> Hallo Conny, erstmal Gra
> Hallo Conny, erstmal Gratulation, dass du mit einer AE-1 fotografierst, die ein echter K lassiker ist, die viele leider unterschätzen und verscherbeln, was das Ze ug hält.
Um dir ein paar Objektivempfehlungen zu geben, wäre es natürlich gut zu wissen, was du fotografierst und wieviel Geld du ausgeben willst. Allein C anon hat über 70 verschiedene FD-Objektive gebaut, die uneingeschränkt an die AE-1 passen, dazu kommen noch etliche FL- und R-Objektive von Canon, die bei der Belichtungsmessung (und im Falle der seltenen R-Objektive auch noch beim Abblenden) nicht ganz so komfortabel sind. Es ist deshalb sinnvo ll, sich auf die FD-Objektive mit und ohne Chromring zu beschränken, die es millionenfach gibt. Der Hauptunterschied zwischen FD und EOS ist der, wie schon ein anderer For umsteilnehmer sagte, dass EOS-Objektive vollelektronisch gesteuert werden ( FD-Objektive dagegen rein meachnisch) und das sie einen anderen Anschlussdu rchmesser und eine andere Anschlussart am Gehäuse haben. Es lohnt nicht, über eine Mischung beider Systeme nachzudenken, die wenigen Adapter (nur für FD-Objektiv an EOS-Gehäuse möglich) taugen kaum, die Qualität d er Bilder ohne kräftige Abblendung ist schlecht.
Seit dem Erscheinen der AE-1, erst recht nach AE-1Program und T70/T50, setz te die Industrie auf den Verkauf von Zoomobjektiven. VIele Leute glaubten, mit einem lückenlosen Brennweitenbogen per Zoomobjektiv (z.B. 35-70 plus 70-210 oder 28-50 und 50-200) wären sie allen Aufgaben gewachsen. Dabei v erloren die Fotografen die eigentlichen Tugenden der Objektive aus den Auge n. Nämlich gute Abbildungsqualität bei hoher Lichtstärke (Stimmungsfo tos ohne Blitz) und eine sinnvolle Abstimmung der Brennweiten. Denn der ric htige Abstand (unterschied im Bildwinkel) zwischen drei oder vier Objektive n ist es, der einen sinnvollen Einsatz für unterschiedliche Bildwirkung e rlaubt. Mit festbrennweitigen Objektiven lassen sich die Wirkungen untersch iedlicher Brennweiten viel besser erkennen und nachvollziehen als mit einer Gummilinse, die die Bildgestaltung oft auch gummimäßig flau macht. Sow eit zumindest zum theorwetischen Lerneffekt, denn natürlich lassen sich Z oomobjektive hervorragend einsetzen und auch ich möchte nicht mehr darauf verzichten.
Als die AE-1 herauskam, war es üblich, sich eine Brennweitenreihe mit fol genden Abstufungen zuzulegen: 28mm - 50mm - 100mm - 200 mm (also etwa jewei ls Verdoppelung), bzw. 20mm - 35mm - 85mm - 135mm 300mm plus 50mm Makro ode r 24mm plus 85mm oder oder. Kleinere Schritte machten wenig Sinn, weil die Bildwinkel zu dicht beieinander lagen. Manche haben sich auch das volle Pro gramm zugelegt, doch das erschwerte das Arbeiten, weil die Suche nach der r ichtigen Brennweite mitunter den entscheidenden Augenblick verpassen ließ . Dafür konnte man mit Festbrennweiten bei Lichtstärken zwischen Blende 1,2 und 2,8 auch dann noch fotografieren, wenn Zoomfotografen (meist Blen de 4 und kleiner) längst eingepackt hatten.
Meine Favoriten im FD-System sind: 2,8/28mm, 3,5/50mm Macro, 1,8/85mm, 4/20 0mm (ohne Chromring, mit Innenfokussierung, geniales Teil). Ebenso genial a ber weniger oft genutzt sind: 2,8/24mm, 2,0/35mm, 1,4/50 (oder je nach Geld beutel 1,2/55mm AL bzw. 1,2/50mm L) und 2,5/135mm. Wenn ich nur zwei Objektive mitnehmen dürfte, wären es wohl das 2,8/28 und das 1,8/85mm, beide perfekt in der Technik und Abbildungsleistung.
Alternativ die Zoomobjektive. Bei zwei Stück wären es das 4/35-70mm (oh ne Chromring) mit Gegenlichtblende BW-69 und das 4/80-200mm mit oder ohne C hromring (nicht 70-210). Und sicherlich trotzdem ein 1,8/50 für Notfäll e, auch wenn die fast nie eintreten.
Bei Zooms gibt es noch jede Menge weitere Ausführungen (auch 35-135 oder 28-50), doch das scheinen mir die sinnvollsten. Ein 24-35 wäre auch ok, a ber ist sehr teuer. Wer wirklich viel investieren möchte, kann sich auch ein 14 oder 17mm Objektiv zulegen oder ein 300 oder 400mm, aber deren Einsa tzmöglichkeiten sind schon wieder geringer. Beim 35-70 gibt es verschiede ne Ausführungen. Das 3,5/35-70 mit längeren Rillen statt quadratischer Noppen am Einstellring (und angeblicher "macro"-Einstellung) ist meiner Mei nung nach optisch Schrott, ein Billig-Objektiv für T50 und T60, ebenso di e Ausführung mit 28mm-Startbrennweite. Die ursprüngliche Ganzmetallausf ührung des FDn 4/35-70 von 1979 ist dagegen genial mit Schärfe fast wie Festbrennweite. (Es kann natürlich sein, dass die vier oder fünf Stü ck des "billigen" 3,5/35-70 , mit denen ich mal fotografiert hatte, alle Montagsprodukte waren und di e anderen Exemplare toll sind, ich glaubs aber nicht).
Ob mit oder Chromring war für viele eine Glaubensfrage, hat sich aber wei tgehend als belanglos erwiesen, sie sind ähnlich gut verarbeitet, auch we nn die Chromring-Versionen schwerer sind und stabiler erscheinen.Dafür gi bt es ohne Chromring (im Jargon FDn oder FD-N genannt) neuere und bessere B rennweitenabstimmungen, die es mit Chromring nicht gab.
Zu Fremdobjektiven möchte ich keine Empfehlung abgeben, die Canon-Origina llinsen sind heute so bilig geworden, dass der frühere Grund für Fremdo bjektive entfallen ist, es sei denn es geht um exotische Brennweiten (Fishe ye oder 1000mm).
Zur Kamera: Die AE-1 ist ein Meilenstein, denn sie war die erste Kamera wel tweit, die voll auf Steuerung durch einen Microcomputer setzte, darin waren auch die Steuerung des Winders und der Blitzgeräte eingeschlossen. Die A E-1 war und ist die meistverkaufte manuelle Kleinbildkamera der Welt (ich g laube über 6 Millionen Stück, mit der AE-1Program noch einmal etliche d azu, aber da darfst du mich nicht festnageln, das habe ich jetzt nicht noch mal nachgeschlagen). Einen ähnlichen Rekord erreichte später nur noch d ie EOS 500 (mit Nachfolgemodell 500N) im Autofokusbereich.
Mit (abschaltbarer) Blendenautomatik hat sie eigentlich die ideale Arbeitsw eise für Schnappschüsse und bewusst gestaltete Aufnahmen. Es fehlt zwar die Möglichkeit zur Detailmessung (wie es die Selektivmessung bei der F- 1 und FTb/FTbN erlaubten), dafür sind die Batterien für die A-Kameras i mmer noch gut erhältlich und sie sind zuverlässig.
Der einzige Nachteil ist die aus heutiger Sicht steinzeitmäßige Blitzte chnik.Damit lernt man zwar wieder die Grundlagen der Physik und Mathematik, aber angenehm ist es nicht unbedingt. Als einzig sinnvoller Blitz bietet s ich der Canon-Blitz 199A oder 299T an. Sie sind zwar relativ groß, aber a lle anderen Blitze (155A bis 188A, 244T, 277T, 300TL) sind nur eingeschrä nkt nutzbar (u.a. Zwangssynchronisation auf 1/60 Sekunde ohne Langzeitblitz en) oder haben keinen Schwenkreflektor.
Einen guten Überblick über das Objektivprogramm und die Möglichkeiten der kamera bieten die damaligen Handbücher von laterna magica oder vfv, vorzugsweise von Günter Richter geschrieben, der nicht nur einen sehr lau nigen, sondern auch sehr praxisorientierten Stil hatte, während etliche a ndere Fotografen eher trocken und nüchtern und zahlenorientiert schreiben .
Gut sind: Günter Richter: "das Canon AE-1 reflexsystem" (laterna magica t aschenbuch 1977-1980, gelber oder roter Einband), notfalls auch das etwas d ünnere Buch zur AE-1Program (mehrere Verlage); Günter Richter: "Das gro ße Canon-Buch", laterna magica 1979; etwas technischer: Jost J. Machesi: Canon Fotoschule, Großband, vwi 1983.
Ein sehr nutzerfreundliches und leicht verständliches Buch zur Bildgestal tung ist der Band: besser fotografieren - grundlagen der fotopraxis, Kaleid oskop Buch 2001, original Time life 1994 oder allumfassend Günter Richter : Handbuch der Fotografie.
Im Grunde lassen sich in allen Kamerabüchern von vwi, vfv, laterna magica und anderen zu den A- und T-Kameras gute Hinweise zur Ausrüstung und Ein satz finden.
Ich wünsche viel Erfolg mit der AE-1 und den Objektivschätzen. LG Thomas