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Definition Naturfoto versus Bildbeeinflussung

.. Ich sehe dieses grünliche Licht und ich sehe auch, wie sich die Farben ändern, wenn Wolkenschichten dicker oder dünner werden, die Streuung als solche also gleich bleibt...

Gruß
Wolf

das ist schon korrekt, aber ein weißes Blatt Papier würdest Du wahrscheinlich im Wald als weiß wahr nehmen und nicht hellgrün, weil die Erinnerung Dir sagt, dass das Papier weiß sein muss. Im sonstigen Umfeld, in dem es keine Referenzen gibt, sieht man dann natürlich verstärkt das Grün. Absolutes Gehör soll es geben, aber eine, spektral gesehen, absolute Farbsehfähigkeit wohl eher nicht.

Viele Grüße
Klaus
 
das ist schon korrekt, aber ein weißes Blatt Papier würdest Du wahrscheinlich im Wald als weiß wahr nehmen und nicht hellgrün, weil die Erinnerung Dir sagt, dass das Papier weiß sein muss.
Ich sehe in diesem Fall ein lichtgrünes Blatt Papier, genauso, wie ich unter Kunstlicht ein lichtgelbes Blatt sehe. So mancher Maler beherrscht das übrigens auch! Ich habe schon verschiedentlich zu hören bekommen, das Grün der Fujibilder sei unnatürlich intensiv, aber exakt so sehe ich auch die Farben in der Natur, und genau aus diesem Grund reagiere ich so allergisch auf den automatischen Weißabgleich, der in meinen Augen fast immer unnatürliche Farben erzeugt...

Gruß
Wolf
 
Auch die Wahl des RAW-Konverters ist eine unvermeidliche Entscheidung. Genau wie die Wahl von Entwickler und Papier zu analogen Zeiten. Ein JPEG wäre danach eher ein Abzug aus dem Grosslabor, ein RAW eher ein selbst entwickeltes Bild - die Entscheidungen sind aber unumgänglich.

Aber es bleibt eine Entscheidung zwischen unterschiedlichen Alternativen. Es ändert nichts daran, wenn ich zu der Entscheidung gezwungen werde. Und das war mein Punkt: Jeder sorgfältig arbeitende Photograph trifft eine ganze Reihe von bewussten Entscheidungen, die das Ergebnis verändern.

Wo ist der Unterschied, ob ich RAW-Konverter A benutze und das Bild ohne Veränderung exportiere, oder RAW-Konverter-B nehme, und erstmal am Weißabgleich drehe, dann die Sättigung anhebe und am Ende mit dem Kontrast spiele, bis ich ein Ergebnis habe, das dem mit Konverter A entspricht? Nach Deiner Definition wäre das eine eine Dokumentation, das andere aber nicht. Das zeigt in meinen Augen, dass eine derartig enge Definition nicht realistisch eingehalten werden kann.

Zu sagen, dass ein gutes Foto niemals eine Dokumentation sei, läuft zumindest meiner Definition zuwider. Zumal das im Umkehrschluß ja auch bedeuten würde, dass ein dokumentarisches Foto niemals ein gutes sein könnte.

Vielleicht war das von mir ein wenig zu hart formuliert. Aber zumindest sind mir keine/kaum/äußerst wenige rein dokumentarischen Aufnahmen bewusst, die mich wirklich berührt haben - zumindest außerhalb des Pressebereichs. Zumal man immer noch die genaue Arbeitsweise kennen müsste, um sagen zu können, ob es wirklich Deine Kriterien an eine Dokumentation erfüllt.

Aber wie gesagt, für mich zählen ganz andere Dinge in der Photographie, auch und gerade in der Naturphotographie.

Grüße,

Heiner
 
Hallo zusammen,

es entsteht hier, wie immer wieder bei Diskussionen zu diesem Thema, der Eindruck, daß Naturfotografie nur der absolute
Purismus sein kann. Dabei ist Naturfotografie die Abbildung von Natur. Die Abbildung der Natur im Auge des Fotografen.

Die Abbildung der Natur wird durch so viele Umstände beeinflußt, daß man von einer realen, dokumentarischen Abbildung
wohl nur mit Einschränkungen sprechen kann. Standort, Brennweite, Bildausschnitt sind nur einige Beeinflusser bei der
Aufnahme. EBV oder Wahl des Films - Wolf hat früher bei seinen vier unterschiedlichen Filmen sicherlich auch immer einen
Velvia dabei gehabt - sind die nächsten Punkte. Bei EBV macht es wirklich keinen Unterschied, ob der Fotograf das im RAW-
Konverter oder der (japanisch) Techniker das bei der JPG-Verarbeitung macht.

Also, erlaubt ist, was gefällt. Das heißt natürlich nicht, daß man unter dem Deckmäntelchen der Naturfotografie alles platt-
machen kann. Von daher schließe ich mich der Ampelregelung von Klaus weitestgehend an. Aber auch hier muß man ein-
schränken. Die ernsthaften Naturfotografen verhalten sich sehr umsichtig. Ob das dann alles in das Regelwerk von Klaus
paßt ist etwas anderes. Problematisch wird es eher bei den Leuten, die mal so ganz nebenbei einen Schmetterling fotogra-
fieren wollen, und anschließend ist die ganze Wiese platt. Die Liste ließe sich beliebig erweitern.

Wenn man sich die Entwicklung der Naturfotografie in den letzten Jahren ansieht, dann hat sich - sicherlich auch durch den
Einfluß des Internets - sehr viel verändert. Es fällt z.B. auf, daß die Bilder zunehmend bunter werden. Wohl die wenigsten
werden sich dieser Entwicklung dauerhaft entziehen können. Und Techniken wie Mehrfachbelichtungen und Zieher oder
Wischer sind inzwischen auch bei renommierten, internationalen Wettbewerben etabliert.

Also laßt die Leute die Natur so fotografieren, wie sie sie sehen (wollen). Das Leben muß sich schon so vielen Zwängen
unterwerfen, daß man den Spaß an der Fotografie nicht auch noch durch ein unnötiges Regelwerk einschränken sollte.
 
Ich sehe in diesem Fall ein lichtgrünes Blatt Papier, genauso, wie ich unter Kunstlicht ein lichtgelbes Blatt sehe. So mancher Maler beherrscht das übrigens auch! Ich habe schon verschiedentlich zu hören bekommen, das Grün der Fujibilder sei unnatürlich intensiv, aber exakt so sehe ich auch die Farben in der Natur, und genau aus diesem Grund reagiere ich so allergisch auf den automatischen Weißabgleich, der in meinen Augen fast immer unnatürliche Farben erzeugt...
Gruß
Wolf

Moin Wolf,
mit Deiner Art zu sehen erntest Du wahrscheinlich bisweilen Unverständnis, oder habe ich das falsch verstanden?
Hierzu eine nette kleine Anekdote aus meiner Familie (*OT an): Der Maler A. Erbslöh, der gerne mal grün in blonde Haare portraitierter Damen schmuggelte, wurde eines Tages gefragt, ob er das denn genau so sehe. Nachdem er dies bejaht hatte, kam der Vorschlag, er solle doch mal zum Augenarzt gehen... Hier ein Beispiel: http://id.dorfschenke.de/www.moyland.de/wupp/erbs_b.jpg (*OT aus)
Schönheit liegt im Auge des Betrachters :)
 
mit Deiner Art zu sehen erntest Du wahrscheinlich bisweilen Unverständnis, oder habe ich das falsch verstanden?
Hierzu eine nette kleine Anekdote aus meiner Familie (*OT an): Der Maler A. Erbslöh, der gerne mal grün in blonde Haare portraitierter Damen schmuggelte, wurde eines Tages gefragt, ob er das denn genau so sehe. Nachdem er dies bejaht hatte, kam der Vorschlag, er solle doch mal zum Augenarzt gehen... Hier ein Beispiel: http://id.dorfschenke.de/www.moyland.de/wupp/erbs_b.jpg (*OT aus)
Schönheit liegt im Auge des Betrachters :)
Maler sind ein gutes Beispiel, denn ein guter Maler, insbesondere etliche der alten Meister, aber auch moderne Naturmaler wie Bob Ross sind resp. waren in der Lage, das Licht so zu sehen, wie es ist. Ein herbstlicher Wald ist nun einmal mit warmen, gelben Licht erfüllt, ein Frühjahrswald mit lichtem Grün, Wolken bei einem Unwetter sind nicht etwa einfach grau, sondern zeigen subtile, manchmal sogar markante Farben von grün über cyan und blau bis ins Violette. Schatten in einer Schneelandschaft unter blauem Himmel schimmern in einem eisigen Blau. Und eine Leuchtstoffröhre leuchtet eben nicht "weiß", sondern zeigt eine deutliche, sichtbare Farbdrift durch die Dominanz der Hg-Emissionslinie, was oft eine Lichtqualität ergibt, die einem buchstäblich in den Augen weh tut. Und um Deine Frage zu beantworten, ja manchmal reagieren die Leute sagenwir verwundert, denn der Duchschnittsmensch sieht ein weißes Blatt Papier eben als weiß, weil ihm sein Verstand das vorgibt. Er unterliegt der subjektiven Farbwahrnehmung. Als Photograph sollte man sich aber bemühen, Farben objektiv wahrzunehmen. Btw., ich habe im Fachlabor nie einen Farbanalyser benutzt, weil's mir einfach nichts bringt.

EBV oder Wahl des Films - Wolf hat früher bei seinen vier unterschiedlichen Filmen sicherlich auch immer einen Velvia dabei gehabt - sind die nächsten Punkte.
Neiiiiiiiiiiiiiiin! :eek: Ich habe den Velvia einmal getestet und sofort verworfen, den Rest der Testfilme verschenkt. Die Farbwiedergabe ist grauenhaft und völlig unnatürlich, außerdem ist der Film steil bis zur (subjektiven!) Unbrauchbarkeit.

Wenn man sich die Entwicklung der Naturfotografie in den letzten Jahren ansieht, dann hat sich - sicherlich auch durch den Einfluß des Internets - sehr viel verändert. Es fällt z.B. auf, daß die Bilder zunehmend bunter werden. Wohl die wenigsten werden sich dieser Entwicklung dauerhaft entziehen können.
"Bunt" trifft es ziemlich gut. Der Einfluß des Internets ist keineswegs immer positiv. Und sich entziehen? Sorry, aber mein Stil resp. allgemein formuliert, der Stil eines Photographen steht nicht zur Disposition der Web-Welt. Wer dem hinterherläuft, prostituiert sich und verläßt seine eigene Gedankenwelt zugunsten einer aufoktroyierten. Deshalb mache ich übrigens bei Wettbewerben gewöhnlich nicht mit. Ich beobachte die Szene schon lange und es wird immer schriller. Was da manchmal die Preise abräumt, wäre von mir im ersten Durchgang aussortiert worden. Mit diesen gekünstelten Naturphotos will ich nichts zu tun haben und ich hätte mit meinen oft subtilen Bildern, die einen zweiten und dritten Blick brauchen, auch keine Chance. Wo ich mal gerne mitmischen möchte, ist der World Press Photo Award. Die Teilnehmerzahl ist überschaubar und es kommt auf Themen und Bildaussagen an, nicht auf "knackibunti" und "je schriller, desto besser und preiswürdiger".

Gruß
Wolf
 
Moin,

Und um Deine Frage zu beantworten, ja manchmal reagieren die Leute sagenwir verwundert, denn der Duchschnittsmensch sieht ein weißes Blatt Papier eben als weiß, weil ihm sein Verstand das vorgibt.

Ehrlich gesagt, glaube ich das gar nicht mal. Ich halte das nur für eine "urban legend". Natürlich sagt einem der Verstand, dass ein weißes Blatt weiß ist. Wir sind in der Lage, in gewissen Grenzen die echten Farben von Objekten zu erkennen, auch wenn sie aufgrund der farbigen Beleuchtung gerade etwas anders aussehen (Das war früher schließlich überlebenswichtig). Das Gehirn reduziert den Einfluss der Farbe sicherlich auch, aber das ist keine vollständige Kompensation.

Wenn ich mit fotografisch völlig unbeleckten Leuten rede, merke ich, dass die sehr wohl die Farben des Lichts erkennen. Je nach Situation und Umgebung wird farbiges Licht ja auch ganz bewusst eingesetzt, oder man empfindet es als störend.

Wer häufig in der Situation ist, dass er unter farbiger Beleuchtung Farben sehr genau beurteilen muss, der trainiert diese Fähigkeit sicherlich ein wenig. Aber das heißt nicht, dass der Rest der Menschheit in diesem Punkte quasi völlig blind sei.

Grüße,

Heiner
 
Neiiiiiiiiiiiiiiin! :eek: Ich habe den Velvia einmal getestet und sofort verworfen, den Rest der Testfilme verschenkt. Die Farbwiedergabe ist grauenhaft und völlig unnatürlich, außerdem ist der Film steil bis zur (subjektiven!) Unbrauchbarkeit.

Asche auf mein Haupt!!

"Bunt" trifft es ziemlich gut. Der Einfluß des Internets ist keineswegs immer positiv. Und sich entziehen? Sorry, aber mein Stil resp. allgemein formuliert, der Stil eines Photographen steht nicht zur Disposition der Web-Welt. Wer dem hinterherläuft, prostituiert sich und verläßt seine eigene Gedankenwelt zugunsten einer aufoktroyierten.

Es geht weniger ums Hinterherlaufen. Aber der Einfluß macht sich, außer bei den ganz Standhaften, trotzdem im Lauf der Zeit bemerkbar. Ich habe bei meinen eigenen Bildern da auch eine Veränderung wahrgenommen.
 
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