Ich hatte eine 501CM, meine Mittelformat-Traumkamera, nachdem ich mich jahrelang an Mamiyas, Rolleis und Co probiert hatte. Ich habe sie dennoch nach ein paar Jahren verkauft, weil sie schlicht nicht häufig genug genutzt wurde, um das Aufrechterhalten eines kompletten Systems zu rechtfertigen.
Was Hasselblad allerdings zugestoßen ist, würde ich als Albtraum bezeichnen, ähnlich den Horrorszenarien für Leica vor Dr. Kaufmanns Übernahme und den massive Investitionen in Leitz-Park und S-System.
Hasselblad besteht zwar darauf, dass H-System als konsequente Weiterentwicklung der klassischen Hasselblad zu betrachten, was aber im Hintergrund abgelaufen ist, lässt die ganze Sache in einem anderen Licht erscheinen:
Hasselblad wurde schon vor vielen Jahren von einem asiatischem Investor gekauft und vor wenigen Jahren an einen Hongkong-chinesischen Investor weiterverkauft. Die Belegschaft wurde von zuerst 500 auf 400 reduziert. Ein komplett neues Hauptgebäude errichtet und dies unter dubiosen Begründungen kurz darauf wieder verlassen (zuviel Licht in den Büros...). Man erwarb Imacon (knapp über 100 Leute) für das Digitalrückteil-Knowhow und kürzte die Belegschaft in Göteborg auf mittlerweile 60 (!!!) Personen. Man hat mit dem H-System viel Erfolg, reinvestiert diesen jedoch nicht, sondern beschränkt sich auf das Umlabeln (+ weniger Entwicklungs-/Montageaufgaben) von Fuji-Produkten - die H wird in Japan sogar unter Fuji-Markennamen verkauft!
Es macht mich einfach nur wütend, nicht nur die Herkunft, der Wegfall von 400 hochqualifizierten, wertvollen Arbeitsplätzen mit viel Know-How, sondern auch die ganz offensichtlichen Einsparungen an Material, Konstuktion und Zulieferer (z.B. die Abwendung von Carl Zeiss).
Entweder die S2 wird erstickt von der Markt/Vertretungsdominanz von Hasselblad mit günstig eingekauften Fuji-Teilen und Reserven für weitere Preisreduktionen durch dem Operieren in einem über Jahre hinweg mit satten Margen betriebenen Segment und Nikon/Canon drücken mit ihren 35mm-High-End-Boliden von unten...
Oder beim Erfolg von der S2 gerät die Hasselblad als einziges geschlossenes System in Bedrängnis, Geld investieren würden die Chinesen wohl ungerne und schlussendlich gänzlich den Geldhahn zudrehen und bestenfalls die Marke retten...
Richtig gefallen tut mir keines der Szenarien, Hasselblad in guten Händen mit einem modularem System mit den Qualitäten der V und neuen Zeiss-Optiken als Marktführer im Segment oberhalb der S2 ist aber wohl nur ein Traum, Hasselblad hätte ihn als Legende im Mittelformat verdient!