Hallo Jochen,
ich weiß es zum ersten von dem Bremer Fotodesigner Günter Franz, DGPh, der seit 1961 mit Leicas arbeitet und durch seine frühere Tätigkeit als Werksfotograf der Bremer Luftfahrtindustrie schon immer enge Verbindungen zu Leitz/Leica hatte.
Bei einem Werksbesuch (1996, wenn ich mich recht erinnere) begleitete ich Herrn Franz und wir fragten Herrn von Zillowitz (oder von Zinnowitz?), den langjährigen Presse- und Öffentlichkeitschef bei Leica, direkt nach dem Hintergrund Glaslabor. Er bestätigte genau das, daß es ein Labor sei und nicht mehr. (Anm.: Zu diesem Zeitpunkt gab es das Forschungslabor bei Leica schon nicht mehr.) Leica hat demnach Gläser nach seinen eigenen Spezifikationen im eigenen Haus sozusagen erschmolzen, um sie dann z.B. bei Corning Glas produzieren zu lassen.
Desweiteren kannst Du in Publikationen zu Leica, z.B. bei Jonathan Eastland ganz genau nachlesen, daß das Glaslabor ein Glaslabor war und kein Glaswerk. Aber die Mär ist wohl nicht auszurotten, es klingt ja auch schöner, wenn alles aus einer Hand kommt. Tatsächlich konnte in früheren Leitz bzw. später Leica Werbebroschüren beim Anblick des Titantiegels voll von heißem Glas der Eindruck entstehen, daß hier alles selbst gemacht wird. Und die Kundschaft wollte es nur zu gerne glauben. Aber selbst die Tatsache, daß es sich um ein Forschungslabor handelte, muß man doch nicht verschweigen: Ich finde es höchst bemerkens- und anerkennenswert, daß eine kleine Schmiede wie Leica seine eigene "Suppe" gekocht hat, um optisch Dinge auf die Beine zu stellen, die mit handelsüblichen Gläsern oder in Abhängigkeiten zu externen Einrichtungen kaum möglich, wenn nicht gar unmöglich gewesen wären.
Hoffe, daß ich helfen konnte.
Gruß, Karl-Heinz