objektivs sollen durch Reaktion mit der Atmoshäre angegriffen werden, so dass sich die Farbwidergabe des Objektivs mit der Zeit ändern soll. Schließlich soll der Zement, der die drei Gläser verbindet, sehr weich sein, so dass sich die drei Linsen im Laufe der Zeit etwas verschieben können.
Wie weit diese Angaben alle richtig sind, kann ich nicht beurteilen; denn ich besitze diese Objektiv nicht. Diese Zeilen, lieber Oliver, sollen dich auch nicht davon abhalten, dir dieses seltene Objektiv (das normalerweise in einem Alukoffer zerlegt aufbewahrt bzw. herumgetragen wird) zu besorgen, damit du die Menschen deiner Stadt unbemerkt fotgrafieren kannst.
Gruß Jochen