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TelytS 6,3/800

jochen

Bringt häufig das Frühstück mit
Mitglied seit
3 Apr 2004
Beiträge
1,355
Kürzlich interessierte sich Oliver Indermaur für dieses Objektiv. Für mich ein Grund einiges zu diesem Objektiv zusammenzutragen.

Es erschien anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972, war aber erst 1973 im Markt verfügbar. Die Produktion wurde eingestellt, als 1996 das Telyt-Modulsystem vorgestellt wurde. Es ist das teuerste je von Leica gebaute Objektiv (DM 32.000,--). Aufgrund des hohen Preises gibt es hiervon nur ganz wenige Exemplare. Ich habe kürzlich gesehen, dass eins in Ebay verkauft wurde. Für wie viel, weiß ich zwar nicht mehr genau, aber es war relativ wenig Geld, vielleicht schlappe 4500 € oder so (Oliver, findest du doch auch billig oder?).

Dieses Objektiv gehört zu den Teleskopobjektiven mit nur wenigen Linsen (Telyt-S hat drei verkitte Linsen in symmetrischer Konstruktion). Es handelt sich nicht um eine Tele-Konstruktion; daher ist dieses Objektiv auch sehr lang. Es wurden hierfür im Glaslabor neue Gläser entwickelt. Ich meine mich zu erinnern, dass es fluorhaltige Gläser gewesen wären.

Laut einer Quelle sollen die Gläser "kristallartige Eigenschaften" haben, was auch immer das bedeutet. Jedenfalls kann ich mir so etwas nicht vorstellen. Möglich aber ist, dass die Linsen sogenannte Glaskeramiken sind, das sind Keramiken, die man herstellt, indem man Gläser über Kristallkeime auskristallisieren lässt. Die "Ceranfelder" der Kochherde zum Beispiel sind solche Glaskeramiken. Die Kristallgröße ist kleiner als die Wellenlänge des Lichts, daher sind sie wie Glas durchsichtig (obwohl sie Keramiken d.h polykristallin sind).

Da Leitz sehr stolz auf die Entwicklung dieses Objektivs war, erhielt es das Kürzel "S" (= spezial). Es wurde zunächst nicht nur in R- sondern auch in Visoflex-Fassung angeboten.

Interessant ist noch, dass Erwin Puts, der Meister-Tester der Leica-Objektive vom Telyt-S nicht viel hält. Wirklich scharf soll das Objektiv nur bis zu einem Bildradius des Films (ich weiß nicht, ob ich den richtigen deutschen Ausdruck gewählt habe, der englische ist "image height") von 9mm sein (der maximale Kleinbildradius ist 21mm). Nach 9mm soll der Kontrast stark abfallen.

Die Gläser des Objektivs sollen durch Reaktion mit der Atmoshäre angegriffen werden, so dass sich die Farbwidergabe des Objektivs mit der Zeit ändern soll. Schließlich soll der Zement, der die drei Gläser verbindet, sehr weich sein, so dass sich die drei Linsen im Laufe der Zeit etwas verschieben können.

Wie weit diese Angaben alle richtig sind, kann ich nicht beurteilen; denn ich besitze diese Objektiv nicht. Diese Zeilen, lieber Oliver, sollen dich auch nicht davon abhalten, dir dieses seltene Objektiv (das normalerweise in einem Alukoffer zerlegt aufbewahrt bzw. herumgetragen wird) zu besorgen, damit du die Menschen deiner Stadt unbemerkt fotgrafieren kannst.

Gruß Jochen
 
Hallo Jochen,

Vielen Dank für die profunden Informationen. Ich hatte einerseits mit dem MR-Telyt, andererseits mit dem 800er geliebäugelt. Trotz in einer Ehe äusserst schwer erklärbarem Preisunterschied tendiere ich momentan eher zum 800er. Was natürlich total hirnrissig ist wenn man sich vorstellt, dass man sich damit zu Fuss fortbewegen könnte. Aber ich habe schon ein 400er Telyt, da ist das 500er zu nahe dran. Und irgendwie reizt mich das Riesenrohr schon. Ich bin zum Glück viel zu unbedarft als dass ich mit Objektivkritiken viel anfangen könnte. Spass beiseite, ich bin ja nur ein begeisterter Hobbyfotograf mit einem etwas schrägen Sinn für Humor. Meine Ansprüche erschöpfen sich darin, mich selber immer wieder zu verblüffen. Es käme mir nie in den Sinn, meine Bilder Anderen zuzumuten.
Bevor ich aber aufs Geratewohl soviel Geld ausgebe werde ich mir noch viele Nächte lang vorstellen, wie sich 80cm so in der Innenstadt bewegen lassen. Vielleicht wenn ich es als Kanalarbeiten tarne ?

Gewisse Bedenken bleiben noch in Hinsicht auf die momentan grassierende Terrorbekämpfung. Diese lässt das Herumtragen von mittelgrossen, schwarzen Röhren weniger ratsam erscheinen.

Was den Vorwurf des schlechten Kontrastes betrifft, so wird andernorts gerade das Gegenteil behauptet. Ich weiss nicht, ob das Posten von Links zu Fremdforen hier erlaubt ist, darum unterlasse ich es. Ich kann Dir die URL aber gerne mailen.

Wenn man den Preis des Objektivs betrachtet, so kommt man zum Schluss, dass da extrem spezielle Gläser verwendet wurden. Wenn ich richtig gelesen habe waren es speziell niedrig dispergierende Linsen, die Abbildungsqualität wird als nahezu apochromatisch bezeichnet.
Nach meinen bisherigen APO-Erfahrungen reizt mich das schon. Selbst wenn ich mittlerweile einen gigantischen Nackenmuskel entwickelt habe: das Vario-APO ist für mich DAS Spassobjektiv.

Irgendwie sieht das 800er ja schon alleine rucksackfüllend aus. Da ich gerne auch in den Bergen herumknipse ist das Herumtragen für mich ein wichtiges Thema. Da spricht natürlich alles gegen das 800er, ausser mein Masochismus. Bisher habe ich aber die Erfahrung gemacht, dass sich Faulheit beim Objektivtragen nicht auszahlt. Gerade in den Bergen habe ich schon ganz verrückte Bilder mit dem Tele gemacht.

Gut Ding will Weile haben. Darum überlege ich mir das noch sehr, sehr gut, bevor ich etwas mache. Es scheint auch, dass die von mir anvisierte Preisklasse nicht ganz realistisch ist, ich hoffte auf etwas im Rahmen von 3000€. Was ja eigentlich auch schon ganz schön viel Geld für die Spinnerei eines Amateurs wäre.
Nun ja, warten wir mal ab, wie weit meine berüchtigte Begeisterungsfähigkeit diesmal gehen wird....
Nochmals Dank für Deine Zeilen,

Oliver, voralpin
 
Also ein 800ter (weder alt noch neu) möchte ich nicht unbedingt durch die Berge tragen :-), ich glaube, da würde ich eher das 400ter APO mit einem 2fach APO-Konverter kaufen, die Qualität dürfte besser sein und die Kombination ist leichter. Der Preis von ca. 4500 Eur hört sich allerdings für das 800ter aus dem Bauch raus sehr günstig sein.

Gruß vom sonnigen Bodensee

Klaus
 
Klaus,

trotz augenscheinlichem Preiszerfall lasse ich vorerst die Finger vom Telyt-S. Das letzte ging auf Ebay für 3010 Neuro. Irgendwie scheint mir das Telyt jetzt nicht mehr ganz über alle Zweifel erhaben, besonders der Hinweis auf die Zersetzung der Linsen hat mich beunruhigt.
Eine andere, originelle Variante um das gleiche Ziel zu erreichen wäre die Verwendung des 2,8er 280er APO-Telyts zusammen mit beiden APO-Extendern. Das müsste dann eigentlich auch ein noch brauchbares 800er ergeben.


ein Grüessli vom Schweizer
Oliver
 
Hallo Oliver,

ich selber habe das APO 2,8/280, zusammen mit dem APO 2fach Extender fällt bei Offenblende (zumindest mir...) kein nennenswerter Qualitätsverlust auf. Mein Telyt 4,8/350 kommt nicht mal ohne Extender an diese Qualität hin. Von daher müsste das schon machbar sein.

3010 Eur hört sich aber wirklich gewaltig günstig an.

Gruß vom sonnigen Bodensee

Klaus
 
Hallo Oliver,
Vom Minolta gab es zwei Spiegellinsen, 800mm und 1600mm, beide gibt es auch mit R-Anschluss. Ich selbst habe mit meinem Telyt 500mm keine schlechren Erfahrungen gemacht. Ich brauche halt nur Licht oder Stativ.
Nur auf eines möchte ich hinweisen, die Luftperspektive.
Bei Aufnahmen über unterschiedlich erwärmten Terrain ensteht Flimmern. Hatte mal so ein Bild, über eine Weide, Meer und Land im Sommer.
viel Spass beim Weitersuchen uwe
 
Hallo Uwe,

die Suche hat ein Ende. Ich habe mich aus praktischen und finanziellen Ueberlegungen für das MR-Telyt entschieden und ein ganz nettes Exemplar auf Ebay für rund 500 Eumel ergattert. Nächste Woche sollte es eintreffen. Bin schon mal sehr gespannt.

Bis bald,
Oliver
 
TELYT 400 /560 NOVOFLEX 400 / 560

Liebes Forum,

vielleicht ein neues Thema bei Super-tele unterhalb der APO-Schwelle: Ich habe in der Praxis verglichen, wie lichtstark R-TELYT 400 und NOVOFLEX 400 sind.

Ich hatte 2 TELYT 6,8/400mm aus unterschiedlichen Baujahren zur Verfügung und ein NOVOFLEX 5,6/400.
Bei gleicher Beleuchtung und identischer Kamera ergab sich für die beiden 2-Linser Telyt mit 6,8 Öffnung ein halber Lichtwert mehr als für das 3-Linsers mit 5,6!? War das Zufall?

Der ermittelte Wert des 6,8/400 war dem des 4,8/280 sowie des 4,0/200 gleich? Ist die Transmission bei Leica soviel höher?

Auf jeden Fall sind beide Telyte fast eine Belichtungszeit schneller gewesen als das höher geöffnete Novoflex.

Vielleicht haben andere mehr Erfahrungen mit diesen Objektiven. (Vorteil des Novoflex: Der Anschluss ist beliebig variierbar).

Die Anpassung des Novoflex Tele-Extenders schien mir wiederum besser als der "Standard"-Leica-Extender an allen drei Objektiven (vielleicht, weil er einen geringeren Querschnitt hat?).

Grüße - Giselher
 
Hallo Giselher,

ich kann zwar nicht viel dazu sagen, aber folgendes:
Ich habe mit dem älteren Telyt 400 5,6 sehr gute Erfahrungen gemacht. Ich hatte auch immer irgendwie den Eindruck, dass das Ding mehr Licht durchlässt als es eigentlich sollte.
Das Novoflex kenne ich vom Sehen her, es stand auch zur Diskussion. Schliesslich hat mir dann aber der Televitgriff von Leitz besser zugesagt.
Ich erinnere mich, in einem Buch von 1961 die Forderung nach einer realitätsnaheren Einteilung der Lichtstärke gelesen zu haben. Es ging dort um den sog. T-Wert, der die Lichtdurchlässigkeit eines Objektivs anhand gemessener Werte wiedergibt. Unsere üblicherweise verwendeten Bezeichnungen für die Lichtstärke eines Objektivs beziehen sich auf das Verhältnis zwischen Länge und grösster Oeffnung, sind also rein rechnerisch. Sie tragen zum Beispiel der Tatsache keine Rechnung, dass Weitwinkelobjektive meistens viel mehr Linsen haben als Teleobjektive. Und jede Linse ist auch gleichbedeutend mit Lichtverlust, da sie immer einen kleinen Teil des durchfallenden Lichtes zurückbehält. Es gibt allerdings qualitative Unterschiede bei den Glassorten, die schon mal dazu führen können, dass ein Dreilinser mehr Licht durchlässt als ein Zweilinser. So gesehen verstehe ich die Forderung nach einem realitätsbezogenen Wert für die Lichtstärke eines Objektivs erst recht sehr gut.
Das Messen fällt eigentlich nicht besonders schwer, vorausgesetzt man hat Vergleichsobjektive. Ich werde den Versuch einmal machen und meine Objektive alle durchmessen. Bin ja mal sehr gespannt.

ein Gruss
Oliver
 
Vor meinem Urlaub war ein 800er R im Geschäft für ca. 5000 €, jetzt ist es weg. Ich frage aber noch einmal.

Beim Durchmessen habe ich einige Überraschungen erlebt: das 3,5/35-70 war eine halbe Blende schlechter; das Noctilux öffnet sich von 1,4 zu 1,2 um einen halben Lichtwert; von 1,2 uf 1,0 aber nicht mehr!
Das 4,8/280 3. Version ist einen halben Lichtwert schneller, ebenso das 4,0/200.

R-Freaks sollten daran denken, dass diese vergleichsweise preiswerten Objektive per Adapter auch an der R-Serie (sowie an CANON EOS) verwendbar sind.

Grüße an die Runde aus dem nächtlichen Berlin und während dem Rätseln um die Boxer im ZDF-Sportstudio (Valerie: "Ich habe Ihre Frage nicht verstanden"!)
Giselher
 
Lieber OLIVER,

ich vergaß: Der T-Stop wird neuerdings bei einer Objektivbewertung (Colorfoto?) mitgemessen.

G.
 
Lieber Jochen,

das "S" steht wohl dafür, dass es sich um Hochleistung handelte, die dem bei LEITZ/LEICA sehr sparsam vergebenen "APO"-Prädikat nahekommt.

Selber habe ich mit diesem Riesengerät noch nicht fotografiert.

Grüße
G.
 
Hallo Giselher,

das Privileg dieses Objetiv benutzt zu haben, haben wohl die wenigsten von uns, leider :-(

Nutzt Du denn R-Objetive an der EOS? Und wenn ja, warum? Ich finde, die ganzen Einschränken (z. B. keine Springblende) sind nicht ganz so der Hit, und abgesehen von der D1s gibt es im Canon-Lager nicht wirklich berauschendes (höchstens die Objektive...)

Gruß vom sonnigen Bodensee

Klaus

Gruß vom Bodensee

Klaus
 
Lieber Klaus,

in der EOS-Phase habe ich mit Genuss das APO 100 mit einem Adapter benutzt, aber das Autofokus-System schnell wieder abgegeben. Die Arbeitsblende schränkt schnelle Reaktionen schon sehr ein.

Mittlerweile sind die Adapter übrigens sehr teuer geworden. Mein "markenfreier" lag etwa bei 130 DM.

Ein Kölner Fan hat seine Leica-R-Objektive übrigens umbauen lassen für EOS-Anschluss (Arbeitsblende).

Grüße an den Schwabenozean!
Giselher
 
Hallo Gieselher,

das Du die EOS wieder abgeben hast, kann ich verstehen, was ich bisher in der Hand hatte, ist zwar unstrittig eine Top-Qualität, aber der Fun-Faktor fehlt einfach.

Gruß vom Bodensee

Klaus
 
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