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Wieso Objektive aus Canada

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Fiete

Hallo,

beim stöbern bei Ebay fällt mir immer wieder auf, dass es einige Objektive gibt, wo nicht Leitz Wetzlar sondern Canada drauf steht.

Gibt es da Erfahrungen wie die Qualität ist? Und warum gibt es die überhaupt? Ich konnte bisher nirgendwo was finden.

Danke im voraus.

Grüße Fiete
 
Hi Mark,

über eine gewisse Zeit wurden Leica Objektive aus Kostengründen in Canada hergestellt. So wie auch in Portugal manche R-Gehäuse hergestellt wurden.

Ich würde nicht soviel auf den Herstellungsort geben, da dies eher eine juristische Spielerei ist. Abhängig davon, wieviel % eines Objektives/ Gehäuses in welchem Land produziert/ zusammengesetzt wird, darf dann "Made in..." draufstehen.

Die aktuellen "normal" Zooms von Leica werden meines Wissens von Kyocera (wie auch die meisten Contax Objektive) in Japan hergestellt, das Design stammt aber von Leica (bei Contax von Zeiss). Ich weiss nicht, ob bei den Leica Zooms Made in Japan oder Made in Germany draufsteht. Bei den Contax/Zeiss Objektiven steht Made in Japan drauf. Die Design-Rechnung und die Fertigungskontrolle ist aber von Zeiss.

Solange die Qualität stimmt, ist das eher peripher...
 
Hallo Mark,

ich habe gegenwärtig nur kurz Zeit, daher kann ich auch nur auf die Schnelle antworten. Gerade in Canada war eine bedeutende Leitz-Niederlassung (z.B. wurde die Leica- M4-P zwischen 1980 und 1984 dort hergestellt). Leitz hatte sowohl in Wetzlar als auch in Midland (=Canada) bedeutende Objektiventwicklungsabteilungen. Der Leiter der canadischen Abteilung war der brühmte Dr. Walter Mandler. Er ist der Konstrukteur der noch aktuellen Objektive Noctilux-M 1/50mm und Summilux M 1,4/75mm bzw. Summilux R 1,4/80mmm. Die aus Canada stammenden Leica-Objektive und -Kameras können damit als besonders gut angesehen werden.

Leider muss ich jetzt weg.

Gruß Jochen
 
Hallo Dirk,
hallo Jochen,

na das hilft mir ja schon weiter. Vielen Dank

Gruß Mark
 
Hallo

endlich habe ich die Literatur zum Thema Leitz Kanada gefunden. Im Buch=20 von Dennis Laney ist ein Abschnitt der E. Leitz Kanada gewidmet. Zusammenfassend : Gegr=FCndet im Oktober 52 , um den=20 amerikanischen Markt effizienter zu bedienen. Man wollte offensichtlich auch eine sichere Basis ausserhalb Deutschlands schaffen. Kanada hatte=20 auch keine eigene optische Industrie und die kanadische Regierung unterst=FCtzte Leitz. Eine Gruppe von Leitz Mitarbeitern war im Mai 52 angekommen, um die=20 Produktion vorzubereiten. Einer der Emigranten war Walter Mandler, der =FCber 30 Jahre die Objektiventwicklung leitete. Es wurden=20 verschiedenste Objektive entwickelt und in hervorragender Qualit=E4t gefertigt. Nach der Pensionierung von Walter Mandler ging die=20 Objektiventwicklung nach Wetzlar zur=FCck. Die Objektive auch Kanada sind nach meinen Erfahrungen von=20 hervorragender Qualit=E4t. Es hat also gar nichts mit Kostenreduktion ode= r sonstigen Gr=FCnden zu tun. Es waren wahrscheinlich rein politische Gr=FCnde, das Werk in Midland zu=20 gr=FCnden.

Gruss Eugen
 
Zum Noctilux und Summilux 1,4/75bzw.80 gibt es noch eine interessante Geschichte zu berichten, die ich von einem ehemaligen Leica-Mitarbeiter erfahren habe.

Die Objektive besitzen Linsen, die das Element Beryllium (Be) enthalten, das (nur in pulveriger Form!) hochgiftig ist. Daher ist es keinem deutschen Betrieb erlaubt, Be-haltige Puver zu verarbeiten. In Kanada ist das offensichtlich anders. Hier konnten diese Be-haltigen Gläser für die Noctilux- und Summilux-Linsen geschmolzen werden.

Auch als nach der Pensionierung von Mandler das Werk in Midland verkauft wurde, wurden die genannten Objektive noch dort weiter produziert. Fragte man damals die Leica Mitarbeiter, warum diese Objektive in Kanada produziert würden, bekam man als Antwort, dass die Produktion in Deutschland den Preis dieser doch schon sehr teuren Objektive noch höher schrauben würde. Die Wahrheit war aber eine andere...!

Ich glaube, etwa 1992 wurde das "Glaslabor" in Wetzlar geschlossen, in dem die Gläser für die Linsen geschmolzen wurden. Damit beendete Leica seine eigene Linsenrohlingfertigung. Linsenrohlinge wurden nun aus der (optischen) Glasindustrie bezogen, außerdem kaufte man bestimmte schon fertiggeschliffene asphärischen Linsen. Nun, da man die fertigen Gläser von anderen Firmen (auch aus anderen Ländern) bezieht, kann man die eigentliche Herstellung der kritischen Objektive mit Be-haltigen Gläsern in Deutschland vornehmen. Daher sind die gegenwärtigen Nocti- und Summiluxe "Made in Germany".

Gruß J.
 
Leitz hat nie Gl=E4ser f=FCr die Serienproduktion erschmolzen. Es war ein=20 reines Forschungslabor
 
Leitz hat nie, ich wiederhole nie, Gläser für die Serienproduktion selbst erschmolzen. Es war "nur" ein Forschungslabor.
Gruß, Karl-Heinz
 
> ...und gäbe es Canada nicht, gäbe es heute auch kein APO-Telyt 3.4/180. Dieses Objektiv wurde dort für das Pentagon konstruiert, also in erster Linie für rein militärische Zwecke. Anschließend machte man aus der Not eine Tugend ! Deshalb gibt es heute auch die anderen APO-Brennweiten. Mag sein, dass wir heute APO-Linsen kaufen könnten, aber die Entwicklung war zum Glück eben eine andere....
 
Lieber Karl-Heinz,

woher willst du das denn eigentlich so genau wissen? Es sind in diesem Glaslabor eine Reihe von neuen Gläsern entwickelt worden, die dann patentiert wurden.

Nachdem das Glaslabor verkauft wurde (an Corning), hatte Leica anfänglich große Schwierigkeiten, dass die Linsenrohlinge die erforderliche Spezifikation erfüllten, da für das Erschmelzen der Gläser eine Menge persönliche Erfahrung des Mitarbeiters dazugehört.

Gläser wurden in Tiegeln (sogenannten Häfen) geschmolzen. Die Menge, die man in einem Hafen trotz der geringen Größe erschmelzen kann, reicht für eine ganze Produktionsserie von Linsen aus.

Ich sag das nicht gerne, aber ich hatte einmal einen Beratervertrag bei Leica und wir haben seiner Zeit ein Patent zum Pressen von asphärischen Linsen ("Blankpressen") angemeldet. Leider haben wir dieses Patent in Japan nicht durchbekommen. Hinzu kam, dass es zu dieser Zeit der Firma Leica nicht gut ging, so dass das Glaslabor verkauft werden musste. Ohne einen eigenen Glasschmelzbetrieb bringt das Blankpressen im Hause Leica aber keinen Sinn mehr. Daher wird im Hause Leica heute nicht blankgepresst.

Gruß Jochen
 
Hallo Jochen,

ich weiß es zum ersten von dem Bremer Fotodesigner Günter Franz, DGPh, der seit 1961 mit Leicas arbeitet und durch seine frühere Tätigkeit als Werksfotograf der Bremer Luftfahrtindustrie schon immer enge Verbindungen zu Leitz/Leica hatte.

Bei einem Werksbesuch (1996, wenn ich mich recht erinnere) begleitete ich Herrn Franz und wir fragten Herrn von Zillowitz (oder von Zinnowitz?), den langjährigen Presse- und Öffentlichkeitschef bei Leica, direkt nach dem Hintergrund Glaslabor. Er bestätigte genau das, daß es ein Labor sei und nicht mehr. (Anm.: Zu diesem Zeitpunkt gab es das Forschungslabor bei Leica schon nicht mehr.) Leica hat demnach Gläser nach seinen eigenen Spezifikationen im eigenen Haus sozusagen erschmolzen, um sie dann z.B. bei Corning Glas produzieren zu lassen.

Desweiteren kannst Du in Publikationen zu Leica, z.B. bei Jonathan Eastland ganz genau nachlesen, daß das Glaslabor ein Glaslabor war und kein Glaswerk. Aber die Mär ist wohl nicht auszurotten, es klingt ja auch schöner, wenn alles aus einer Hand kommt. Tatsächlich konnte in früheren Leitz bzw. später Leica Werbebroschüren beim Anblick des Titantiegels voll von heißem Glas der Eindruck entstehen, daß hier alles selbst gemacht wird. Und die Kundschaft wollte es nur zu gerne glauben. Aber selbst die Tatsache, daß es sich um ein Forschungslabor handelte, muß man doch nicht verschweigen: Ich finde es höchst bemerkens- und anerkennenswert, daß eine kleine Schmiede wie Leica seine eigene "Suppe" gekocht hat, um optisch Dinge auf die Beine zu stellen, die mit handelsüblichen Gläsern oder in Abhängigkeiten zu externen Einrichtungen kaum möglich, wenn nicht gar unmöglich gewesen wären.

Hoffe, daß ich helfen konnte.

Gruß, Karl-Heinz
 
Hallo Jochen,
willst Du damit sagen, dass die asphärischen Blankpresslinge fertig angeliefert werden?
Ich dachte immer, dass Leica (fast) alle Linsen als Rohlinge aus Frankreich bezieht und diese dann selber schleift, poliert und vergütet.
Grundsätzlich würde mich interessieren, wer und wo die Glassorten entwickelt, die bei modernen Objektiven zum Einsatz kommen (nicht nur bei Leica).
Hab' mal gehört, dass ausser Nikon kein Objektivhersteller mehr ein eigenes Glaslabor geschweige denn eine Schmelze hat.Stimmt das?

Grüße
Stefan
 
Hallo Karl-Heinz,

habe vielen Dank für deine Ausführungen. Trotz deines überzeugend klingenden Berichts behaupte ich weiterhin, dass ich es besser weiß. Ich möchte meinen Informanden in diesem Forum aber nicht nennen. Die Mitglieder des Forums werden Verständnis haben. Ich habe schon eigentlich viel zu viel gesagt, was ich jetzt ein weing bedaure. Daher wirst du die weitere Information von mir über ein privates Mail erhalten.

Gruß Jochen

Hallo Stefan,

es werden zwar bei Leica die Linsen mit sphärischen Flächen (für alle, die es nicht wissen: Linsenoberflächen sind plan oder Teil einer Kugel) noch geschliffen, nicht aber die Asphären. Die bezieht Leica meines Wissens von Hoya. Früher wurden auch Aspheren geschliffen, so z.B. bei dem Noctilux 1,2/50mm (von 1966) oder dem Summilux Aspherical 1,4/35mm (von 1990).

Woher die Rohlinge bei Leica für die sphärischen Linsen kommen, weiß ich zwar nicht. Allerdings wäre Frankreich sinnvoll, da Corning eine Glasfabrik für optisches Glas in Frankreich hat (Hoya aber auch).

Die Firma Schneider in Bad Kreuznach kaufte schon immer fertige Rohlinge. Bei Zeiss gehe ich davon aus, dass das optische Glas bei Schott geschmolzen wird. Über die weiteren Firmen weiß ich nichts.

Meines Wissens ist der Forschungsbedarf für neue optische Glassorten gering, da es heute in dem bekannten Brechzahl/Abbezahl-Diagramm kaum noch leeren Stellen gibt.

Gruß J.
 
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