Vorher soll ich sie aber noch einschicken, um sie auf Echtheit zu untersuchen.
Man sollte der Kamera schon genau auf den Zahn fühlen. Es gab (leider) zeitweise seit den 90ern das, was der verstorbene Contax-Reparateur Henry Scherer als
camera butchers bezeichnete, die auf der Basis von Kiev-Kameras die eine oder andere Pseudo-Contax zusammenbauten und teuer verkauften.
Vorab: Die KI liegt stellenweise herbizid daneben. Die Kamera ist weder eine Contax "III" noch eine "a", denn letztere kam nach dem II. Weltkrieg aus Stuttgart und sieht anders aus; und erstere besaß einen aufs Gehäuse aufgepflanzten Selen-Belichtungsmesser. Der ist hier definitiv nicht vorhanden. Es ist eine Version der Contax II.
Bei Hans-Jürgen Kuc, Auf den Spuren der Contax Bd. II, Hückelhoven 1997, S. 123 f. finden sich ein paar Angaben zur Jenaer Contax. Unter anderem: "
Im Gegensatz zur Contax II war die Kameranummer nur noch im Sucherschuh graviert, also nicht mehr auf der Innenseite der Kamerarückwand." Das macht mich hier etwas stutzig.
Henry Scherer selbst (über dessen Werkstatttisch viele Contax-Kameras gegangen sind) geht auf seinem ausführlichen Meßsucher-Contax-Portal,
das hier noch archiviert zu sehen ist, auf die Jenaer Contax ein. Demnach sind die Kameras
äußerst selten, und es sind leider Fälschungen unterwegs - auch mit schwarzer Frontplatte.
Auffallend übrigens, daß das "Zeiss Ikon"-Signet in der Belederung auf der Rückwand fehlt. Das ähnelt einer bei Scherer abgebildeten Fälschung.
Allerdings wundert mich bei Scherer, daß er Kameras mit dem "Carl Zeiss Jena" Signet im Zubehörschuh für Fälschungen erklärt, denn das Signet sei erst 1957 entwickelt worden. Möglicherweise bringt er da was durcheinander mit dem Signet "
VEB Carl Zeiss Jena". Zumal Kuc auf S. 124 auf einem Bild eine Jenaer Contax zeigt, die das Signet im Schuh hat.
Das Sonnar dürfte
der Nummer nach aus den ersten Nachkriegsjahren stammen, auf jeden Fall vor 1949 gebaut.