grauer_wolf
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- 11 Jan 2008
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- 11,133
Teil 1:
Aus aktuellem Anlaß ein Thema, das immer wieder mal hochkommt... Scheint, als wäre es mal wieder an der Zeit...
"Bildkritik" oder "Wer sich auf's Glatteis begibt, rutscht garantiert aus..."
Bildkritik ist eine recht heikle... nein, eine sehr heikle Angelegenheit. Negative Punkte, die sich in technischer Hinsicht äußern, sind schnell erkannt, isoliert und leicht beschrieben, ggf. auch mit Ratschlägen, wie man sie beheben kann. Manchmal ist es ja wirklich nur eine Kleinigkeit wie falsches Schärfen, mal eine halbe Blende daneben, die aber u.U. große Auswirkungen haben kann.
Bei guten Bilder wird naturgemäß Lob erwartet und das nicht nur in der Form "Schönes Bild!", sondern möglichst noch differenziert. Aber das ist schwieriger als man gemeinhin denken mag...
Bei einem Bild, in dem technisch alles stimmt, kann man nicht die einzelnen Punkte rauspicken und sagen, dies und das und jenes... ist alles richtig. Und zwar deswegen nicht, weil in diesem Fall die untrennbare Summe des Ganzen stimmt und kein isolierbarer negativer Aspekt zu sehen ist.
Was Inhalte angeht wird, es noch schwieriger, speziell dann, wenn die Technik an sich o.k. ist.
Was dann sagen, wenn's einem ein Bild trotz perfekter Technik nicht gefällt? Ich habe so manches Bild gesehen, daß in puncto Fototechnik schlichtweg perfekt war, aber trotzdem seelenlos, kalt, tot, dem man ansah, daß der Fotograf keine emotionelle Beziehung zum Dargestellten hatte...
Ehrlich gesagt, bei Kommentaren wie "schöne Schärfe", "tolle Farben", da käme ich mir versch*** vor und würde mich fragen, was ich falsch gemacht habe, da sich der Blick offensichtlich nur auf Äußerlichkeiten richtet... Womit wir beim wichtigsten Punkt sind:
Äußerlichkeiten, Inhalte und "Was ist ein gutes Bild?"...
Die ästhetische Qualität eines Bildes zu bewerten, ist unglaublich schwierig, weil unweigerlich die eigene Persönlichkeit des Betrachters mit einfließt und so die Botschaft des Bildes immer auch in der geistigen Struktur des Empfängers zu suchen ist...
Ein schönes Bild ist für mich das, welches die Stimmung, die der Fotograf bei der Aufnahme gefühlt hat oder die er induzieren wollte, auch bei mir aufkommen läßt. Das heißt aber auch, daß ein wahrhaft gutes Bild nicht zwingend auch ein technisch perfektes sein muß.
Das Problem ist, daß gerade in der Fotografie als Hobby, welches sehr stark die Technik in den Mittelpunkt stellt (welche Linse hast du benutzt, welche Kamera, wie hast du dir den Hals gewaschen und zeig mal'n 100% Crop...), das stimmungsvolle, subtile Foto, möglicherweise diffus, nicht ganz scharf (oder sehr selektiv), mit Lichthöfen, Überstrahlungen, Rauschen, Randabfall und was der "Fehler" mehr sind, ins Hintertreffen gerät und nicht so gewürdigt wird, wie es es eigentlich verdient. Der Blick verfängt in völlig unnützen, oberflächlichen Details.
Man kann beim Betrachter eben nicht zwingend Kunstverständnis oder gar ein Kunststudium voraussetzen, was manche Bilder aber eigentlich erfordern.
Der Punkt ist, wird erkannt, was man mit seinen Bildern rüberbringen will? So wie sich in einem Roman die Botschaft zwischen den Zeilen verstecken mag, so mag sie sich in einem Bild in kleinen, scheinbar unwesentlichen Details verbergen und ob sie gefunden wird, liegt dann wieder in der Struktur des Betrachters (s.o.).
Dann ist da noch die Frage der Motivation des Fotografen. Geht es nur um die Technik, die schönen Cams und Linsen, geht es um den Augenblick des "klick", ist das Bild an der Wand die Hauptintention oder die Erinnerung an einen schönen Urlaub? Ich z.B. fotografiere, um meine Sicht der Dinge rüberzubringen, um zum Nachdenken anzuregen, um Stimmungen zu bewirken, ja sogar, um den Betrachter der Bilder (meistens im Zusammenhang mit einem Text) in meinem Sinne zu beeinflussen (Naturschutz, Tierhaltung, Ökologie etc.). Ich fotografiere, weil ich die Welt in Bildern sehe, um das, was ich sehe, anderen Menschen mitteilen zu können (und natürlich, um Geld zu verdienen). Wie ist es mit Euch, warum fotografiert Ihr...? Motivation und Bildergebnis hängen unmittelbar und vor allen Dingen untrennbar zusammen...
Technische Qualität im Sinne einer optimalen Umsetzung (keinesfalls im absoluten Sinne: Siehe "Fehler") setze ich dabei voraus. Außer für mich privat (wenn der rein ideelle Wert zählt) zwinge ich mich ständig, GEO- oder National-Geographic-Niveau zu erreichen. Gelingt es mir mal nicht, meine Visualisierung adäquat umzusetzen, weiß meine Umgebung davon ein Lied zu singen: Dann habe ich nämlich sauschlechte Laune! Nur haben eben solche Visualisierungen nicht immer was mit dem technisch perfekten Bild zu tun, manchmal sogar mit dem Gegenteil!
Nur, wäre es richtig, diese Maßstäbe hier im Forum bei einer Bildkritik anzubringen? Denn ich kann als Professional nicht aus meiner Haut raus und lege eigentlich bei jedem Bild, das ich sehe, diese Meßlatte an (alte Berufskrankheit... ). Ich weiß es wirklich nicht... Manch einer mag durch solche Maßstäbe angespornt werden, anderen verleidet man dadurch vielleicht sein Hobby ("schaffe ich eh nie..."), was ja nun wirklich keinen Sinn macht, denn ein Hobby soll Freude machen und keinen Druck erzeugen...
Bilder von guten Fotografen schaue ich mir gerne an, freue mich darüber und kann allenfalls noch sagen, ob sie mich ansprechen oder nicht. Technische Kritik brauchen gute Fotografen von mir nicht, denn ich gehe davon aus, daß sie das, was sie zeigen, genau so zeigen wollen und nicht anders, daß es ihre Ausarbeitung ihrer Visualisierung. ihrer Vision ist. Hier zu sagen "Das kannst du so oder so aber nicht fotografieren, das mußt Du anders machen!" hieße gleichermaßen zu sagen "Da kannst du aber so oder so nicht drüber denken!". Man würde in diesem Falle die Sichtweise, die Denkweise des Fotografen infragestellen, nicht sein Foto in engeren Sinne.
Und andere Fotos? Ich mußte oft die Erfahrung machen, daß man nirgendwo so schnell und gründlich in's Fettnäpfchen treten kann (eigentlich schon eher in einen Fettbottich) wie bei ehrlicher, ggf. auch harter Kritik bei Hobbyfotografen, die sich für Könner halten, daß der Wunsch nach echter Kritik eigentlich sehr rar ist.
Aber was soll man sagen zu Bildern, die technisch schlecht und/oder inhaltsleer ohne Aussage sind, die keine Botschaft beinhalten? Um mal wieder A. Feininger zu zitieren: 1000-fach fotografiert ohne innere Beteiligung, nur weil's in ist, weil andere das auch fotografieren... Fotos, gemacht von Motiven, zu denen man keine wirkliche, innere Beziehung hat, bleiben nun einmal oberflächlich. Das ist heute in 2010 (inzwischen ist's ja Ende 2012) nicht anders als 1964. Man muß zu dem, was man fotografiert, eine emotionale Brücke aufbauen, sonst wird das nichts, sonst ist es nur eine seelenlose Reproduktion der Szene vor der Kamera, ein Foto vielleicht, aber kein Bild...
Und ehrlich gesagt, bei Kommentaren wie "schöne Schärfe" oder "schöne Farben" (die ich für mich selber auch nicht mag: s.o.) käme ich mir unehrlich vor... Also sage ich oft lieber nichts, weil ich niemandem wehtun möchte, der sein Hobby liebt, aber vielleicht nicht wirklich die Fähigkeiten hat. Allerdings gibt es auch gute Bilder, zu denen ich inhaltlich nichts sagen kann, weil ich keinen Zugang zu dem finde, was gezeigt wird, z.B. die Thematik "Motorsport", "Kinderfotos" oder die vielfachen "Bienchen & Blümchen", während ich z.B. zu "Wildernis/Landscape" im allgemeinen und "Wölfe/Hunde" im besonderen eine sehr tiefe Beziehung habe, die mich sofort erkennen läßt, ob im Bild eine Botschaft steckt oder nicht... Will sagen, bei der Bildkritik und der Beurteilungsfähigkeit spielen persönliche Neigungen/Interessen eine mehr als große Rolle...
Technik und kein Ende...
Was mich zugegebenermaßen ziemlich annervt, ist, daß immer wieder die Frage nach den technischen Daten aufkommt, den immer wieder gerne genommenen EXIFs...
Ich habe ein echtes Problem damit, ausführliche, technische Daten rauszurücken, von EXIFs ganz zu schweigen, die manchmal Daten enthalten, die nicht einmal Redaktionen zu sehen kriegen (Fundorte seltener Tiere und Pflanzen, präzise Locations etc.). Auch die ständige Frage Aufforderung (schon erwähnt): "Zeig mal einen 100% Crop!" geht mir, gelinde gesagt, auf den Senkel. Was hat ein 100% Crop mit den ästhetischen Qualitäten eines aussagestarken Bildes zu tun? Nichts, aber auch gar nichts! Umgegehrt ist natürlich ein technisch miserables Bild nicht zwangsweise ein Kunstwerk...
Das, was ich mit meinen Bildern zu sagen habe zur Natur, zum Leben mit Tieren, allgemein zur Welt, in der wir leben, ginge in technischen Debatten nur unter und das sehe ich auch bei anderen Fotografen so. Ich lasse lieber das Licht sprechen als trockene Aufnahmedaten, zeige, was ich gesehen und gefühlt habe vor Ort, versuche, die Betrachter der Bilder daran teilhaben zu lassen.
Welche Kamera, welche Linse ich dazu benutzte, welcher ASA-Wert, welche Blende, welche Verschlußzeit anstand, das ist imho sowas von nebensächlich, denn schon wenige Minuten später stellt sich die Lichtsituation ganz anders dar. Aufnahmebedingungen sind eigentlich außer im Studio nie reproduzierbar...
Langer Rede kurzer Sinn: Bildkritik ist wirklich eine äußerst heikle Angelegenheit...
Ein paar ungeordnete Gedanken von jemandem, der Photograph (= Zeichner mit Licht) mit Leib und Seele ist und sein Herzblut in die Bilder steckt (wie man so schön sagt), nicht Fototechniker*)...
*) Auch wenn technisches Wissen keinesfalls schädlich ist...
Aus aktuellem Anlaß ein Thema, das immer wieder mal hochkommt... Scheint, als wäre es mal wieder an der Zeit...
"Bildkritik" oder "Wer sich auf's Glatteis begibt, rutscht garantiert aus..."
Bildkritik ist eine recht heikle... nein, eine sehr heikle Angelegenheit. Negative Punkte, die sich in technischer Hinsicht äußern, sind schnell erkannt, isoliert und leicht beschrieben, ggf. auch mit Ratschlägen, wie man sie beheben kann. Manchmal ist es ja wirklich nur eine Kleinigkeit wie falsches Schärfen, mal eine halbe Blende daneben, die aber u.U. große Auswirkungen haben kann.
Bei guten Bilder wird naturgemäß Lob erwartet und das nicht nur in der Form "Schönes Bild!", sondern möglichst noch differenziert. Aber das ist schwieriger als man gemeinhin denken mag...
Bei einem Bild, in dem technisch alles stimmt, kann man nicht die einzelnen Punkte rauspicken und sagen, dies und das und jenes... ist alles richtig. Und zwar deswegen nicht, weil in diesem Fall die untrennbare Summe des Ganzen stimmt und kein isolierbarer negativer Aspekt zu sehen ist.
Was Inhalte angeht wird, es noch schwieriger, speziell dann, wenn die Technik an sich o.k. ist.
Was dann sagen, wenn's einem ein Bild trotz perfekter Technik nicht gefällt? Ich habe so manches Bild gesehen, daß in puncto Fototechnik schlichtweg perfekt war, aber trotzdem seelenlos, kalt, tot, dem man ansah, daß der Fotograf keine emotionelle Beziehung zum Dargestellten hatte...
Ehrlich gesagt, bei Kommentaren wie "schöne Schärfe", "tolle Farben", da käme ich mir versch*** vor und würde mich fragen, was ich falsch gemacht habe, da sich der Blick offensichtlich nur auf Äußerlichkeiten richtet... Womit wir beim wichtigsten Punkt sind:
Äußerlichkeiten, Inhalte und "Was ist ein gutes Bild?"...
Die ästhetische Qualität eines Bildes zu bewerten, ist unglaublich schwierig, weil unweigerlich die eigene Persönlichkeit des Betrachters mit einfließt und so die Botschaft des Bildes immer auch in der geistigen Struktur des Empfängers zu suchen ist...
Ein schönes Bild ist für mich das, welches die Stimmung, die der Fotograf bei der Aufnahme gefühlt hat oder die er induzieren wollte, auch bei mir aufkommen läßt. Das heißt aber auch, daß ein wahrhaft gutes Bild nicht zwingend auch ein technisch perfektes sein muß.
Das Problem ist, daß gerade in der Fotografie als Hobby, welches sehr stark die Technik in den Mittelpunkt stellt (welche Linse hast du benutzt, welche Kamera, wie hast du dir den Hals gewaschen und zeig mal'n 100% Crop...), das stimmungsvolle, subtile Foto, möglicherweise diffus, nicht ganz scharf (oder sehr selektiv), mit Lichthöfen, Überstrahlungen, Rauschen, Randabfall und was der "Fehler" mehr sind, ins Hintertreffen gerät und nicht so gewürdigt wird, wie es es eigentlich verdient. Der Blick verfängt in völlig unnützen, oberflächlichen Details.
Man kann beim Betrachter eben nicht zwingend Kunstverständnis oder gar ein Kunststudium voraussetzen, was manche Bilder aber eigentlich erfordern.
Der Punkt ist, wird erkannt, was man mit seinen Bildern rüberbringen will? So wie sich in einem Roman die Botschaft zwischen den Zeilen verstecken mag, so mag sie sich in einem Bild in kleinen, scheinbar unwesentlichen Details verbergen und ob sie gefunden wird, liegt dann wieder in der Struktur des Betrachters (s.o.).
Dann ist da noch die Frage der Motivation des Fotografen. Geht es nur um die Technik, die schönen Cams und Linsen, geht es um den Augenblick des "klick", ist das Bild an der Wand die Hauptintention oder die Erinnerung an einen schönen Urlaub? Ich z.B. fotografiere, um meine Sicht der Dinge rüberzubringen, um zum Nachdenken anzuregen, um Stimmungen zu bewirken, ja sogar, um den Betrachter der Bilder (meistens im Zusammenhang mit einem Text) in meinem Sinne zu beeinflussen (Naturschutz, Tierhaltung, Ökologie etc.). Ich fotografiere, weil ich die Welt in Bildern sehe, um das, was ich sehe, anderen Menschen mitteilen zu können (und natürlich, um Geld zu verdienen). Wie ist es mit Euch, warum fotografiert Ihr...? Motivation und Bildergebnis hängen unmittelbar und vor allen Dingen untrennbar zusammen...
Technische Qualität im Sinne einer optimalen Umsetzung (keinesfalls im absoluten Sinne: Siehe "Fehler") setze ich dabei voraus. Außer für mich privat (wenn der rein ideelle Wert zählt) zwinge ich mich ständig, GEO- oder National-Geographic-Niveau zu erreichen. Gelingt es mir mal nicht, meine Visualisierung adäquat umzusetzen, weiß meine Umgebung davon ein Lied zu singen: Dann habe ich nämlich sauschlechte Laune! Nur haben eben solche Visualisierungen nicht immer was mit dem technisch perfekten Bild zu tun, manchmal sogar mit dem Gegenteil!
Nur, wäre es richtig, diese Maßstäbe hier im Forum bei einer Bildkritik anzubringen? Denn ich kann als Professional nicht aus meiner Haut raus und lege eigentlich bei jedem Bild, das ich sehe, diese Meßlatte an (alte Berufskrankheit... ). Ich weiß es wirklich nicht... Manch einer mag durch solche Maßstäbe angespornt werden, anderen verleidet man dadurch vielleicht sein Hobby ("schaffe ich eh nie..."), was ja nun wirklich keinen Sinn macht, denn ein Hobby soll Freude machen und keinen Druck erzeugen...
Bilder von guten Fotografen schaue ich mir gerne an, freue mich darüber und kann allenfalls noch sagen, ob sie mich ansprechen oder nicht. Technische Kritik brauchen gute Fotografen von mir nicht, denn ich gehe davon aus, daß sie das, was sie zeigen, genau so zeigen wollen und nicht anders, daß es ihre Ausarbeitung ihrer Visualisierung. ihrer Vision ist. Hier zu sagen "Das kannst du so oder so aber nicht fotografieren, das mußt Du anders machen!" hieße gleichermaßen zu sagen "Da kannst du aber so oder so nicht drüber denken!". Man würde in diesem Falle die Sichtweise, die Denkweise des Fotografen infragestellen, nicht sein Foto in engeren Sinne.
Und andere Fotos? Ich mußte oft die Erfahrung machen, daß man nirgendwo so schnell und gründlich in's Fettnäpfchen treten kann (eigentlich schon eher in einen Fettbottich) wie bei ehrlicher, ggf. auch harter Kritik bei Hobbyfotografen, die sich für Könner halten, daß der Wunsch nach echter Kritik eigentlich sehr rar ist.
Aber was soll man sagen zu Bildern, die technisch schlecht und/oder inhaltsleer ohne Aussage sind, die keine Botschaft beinhalten? Um mal wieder A. Feininger zu zitieren: 1000-fach fotografiert ohne innere Beteiligung, nur weil's in ist, weil andere das auch fotografieren... Fotos, gemacht von Motiven, zu denen man keine wirkliche, innere Beziehung hat, bleiben nun einmal oberflächlich. Das ist heute in 2010 (inzwischen ist's ja Ende 2012) nicht anders als 1964. Man muß zu dem, was man fotografiert, eine emotionale Brücke aufbauen, sonst wird das nichts, sonst ist es nur eine seelenlose Reproduktion der Szene vor der Kamera, ein Foto vielleicht, aber kein Bild...
Und ehrlich gesagt, bei Kommentaren wie "schöne Schärfe" oder "schöne Farben" (die ich für mich selber auch nicht mag: s.o.) käme ich mir unehrlich vor... Also sage ich oft lieber nichts, weil ich niemandem wehtun möchte, der sein Hobby liebt, aber vielleicht nicht wirklich die Fähigkeiten hat. Allerdings gibt es auch gute Bilder, zu denen ich inhaltlich nichts sagen kann, weil ich keinen Zugang zu dem finde, was gezeigt wird, z.B. die Thematik "Motorsport", "Kinderfotos" oder die vielfachen "Bienchen & Blümchen", während ich z.B. zu "Wildernis/Landscape" im allgemeinen und "Wölfe/Hunde" im besonderen eine sehr tiefe Beziehung habe, die mich sofort erkennen läßt, ob im Bild eine Botschaft steckt oder nicht... Will sagen, bei der Bildkritik und der Beurteilungsfähigkeit spielen persönliche Neigungen/Interessen eine mehr als große Rolle...
Technik und kein Ende...
Was mich zugegebenermaßen ziemlich annervt, ist, daß immer wieder die Frage nach den technischen Daten aufkommt, den immer wieder gerne genommenen EXIFs...
Ich habe ein echtes Problem damit, ausführliche, technische Daten rauszurücken, von EXIFs ganz zu schweigen, die manchmal Daten enthalten, die nicht einmal Redaktionen zu sehen kriegen (Fundorte seltener Tiere und Pflanzen, präzise Locations etc.). Auch die ständige Frage Aufforderung (schon erwähnt): "Zeig mal einen 100% Crop!" geht mir, gelinde gesagt, auf den Senkel. Was hat ein 100% Crop mit den ästhetischen Qualitäten eines aussagestarken Bildes zu tun? Nichts, aber auch gar nichts! Umgegehrt ist natürlich ein technisch miserables Bild nicht zwangsweise ein Kunstwerk...
Das, was ich mit meinen Bildern zu sagen habe zur Natur, zum Leben mit Tieren, allgemein zur Welt, in der wir leben, ginge in technischen Debatten nur unter und das sehe ich auch bei anderen Fotografen so. Ich lasse lieber das Licht sprechen als trockene Aufnahmedaten, zeige, was ich gesehen und gefühlt habe vor Ort, versuche, die Betrachter der Bilder daran teilhaben zu lassen.
Welche Kamera, welche Linse ich dazu benutzte, welcher ASA-Wert, welche Blende, welche Verschlußzeit anstand, das ist imho sowas von nebensächlich, denn schon wenige Minuten später stellt sich die Lichtsituation ganz anders dar. Aufnahmebedingungen sind eigentlich außer im Studio nie reproduzierbar...
Langer Rede kurzer Sinn: Bildkritik ist wirklich eine äußerst heikle Angelegenheit...
Ein paar ungeordnete Gedanken von jemandem, der Photograph (= Zeichner mit Licht) mit Leib und Seele ist und sein Herzblut in die Bilder steckt (wie man so schön sagt), nicht Fototechniker*)...
*) Auch wenn technisches Wissen keinesfalls schädlich ist...
), weil man sich damit fürchterlich in die Nesseln setzen kann. 