Hallo Leica-Freunde,
mein Stress ist zu Ende, so dass ich wieder etwas mehr Zeit habe. Ich möchte mich an dieser Stelle wieder dem Elmar (50mm) zuwenden und eine Geschchte dieses bedeutenden Leica-Objektivs zu sammenstellen.
Die Geschichte des Elmars
Der Vorläufer der Tessar-Typ-Objektive ist das „Cooke´sche (nach dem Hersteller) bzw. Taylor´sche (nach dem Konstrukteur) Triplet. Diese Dreilinser sind die klassischen Dreilinser, die die Aplanaten (von Steinheil) im 19.Jahrhundert abgelöst haben. Es konnte bis zu einer Lichtstärke von 3,5 verwendet werden. In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat man die 3-linsigen Normalobjektive auch auf Lichtstärken von 2,8 hochgepuscht, wobei diese Objektive bei offener Blende allerdings nicht verwendet werden sollten (Namen: Steinheil Cassar bzw. Cassarit, Agfa Agnar bzw. Apotar, Meyer Domiplan, Staeble Katagon, Ludwig Victar bzw. Meritar, Zeiss Novar, Triotar bzw. Pantar). Der Reputation von Zeiss hat der Einsatz dieser dreilinsigen Objektive sehr geschadet.
Das Triplet mit verkitteter Hinterlinse, das von Dr. P. Rudolf bei Zeiss errechnet wurde und dort als Tessar (= vier) bezeichnet wurde, erschien 1902 auf dem Markt und ist genaugenommen keine Weiterentwicklung des Taylor–Triplets, wegen der Ähnlichkeit des Aufbaus wird es aber gewöhnlich als solches betrachtet. Durch die Hinzunahme einer weiteren Hinterlinse wurden die Zonenfehler entscheidend verringert. Das Triplet mit verkitteter Hinterlinse weist nicht mehr freie Linsenflächen auf als das Taylorsche Triplet, brachte im Zeitalter der unvergüteten Objektive ähnlich günstige Voraussetzungen für Brillanz und Reflexarmut mit.
Es sei hier angemerkt, dass das Zeiss Sonnar auch ein Triplet allerdings mit 5 Linsen oder mehr ist.
Seine Grenzen findet der Tessar-Typ bei der Forderung hoher Lichtstärken und bei großem Bildwinkel. Eigentlich sollten diese Objektive nur bis zu einer Lichtstärke von 3,5 ausgeführt werden. Auf dem Prinzip des Triplets mit verkitteter Hinterlinse gab es dann eine ganze Reihe von Objektiven (Namen: Zeiss Tessar, Leitz Elmar, Steinheil Culminar, Agfa Solinar, Voigtländer Skopar, Enna Ennit, Meyer Primotar, Staeble Ultranit, Schneider Xenar, Rodenstock Ysarex, Isco Westanar, Nikkor- und Serenar u.v.a). Interessant ist , dass dem Elmar 3,5/50mm eine höhere Abbildungsleistung zuerkannt wurde als dem Tessar 3,5/50mm (Adlerauge).
Prof. Max Berek sah bei den ersten Leicas (1925) das Leitz Anastigmat 3,5/50mm (wie Elmar, nur starr der doppeltverkitteten Hinterlinse eine Dreifachverkittung) vor, das er später Elmax nannte. Es wurde behauptet, dass er dies tat, weil er patentrechtliche Schritte der Firma Zeiss fürchtete (das Zeiss-Patent war noch nicht abgelaufen). Hierzu gibt es noch einige Unklarheiten. Jedenfalls wurde schon bald dieses komplizierte Objektiv durch das Elmar 3,5/50mm ersetzt. Das Patent des Elmars (DRP 343 086) (allerdings mit „Floating Elements“) stammt aus dem Jahr 1920. Im Unterschied zum Tessar (Blende zwischen der zweiten und dritten Linse) war beim Elmar die Blende zwischen der ersten und zweiten Linse.
Das Elmar 3,5/50mm wurde 35 Jahre (bis 1961) produziert und ist das am häufigsten produzierte Leica-Objektiv (12% aller zwischen 1925 und 2000 produzierten Objektive). Die ersten Elmare wurden 1941 für militärische Zwecke (Kriegsberichtserstatter) (ab Serien-Nr. 580 401) vergütet.
Laut Erwin Puts bringt beim Elmar die Vergütung wegen der geringen Luft-Glasflächen nur wenig. Allerdings hat das Forumsmitglied Uwe Klein hierzu ganz andere Erfahrungen.
1957 begann die Ablösung des alten Elmar durch das etwas lichtstärkere Elmar 2,8/50mm. Es wurde bei ihm ein neues Lanthan-haltiges Glas (LaK9) verwendet. es war wie das 3,5er Elmar versenkbar und hatte keine Geradführung. Unter der Bezeichnung Elmarit gab es eine starre Version als Prototyp. Bei offener Blende ist die Leistung des Objektivs schlechter als die des 3,5ers. Aber schon bei Blende 4 ist die Situation umgekehrt. Dieses lichtstärkere Elmar gab es bis 1974.
Mit der Sonderkamera M6J wurde 1994 das neuste Elmar-M 2,8/50mm vorgestellt. Dieses Objektiv besaß noch einen Fukussierhebel, der später bei den Serienmodellen aber durch einen Fokussierring ersetzt wurde. Die Blende wanderte zwischen die zweite und dritte Linse (wie beim Tessar). Dieses neue Objektiv besitzt endlich eine Geradführung (wichtig bei Verwendung von Polfiltern). Die Abbildungsleistung wurde deutlich verbessert. Dies ist um so erstaunlicher, da man glaubte, die Möglichkeiten des Tessar-Typs seien ausgereizt. Allerdings ist die sie immer noch schlechter als beim gegenwärtigen Summicron 2/50mm.