ich finde auch: Gesicht in Ordnung, darunter zu viel des Guten! Vor allem der rechte Arm des Models (also im Bild links), da kann man keine Grenze mehr zwischen Ober- und Unterarm erkennen. Ich weiß schon, warum ich Portraits ablehne!
Also das kann ich jetzt doch nicht so stehen lassen. Die Differenzierung ist für den beabsichtigten Zweck zu schwach, da bin ich der gleichen Meinung, aber die Grenze ist deutlich sichtbar.
Bei einem guten Portrait muss ich neben den üblichen Faktoren wie passende Brennweite, Aufnahmedistanz, Blende, Belichtungszeit, ... zusätzlich noch mit Ausleuchtung agieren und das Model motivieren, Dabei muss das alles so schnell gehen, dass das Model nicht gar noch die Lust verliert.
Wie ich immer sage: Der technische Kram gehört in's unterbewußte Denken und darf bei der Arbeit nicht stören. Oder anders ausgedrückt, während man das Motiv sieht, sind die Hände schon damit beschäftigt, Brennweite und Co. zu wählen. Die Motivation ergibt sich aus der Interaktion zwischen Photograph und Model und auch hier ist vieles Intuition. Wichtig ist, sich Zeit zu lassen und den zu portraitierenden kennenzulernen. Portrait heißt immer auch Eindringen in die Persönlichkeit und Transponierung ins Bild. Ich mache recht selten Portraits, meine Welt ist eher die der Wälder und Hunde, aber wenn, dann macht's mir durchaus Spaß. Auf eines lasse ich mich allerdings nicht ein: "Mach doch mal gerade!" Wer von mir ein Portrait will, muß mindestens 2 Stunden Zeit mitbringen, besser noch einen halben Tag. Und noch eines: Manche Menschen sagen "Von mir kann man keine guten Bilder machen." Das ist Unsinn. Mit dem nötigen Einfühlungsvermögen und Können läßt sich jeder Mensch ansprechend portraitieren, aber eben: Zeit, Zeit, Zeit...
Aber zurück zum Bild im besonderen.
Womit ich zu einem gewissen Grad ein Problem habe, das ist die starke Beauty-Retusche, da ich selber charakterisiere und nicht idealisiere. Aber wie's so schön heißt: Der Kunde ist König und die junge Dame hat sich das Bild so gewünscht.
Ergo, die Differenzierung am Arm überarbeiten und dann paßt es. Evtl. noch auf die Stellung der Hände achten, die so ein klein wenig verkürzt wirken, woran aber auch die Ausleuchtung/Ausarbeitung mitwirkt und die überstarke Beauty-Retusche. Will sagen: Die Handgelenke stärker akzentuieren. Knöchel und Hautfalten müssen dort (dezent) sichtbar bleiben.
Besser als eine EBV-mäßige Überarbeitung wäre übrigens der Einsatz eines Rodenstock Imagon o.ä. im Verein mit deutlich akzentuierterer Ausleuchtung, was der klassischen Filmbeleuchtung mit Stufenlinsern näher kommt.
Gruß
Wolf