Ja, Klasse Holger!
Das kenne ich alles noch und ich erinnere mich mit schmunzeln.
Dann krame ich mal „meinen“ umgeschriebenen 1978er Artikel auch wieder raus, er passt prima zu dem Link.
Für alle Fotografen die vor 1978 geboren sind.
Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit Dir zu tun... Verschwinde! Du kommst ohne Autofokus, Bildstabilisator, Belichtungsautomatik, Batterien, Zooms und Computer nicht mehr zurecht.
Alle anderen bitte weiterlesen...
Wenn du als Hobbyfotograf in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir so lange mit so einfachen Mitteln so gute Fotos machen konnten und dabei auch noch überlebt haben!
• In unserer Dunkelkammer (die meistens das Bad war) pantschten wir mit Entwickler, Fixierer und Wasser, und unser Vergrößerer stand ohne FI Schalter direkt neben dem Wasserbecken.
• Unsere Schränke waren voll mit giftigen Substanzen, wie Selentoner, Goldcyanid, rotes Blutlaugensalz, Farmerscher Abschwächer, Kaliumbromid, Kaliumpermanganat, konzentrierter Essigsäure u.a.m.
• Die Entwicklerlösung ätzte unsere Finger an und hinterließ braune Flecken auf der Kleidung, die dann nach der Wäsche zu Löchern wurden. Wir wurden von den Eltern oder der Frau ausgeschimpft.
• Die Dämpfe von Entwickler und Fixierbad reizte unsere Bronchien.
• Das Qucksilberthermometer fiel auch mal runter und wir mussten die Kügelchen aufsammeln.
• Wir tranken und rauchten auch mal in der Dunkelkammer.
• Die verbrauchten Chemikalien landeten in der Toilette, niemand nahm so etwas an oder hielt das für verwerflich. Das Wort Recycling war noch nicht erfunden.
• Wir verließen das Haus nur mit der Kamera - Fotorucksäcke, Trollys, Tragesysteme und Koffer brauchten wir nicht.
• Statt zu zoomen benutzten wir unsere Beine, um nach der besten Perspektive zu suchen.
• Wir fotografierten auch nicht mit gestreckten Armen, sondern hielten die Kamera, die selbstverständlich einen Sucher hatte, an das Auge.
• Das 50er war das meistbenutzte Objektiv, und damit ging fast alles. Manche ergänzten das auch noch mit einem 28er Weitwinkel und einem 135er Tele.
• Wir drückten uns die Nasen platt an den Schaufenstern der Fotogeschäfte, die eine unglaubliche Vielzahl von Kameras und Marken boten.
• Wir hatten nicht: Computer, Photoshop, Wi-Fi, GPS, digitale Bilderrahmen, Internet, Flickr, Facebook, Youtube, Twitter und Foren.
• Es gab keinen AF, kein VR, OS, VC, IS, keine Gesichtserkennung, Motivprogramme, Automatiken, Menüs, Displays, LiveView, Videofunktionen, geschweige denn Apps. Und filmen und telefonieren konnte man mit unseren Kameras auch nicht.
• Wir hatten Film.
• Wir gingen einfach raus und machten Bilder. ...Wie war das nur möglich?
• Wir kannten die Schärfentiefenskala, unsere Objektive hatten einen Blendenring, manche sogar einen Zentralverschluss, wir wussten mit Gelb-, Grün-, Orange- und Rotfiltern umzugehen.
• Wir hatten einen Handbelichtungsmesser, zur Not ging es auch ganz ohne, denn wir wussten, dass man bei einem 17 DIN Film und bedecktem Himmel gut mit f/5,6 und 1/250s zurecht kommt.
• Viele Kameras hatten eine Mattscheibe und das Bild war seitenverkehrt, es hat uns nicht gestört. Die zweiäugige Rollei war eine Traumkamera und die Leica schon immer unbezahlbar.
• Wir gingen sparsam mit dem Auslöser um, denn Film war teuer. Wir haben zuerst überlegt und gestaltet, bevor wir ausgelöst haben. Es kam der Qualität unserer Bilder zugute.
• Wir konnten fast alles fotografieren, sogar Menschen. Niemand versuchte aus dem Recht am eigenen Bild Kapital zu schlagen, juristische Vorkenntnisse waren zum Fotografieren nicht notwendig.
• Unsere Generation hat eine Fülle von großartigen Fotografen und Bildern hervorgebracht. Das alles mit mechanischen Kameras und optischen Konstruktionen die heute immer noch verwendet werden.
Und du warst mit dabei.
Herzlichen Glückwunsch!
Gruß
Klaus