technisch sind die Bilder sicherlich gelungen, aber irgendwie ist bei mir der Funken nicht übergesprungen. Ich bin zwar ein Fan von SW, aber hier... irgendwie kommt das Italienische Flair zwar vom Motiv her herüber, die SW Umsetzung passt aber, meiner Meinung nach nicht unbedingt. Irgendwie fehlen mir die härteren Kontraste, die ich sonst bei SW so schätze.
Ob es in Farbe besser passt, müsste man anschauen, aber weiche, sanfte Farbtöne wären ein Versuch wert.
Sorry, kann dir leider nicht genau sagen, was mir nicht so gefällt, aber vielleicht haben andere noch eine Idee.
Ich habe mir vor dem Hintergrund Deiner Gedanken die Bilder genauer angeschaut, noch genauer, als ich es sonst schon tue. Ich bin durchaus der Auffassung, daß SW hier genau richtig ist. Formen und Inhalte, vor allen Dingen die Menschen dominieren, die ablenkende Farbe tritt in den Hintergrund.
Die Bilder haben eine zeitlose Anmutung ebenso wie die von Brassaï und Cartier-Bresson.
Venedig in Farbe wäre eine ganz andere Herangehensweise, nicht Street im engeren Sinne, sondern Räume, Ambiente, Atmosphäre, die typische Morbidität Venedigs besonders bei weichem Licht an verregneten Tagen...
Was die Kamera angeht? Stimmt, die klassische Leica M wäre hier die perfekte Lösung, leise, unaufdringlich, mitten drin. Aber nicht die digitale, sondern die MP, bestückt mit einem Tri-X, plus ein 1.4/35er und ein 2/90er, die klassische Reporter-Ausrüstung also, keine objektiveigenen Effekte, sondern Photographie pur, die Gedanken des Photographen in Bilder übersetzt...
Das Street in Deutschland de fakto und de jure praktisch unmöglich ist, da sind wir uns wohl einig. Leider macht hier die deutsche Paragraphenwut einen ganzen Kunstzweig kaputt. Cartier-Bresson hätte sich heute die Abmahnungen gleich dutzendweise geholt...

Schade drum...!
"Street" in Deutschland heißt Konzentration auf das, was man "Lebensraum" nennt: Asphalt, Beton, Autos, der Mensch zur Nebensache degradiert, verwaschen, undeutlich, schemenhaft... So erzwingt ein idiotisches Gesetz eine neue photographische Sehweise... Letzteres ist ja nicht grundsätzlich schlecht, traurig ist nur, das dahinter staatlicher Zwang gegenüber Künstlern steckt... Natürlich kann man die Menschen ansprechen, habe ich auch schon gemacht (Reportage über Pflanzentauschmärkte), aber es ist nicht das gleiche. Die Unverkrampftheit, das Spontane, das ist weg. Die Leute setzen ihr Photographiergesicht auf und für längere Sessions, die auflockern, ist selten Zeit...
Gruß
Grauer Wolf
PS.: Was ich über Bruce Gilden denke, ist nicht öffentlichkeitsreif...
