Hallo Manu,
das mit dem Blitzen im Nahbereich ist ein schwieriges Thema. Auch mit einem Externen Blitz (z.B. 550 oder 580 EX) wird das Ergebnis nicht besser. Der Lichtabfall von vorne nach hinten bleibt immer gleich stark. Im Nachbereich ist sogar der eingebaute Blitz besser geeignet, weil er nicht so stark ist und näher am Objektiv sitzt (nur die Makroblitze sind wirklich besser). Und sogar der eingebaute Blitz lässt sich in der Stärke beeinflussen.
Es ist wirklich Ansichtssache, ob bei Makroaufnahmen ein schwarzer Hintergrund gut oder schlecht ist. Jeder wie er mag. Ich persönlich finde es schon hilfreich, wenn der Hintergrund etwas Tiefe und Orientierung vermittelt. Dabei dürfte auch die manuelle Éinstellung kein Problem sein, wenn du vorher mit den Balken im Sucher einen vernünftigen Belichtungsabgleich herstelltst. Der ist dann genauer und weniger von Schwankungen betroffen als eine der Automatiken, dann aber auch mit Risiko.
Allerdings hat das Canon-System hier ein Problem, wie ich finde. Ich habe früher (ab 1980) mit den manuelen Kameras (AE-1, A-1, F-1, F-1 New) und Blitzen mit Außenmessung (ohne TTL) brauchbare Bilder hingekriegt, vorwiegend mit manueller Einstellung, viel Probieren (Ergebnisse erst nach der Filmentwicklung) und breiter Streuung. Von der Fill-in-Funktion der heutigen Blitze war noch nichts zu spüren. Vielmehr ging es darum, eine einmal gefundene Kombination von Zeit, Blende und Blitzeinstellung sinnvoll zu wiederholen.
Heute ist alles viel bequemer, aber auch schwieriger. Um es abzukürzen: der Canon-Profitrainer und Canon-Guru Jürgen Denter hat mir (als Anhänger manueller Einstellung) in mehreren Workshops folgendes zu vermitteln versucht: Die modernen Canon Kamera sind voll auf Vollautomatik ausgellegt. Manuelle Eingriffe sind zwar machbar, aber nicht sinnvoll. Wenn schon Automatik, dann richtig. Ich habe das zuerst nicht glauben wollen und glaube es bei bestimmten Motiven teilweise auch heute noch nicht, doch meist stimmt es. Wenn man beim Blitzen manuell eingreift, geht mehr schief als dass es hilft.
Grundsätzlich sind die Canon-Kameras so ausgelegt: Bei Programmautomatik ("P") bildet der Blitz die Hauptbeleuchtung, bei Av und Tv ist das Umgebungslicht die Hauptbeleuchtung und der Blitz sorgt nur für ein dezentes Aufhellen der Schatten.
Entscheidend ist die Mindestentfernung und die Lage des AF-Feldes. Am Schärfepunkt wurden beide Belichtungen gemessen und gesteuert. Bei E-TTL war das ein Hauptpunkt, an dem sich die Haupt- und die Blitzbelichtung orientierten (Stichwort AIM-System), bei E-TTL II ist man davon abgegangen.Jetzt kommen auch noch Entfernungsangaben hinzu, um Über- oder Unterbelichtungen beispielsweise durch stark reflektierende Flächen zu unterbinden.
Eigentlich sorgt das System für ausgewogen belichtete Bilder, aber automatisch nur in einer der Automatiken, nicht bei manueller Kameraeinstellung. Dann müsstest du noch eventuell die FEL-Blitzmesswertspeicherung (siehe Anleitung) dazu benutzen.
Vielleicht hilft es auch, die automatische Messfeldwahl zu aktivieren, dann läuft die Gewichtung etwas anders als bei manueller Messfeldwahl.
Das ist ein weites Feld. So sehr ich dein Festhalten an manueller Einstellung nachvollziehen kann, beim Blitzen ist es nicht angebracht. Es macht nur Sinn, wenn du zum Beispiel Feuerwehrleute im Einsatz fotografierst, die extrem hell reflektierende Streifen an der Kleidung haben, die auch E-TTL nicht in den Griff bekommt. Bei solchen Einsätzen (und nur dann) stelle ich Kamera und Blitz auf manuelle Funktion und steuere den Blitz nach Leitzahl und Entfernung, damit keinerlei Reflexionen die Belichtung beeinflussen können.
Probiers doch mal mit Av oder Tv, notfalls den Blitz auf -2 Stufen.
LG, Thomas