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Makro - Ausrüstung - exotische Objektive

kjh

Da fällt uns kein Titel mehr ein
Mitglied seit
14 Jan 2008
Beiträge
6,310
Hier möchte ich zwei exotische Spezialisten unter den Objektiven vorstellen, die man eventuell für wenig Geld erwerben kann, und, die richtig eingesetzt, vorzügliche Ergebnisse bringen.
Manchmal muss man auch ein klein wenig basteln...

Das erste ist ein Apo Rodagon 4/75 D. Solche Objektive sollte es gebraucht eigentlich günstig geben. Sie werden in Vergrößerungsgeräten eingesetzt und sind für den Makrobereich gerechnet.
Die hier verwendet Version D ist eigentlich sogar ein Repro- und Scannerobjektiv, dafür gerechnet, im Bereich 2:1 bis 1:2 überragende Ergebnisse zu liefern. Auch zwischen 5:1 bis 1:5 kommen immer noch sehr gute Ergebnisse zustande. In mittlerer und großer Entfernung bricht es dann völlig ein, es ist also ein reiner Spezialist für die Nähe.

Das zweite Objektiv ist ziemlich kurios. Wer kommt schon auf die Idee, ein Diaprojektor Objektiv zum Fotografieren zu nehmen? Es handelt sich hierbei um ein Braun Ultralit PL 2,8/85.
Dieses Objektiv ist hoch vergütet, hat eine Irisblende mit 12 Lamellen und liefert ein kreisrundes Lamellenbild. Doch wie bekommt man es an eine Kamera? Meine Lösung war, ein M39 zu 42,5 Step-up Adapterring, bei dem das Innengewinde etwas abgetragen wurde und dann auf das Objektivende aufgepresst wurde. Nun hat es, wie fast alle Vergrößerungsobjektive, ein 39er Gewinde und kann am Balgen oder einer Makroschnecke (Zörk) montiert werden.
Dieses Objektiv liefert im Bereich von etwa 1:2 bis etwa 10m überraschend gute Ergebnisse, es hat keine erkennbare Bildfeldwölbung, Farbfehler oder Verzeichnung. Es ist ein Spezialist für den Nahbereich.

Die nachfolgenden Bilder zeigen den Aufbau und die Ergebnisse.

Gruß
Klaus


Bild 1 Apo Rodagon am Novoflex-Balgen mit Einstellschlitten

Rodagon-Ultralit 004.webp


Bild 2 Braun Ultralit 2,8/85 an eine Sony A7R mit Novoflexadapter und Ringen adaptiert.

Rodagon-Ultralit 003.webp


Bild 3 Das Ultralit Objektiv mit exzellentem Ergebnis bei 2 m Entfernung

Braun-Ultralit-2m 001.webp


Bild 4 gleiches Motiv mit dem Apo Rodagon. Der Spezialist für den großen Abbildungsmaßstab bricht am Rand und in den Ecken bei 2m bereits völlig ein. Ursache: Bildfeldwölbung, zudem tritt starke Verzeichnung auf.

Rodagon-2m 002.webp


Bild 5 das Apo Rodagon bei etwa 1:2

Rodagon-nah 005.webp


Bild 6 das Braun Ultralit bei 1:2

Ultralit 001.webp
 
Dann will ich auch hier einmal den Faden aufgreifen und weiterspinnen... Vor mir stehen ein Minolta 100/4 Auto Bellows Macro (also ein Makro-Kopf für den Balgen) und ein Nikon EL-Nikkor 50/2.8 N (also ein Objektiv für einen Vergrößerer). Der Minolta-Kopf war der Spezialist für ABM bis 1,0 (der "kleinere" Bruder 50/3.5 setzte bei 0,8-fach an und brachte es bis 3,5-fach). Legendär ist das EL-Nikkor... die erste Version stammt aus dem Jahr 1957. 1979 folgte die erste N-Variante; seit 2005 ist das Objektiv als Industrie-Objektiv u.a. in Planetarien im Einsatz. Es gilt als im Prinzip verzerrungsfrei und kann nahezu beliebig vergrößern (siehe Einsatz in einem Planetarium). Das Limit ist hier die Länge des Balgens - der Arbeitsabstand ist fix.

LG Robert
 
Und hier nun noch ein paar wirkliche Exoten...

#1 105/2.8 mit vorgebautem Minolta Makro-Kopf.
tubusneu1.webp



#2 1005/2.8 mit vorgebautem Zeiss Luminar 25mm
Freak1.webp



# 3 umgebautes Zeiss Luminar 40 mm mit eigener Blende
Luminar_40mm.webp



#4 Relais-Objektiv im Eigenbau, umgebautes (entkerntes) Nikkor 24/2.8 dazu Front-Objektiv, wechselbar (hier Zeiss 40mm)
IMG_0421.webp


Beispiel zu #1: Outdoor, Freihand, ABM ca. 3:1
tubustest05.webp


Beispiel zu #2: Outdoor, Freihand, ABM ca. 3:1
Zikade3.webp


noch ein Beispiel zu #2 (aber mit vorgebautem Zeiss 40mm anstelle 25mm), Outdoor, Freihand, ABM ca. 4:1
Heuschrecke_4-1.webp


Beispiele zu #3 habe ich hier schon einige gezeigt. Damit kann man aber nur noch stacken. Ein brauchbares Einzelbild ist quasi nicht mehr machbar. Es sei denn, das Motiv ist absolut plan. ABM bis ca. 9:1 möglich.
Ja, und für die Freaks gibt es noch das Relais-Objektiv... Eigenbau. ABM bis ca. 20:1 bei 70mm (!) Arbeitsabstand. Testbilder poste ich demnächst. Die Schärfentiefe ist unglaublich!

LG Robert
 
Schöne Beispiele, was man mit ungewöhnlichen Objektiven und etwas Bastelarbeit erzielen kann. Für die heutige Zeit ist das eher ungewöhnlich. Hoffentlich regt dieses Thema auch andere an, mal mehr zu experimentieren. Das Material kann man ja alles für wenig Geld bekommen.

Nur, warum so viele Bilder freihändig? Von der möglichen Bildqualität bleibt dann leider nicht mehr viel übrig. Es ist zumindest meine Meinung, dass präzises Arbeiten auf der gesamten Aufnahmestrecke absolut notwendig ist.

Gruß
Klaus
 
Warum freihändig? Um zu zeigen, dass man mit diesen Konstruktionen nicht nur im Studio arbeiten kann. Und nicht nur mit Stativ und Einstellschlitten, sondern auch ganz spontan in freier Wildbahn... sozusagen extrem praxistauglich. Ins Gras legen oder mal schnell vor einen Busch knien... alles kein Problem. Man hat also nahezu die gleichen Möglichkeiten wie einem klassischen Makro-Objektiv, aber eben ganz andere Abbildungsmaßstäbe. Das wollte ich gern zeigen.

LG Robert


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Warum freihändig? Um zu zeigen, dass man mit diesen Konstruktionen nicht nur im Studio arbeiten kann. Und nicht nur mit Stativ und Einstellschlitten, sondern auch ganz spontan in freier Wildbahn... ...
LG Robert


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Das Anliegen verstehe ich schon. Aber die andere Seite, nämlich zu zeigen was qualitativ unter Idealbedingungen möglich ist, hätte mich auch sehr interessiert.

Gruß
Klaus
 
Lieber Klaus, das will ich Dir nicht schuldig bleiben... wenn ich wieder am heimischen Rechner bin, stöbere ich mal. Aber ein paar Bilder wie z.B.

evugusyj.jpg


dieses hier, hatte ich an anderer Stelle schon gezeigt. Die Zuckerfliege entstand mit der Kombination #3 als Stack.

LG Robert

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Diese beiden will ich gern auch nochmals zeigen...

ubagaguq.jpg


Entstanden als Stack mit #3.

sezyva3a.jpg


Entstanden mit #2.

Mit dem Relaisobjektiv muss ich Aufnahmen nachreichen. Das Ding ist extrem anspruchsvoll. Im Zweifel muss ich mal mit Ruhe und wirklich gutem Aufbau mal neue Bilder machen.

LG Robert

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Danke Robert. Am Ende der ganzen Strecke zählt nur das Bild, und das wird nicht deshalb besser, nur weil es mit einer interessanten Technik oder ungewöhnlichen Objektiven aufgenommen wurde. Wobei das Basteln mit Objektiven durchaus einen eigenen Reiz hat.
Deshalb versuche ich ja nur auszuloten, in welchem Bereich man welche Technik am besten einsetzen kann. Wenn ein konventionelles Makroobjektiv, sauber geführt und ruhig gestellt mit Sandsack oder Stativ an einer hochauflösenden Kamera mit viel Potenzial für eine Ausschnittvergrößerung zu besseren Bildern als eine Selbstbaulösung führt, dann war alles Basteln vergebens. Diese Frage ist für mich immer noch offen.
Die kann aber weder durch Freihandaufnahmen noch durch Stackbilder beantwortet werden, da hierbei die optischen Fehler untergehen. Den Ansatz mit Relaisobjektiven finde ich spannend. Da würde ich gerne mal ein Bild sehen, das in der Natur unter realen Bedingungen aufgenommen wurde und dann einen Vergleich zu einem konventionellem Bild.

Gruß
Klaus
 
toller Thread. Super Arbeit Männers !
 
Hallo Klaus, Robert,

das war mir jetzt so nicht klar, dass man Objektive auch zusammenbasteln kann, nicht schlecht.

HG

Ulli
 
Die nächste Bastellei steht an... entweder einen Makrokopf an einem Tilt-Balgen oder Eigenbau einer Tilt-Makrolinse.

Hintergrund: bei ABM von deutlich größer 1:1 ist die Schärfentiefe minimal.
Ziel: die durch das Objektiv sehr begrenzt verfügbare Schärfentiefe besser ausnutzen, um nach Scheimpflug die Schärfeachse entlang des Motivs zu drehen und so hoffentlich auf das Stacken in manchen Fällen verzichten zu können.

Falls jemand ein defektes Nikon PC-E hat... her damit! Ich würde es ausschlachten und umbauen.

LG Robert

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