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Warum überhaupt eine Contax Kamera?

Dickie

Rookie
Hallo,

ich muß gestehen, daß mich dieses Thema sehr interessiert hat. So sehr, daß ich erwogen habe, mich hier anzumelden und meine Sichtweise zum Thema Contax kund zu tun. Denn meine Beweggründe für Contax sind recht vielfältig, zudem habe ich hier auch Vieles gelesen, was meiner Ansicht nach bzgl. der Kameras (insbesondere RTS-Serie) nicht korrekt ist.

Doch ich möchte mich kurz einmal vorstellen, bevor ich zum eigentlichen Thema komme:
Ich bin seit über 20 Jahren Fotograf (Geselle) und Fotofachlaborant. Ich habe diese Berufe zu einer Zeit erlernt, als die ersten, digitalen Rückteile für Großbildkameras mit wenigen Megapixeln Auflösung von Herstellern wie Sinar, etc. in den großen Studios beworben wurden und SyQuest-Laufwerke noch das Nonplusultra der "Datenübertragung" darstellten :) Allerdings habe ich noch rein analog gelernt und auch viele Jahre so gearbeitet.
Nach einer kurzen beruflichen Umorientierung im naturwissenschaftlichen Bereich bin ich zur Fotografie (die mich immer privat und als ambitioniertes Hobby in dieser Zeit begleitet hat) beruflich zurückgekehrt. Ich betrachte sie jedoch nicht als reinen Lebenserwerbszweck, sondern als Leidenschaft und Ausdruck von Indiviualität und persönlicher Freiheit. So bin ich als freiberuflicher und künstlerischer Fotograf tätig ... und das rein analog!

Die Digitalfotografie hat mich, nach der ersten jugendlichen Begeisterung dafür am Anfang, nie wirklich interessiert. Ich möchte keine Diskussion über "Analog vs. Digital" lostreten, dennoch möchte ich erwähnen, daß die digitale Fotografie eine andere Art der Fotografie ist. So wie Aquarellmalerei eine andere Art der Malerei ist gegenüber z.B. Ölmalerei. Die analoge Fotografie ist für mich die begreifbare und greifbare Essenz der Fotografie, der "Lichtmalerei". Wenn das Licht die Seele der Fotografie ist, dann kann nur das Silber ihr adäquater Körper sein, der dem Ganzen Ausdruck verleiht.

Wie viele andere Fotografen, ob Amateure oder Profis, habe ich meine "Experimentier- und Technikphase" gehabt (und erfolgreich hinter mich gebracht). Unzählige Kameras wurden angeschafft und abgestoßen, Objektive ausprobiert, Material getestet und verglichen. Eine leidliche Phase, dennoch nicht gänzlich sinnlos.

Zu Anfang reichte eine Canon T70 von meinem Vater. Doch ich merkte nach einigen Jahren (ich war noch jung und Schüler), daß die T70 zwar irgendwie toll (weil erste Kamera) war aber irgendetwas fehlte ihr ... nicht in technischer Hinsicht.

Später kam eine selbst zusammengesparte und einfache Minolta X-300 dazu. Die T70 wurde abgestoßen (mein Vater wollte unbedingt Autofokus, also holte er sich eine EOS 600). Nach einigen Jahren "erbte" ich auch die EOS 600, da mein Vater keine Ambitionen mehr zur Fotografie hatte und die ersten kompakten Digitalkameras für seine Zwecke genau das richtige zu sein schienen. Mit der EOS 600 war mir auch klar, daß ich mir nie eine weitere Canon anschaffen würde.

Nach unzähligen Minoltas der X-Serie (X-300s, eine tolle X-700, XG-9, XG-M, etc.) wollte ich einfach mehr! Nikon kannte ich von meinen Berufskollegen in der Ausbildung (insbesondere die F-3), aber auch hier wurde ich nicht "warm". Nikon war ebenfalls nie ein Thema für mich. Ich mochte und mag sie nicht ... Punktum. Leica war das Thema! Edel, langlebig, höchste Qualität und einfach nur schön. Ich sparte, sparte, sparte und kaufte mir blindlings eine R-E mit Summicron 1:2/50 mm. Zugegeben: ich stand da schon vor dem Schaufenster des lokalen Fotohändlers und beäugte die Contax 167MT ... die war wesentlich fortschritllicher und besser ausgestattet ... dennoch: Leica R-E!

Nicht die einzige Leica, aber die, die mir die Augen geöffnet hat! Die Objektive waren einfach unbezahlbar, der Nimbus größer, als die Realität es zu bieten vermochte, das Sucherbild zwar hell, aber farblich eine Katastrophe (wen wundert es da, daß die Meßsucherkameras ungleich erfolgreicher waren und sind?), gerade letzteres war sehr störend, wenn man doch die tollen Mattscheiben von Minolta gewohnt war. Schnell merkte man, daß die tolle Qualität nicht immer so praxistauglich war, wie man es sich zunächst vorstellte. Und das läutete meine große Sammelphase ein.

So landete ich nach unzähligen alten Pentax (MX, Super A - toll!, K2), Minolta (zu viele, non-AF und fast alle AF-Modelle), Canon (jedoch nur A-1), Leica (R3 kam noch hinzu) uvm. bei der tollen Minolta Dynax 7! Als Restbestand nach der Einstellung des analogen Fotosektors von Minolta wurde diese Kamera geradezu verramscht, weswegen ich mir drei (!) Gehäuse zulegte. Resümee: tolle Kamera mit viel Elektronik, aber eine Kamera mit vielen haptischen und qualitativen Mängeln. Schwache Rückwandverriegelung aus Kunststoff (bricht schnell), unpräzise Tasten (vor allem die grausame Schaltwippe für die AF-Meßfeldwahl), ein Gehäuse wies ein werksseitig schief eingebautes Sucherprisma auf, weswegen das Bild im Sucher (nicht auf dem Foto per AF) unscharf war und zu Kopfschmerzen führte, zeitweise Ausfall eines Gehäuses im Betrieb, unpräziser AF bei zwei Gehäusen, etc. Schade! Auch eine tolle Minolta 9000 wies viele Mängel auf (obwohl wie neu und sehr wenig vom Vorbesitzer genutzt), von hakender Abblendtaste, unpräzisem Verschluß (besonders bei kurzen Verschlußzeiten), Bildstandsprobleme bei Motorbetrieb, etc.

So stand für mich nach einiger Zeit folgendes fest:

1. Ich brauche keinen Autofokus. Dieser ist für meine Arbeit oft hinderlich, als nützlich
2. ich verlange unabdingbare Qualität, auch im Detail! Vom Sucherbild, bis zum kleinsten Stellhebel oder Knopf.
3. ich benötige keine Superprogramme mit Shiftfunktion oder Motivanpassung
4. Matrixmessung ist obsolet, da sie nur bei AF wirklich Daseinsberechtigung hat, aber ansonsten nichts mehr oder besser kann
5. ich benötige keine ausgebuffte Blitzlichttechnik, da ich kaum Blitzlicht verwende und es ansonsten auch manuell erledigen kann
6. ich benötige kein Prestigeobjekt, sondern ein Werkzeug!

Das Konzept der "Real Time Photography" der RTS schien zu interessant. Ich muß zugeben, daß ich die RTS zunächst als "seltsam" und irgendwie nicht richtig betrachtete: Zeitenrad links, extra Belichtungsmessertaste vorn ... hm ... mal schauen. Und es war Liebe auf den ersten "Griff". Ich bekam günstig eine RTS mit einem supertollen Planar 1.4/50 mm! Die mir fehlenden Kleinigkeiten erfüllte dann die RTS II, die bis heute mein absoluter und einziger Favorit ist. Neben einer tollen 137 MA und einer Yashica FX-D mittlerweile meine einzige und hauptsächlich genutzte Kamera! Ich habe alles andere im Laufe der Jahre abgestoßen und mich voll und ganz auf diese Contax/Yashica Kameras eingelassen.

DSC02035.jpg

Der Grund? Sie haben alles, was man braucht. Sind so simpel und einfach zu bedienen, daß man schon fast erstaunt sein kann. Sie stören den kreativen, handwerklichen Prozess des Gestaltens und Fotografierens in keinster Weise, sondern unterstützen diese! Und das ist der eigentliche Sinn einer Kamera! Mittlerweile habe ich drei (!) RTS II Gehäuse (und stolz darauf, das ich sogar eines noch neu und originalverpackt ergattern konnte). Somit kann mich ein Ausfall eines Gehäuses im harten Fotoalltag nicht erschüttern. Sie sind robust und haptisch eine Offenbarung. Vor allem muß man bedenken, daß viele Details erst viel, viel später von Leitz übernommen wurden. Bedenkt man, daß Leica bis zur R7 noch keine Quartzsteuerung der Belichtungszeiten und Funktionen hatte und auch "nur" eine 1/100 sec Blitzsynchronzeit. Zudem finden sich an einer RTS II keine Kunststoffteile am Gehäuse (im Gegensatz zur Leica R, wenn auch hochwertige Kunststoffe eingesetzt werden). Der Sucher der RTS II ist fantastisch und ich mag die roten, alten LED-Anzeigen darüberhinaus sehr. Sie sind klar und deutlich bei jeder Lichtsituation ablesbar. Es lässt sich mit Mattscheibe und Mikroprismenfleck wunderbar präzise und schnell scharf stellen. Das Sucherbild ist hell und darüberhinaus nicht so kalt und überfarbstichig, wie bei Leica (was auch an der Goldbeschichtung der optischen Bauteile des Suchers liegt, zwecks höherer Helligkeit des Sucherbildes).

Die hier oft zitierte Anfälligkeit oder mangelnde Robustheit der RTS II kann ich nicht nachvollziehen. Weder Staub, Sand, strömender Platzregen (ohne Schutz), noch harte Schläge oder Stöße haben meine "Haupt-"RTS II aus der Ruhe gebracht. Das Bajonett hält auch ordentlich was aus, insbesondere, wenn man die Kamera mal am Teleobjektiv trägt und unachtsam irgendwo mit dem Gehäuse (am Türrahmen, etc.) anstößt. Da sah es u.a. bei Minolta schon anders aus. Von Canon ganz zu schweigen!

Eine RTS II hatte auch das Problem des leicht verrutschten Schwingspiegels. Ein bekanntes Problem, welches auch bei einigen Nikons und Pentaxen auftrat. Der Kleber wird im Laufe der Jahre weich und löst sich auf, weswegen der Spiegel nach unten rutscht. Das kostete mich, inkl. Justage des Spiegels und Reinigung des Suchers, bei einer bekannten feinmechanischen Fachwerkstatt 60,- €, um dieses Problem zu beheben.

Die RTS II ist eine unglaublich präzise Kamera! In Bezug auf die Belichtungsmessung, wie auch im besonderen Maße bei den Verschlußzeiten. Die Abweichungen meiner Gehäuse liegen selbst bei 1/2000 sec. bei maximal 12%!!! Das ist nicht einmal 1/6 Blende und somit völlig zu vernachlässigen. Die mittenbetonte Integralmessung ist praxisbezogen und liefert in fast 90% aller Fälle ordentliche Belichtungsergebnisse. In den anderen Fällen ist man mit Meßwertspeicher und Belichtungskorrektur perfekt ausgerüstet.

Kurzum: nach vielen Jahren der Suche und unzähligen Kameras, ist die RTS II genau das Werkzeug, welches meinen Wünschen vollkommen entspricht und dabei den emotionalen Wert und Bezug völlig erfüllt. Ich liebe diese Kamera einfach!

Die Yashica FX-D ist dabei auch eine tolle Kamera. Leicht, billig (ich habe sie sozusagen vor dem Recycling gerettet) und robust. Die 137 MA macht einfach Spaß ... sie liegt toll in der Hand und ist eine super Schnappschußkamera.

Einziges Manko, was eigentlich keines ist: 1/60 sek. Synchronzeit ist für Aufhellblitzen bei Tageslicht schlicht unbrauchbar. Ansonsten hat mich - auch in den wenigen Situationen, wo ich sie verwendet habe - die Blitzlichtfunktion nicht enttäuscht. Nicht so fortschrittlich, wie bei der Minolta 9000 (mit 1/250 sek.), dennoch mit Blitzverteiler und TTL-Messung mit drei TLA 30 wunderbar z.B. für die Portraitfotografie oder Table top.

Die Objektive von Carl Zeiss sind jedoch über jeden Zweifel erhaben (sieht man mal von den Zooms ab)! Die Canon AF-Objektive, wie auch die zahlreichen Sigmas (für Minolta AF) waren dagegen eine echte Katastrophe - ganz besonders mechanisch! Lediglich die alten Pentax SMC Objektive sind haptisch, wie optisch teilweise ebenbürtig. Auch einige Minolta MD Festbrennweiten sind durchaus nicht sichtbar schlechter. Hinsichtlich Farbwiedergabe und vor allem Schärfe (bei hohen Vergrößerungsmaßstäben und Stativeinsatz) sind die Zeiss Objektive jedoch erste Sahne!

Was mich auch erstaunt hat: viele Yashica ML-Objektive sind ebenfalls von überraschend hoher Qualität - optisch, wie mechanisch! Das 2.8/35 mm ML von Yashica ist tatsächlich ein wahres Sahnestückchen ... und dazu kaum beachtet! Gerade bei Brennweiten, die man sehr wenig einsetzt, bieten die Yashica Objektive durchaus brauchbare Qualitäten zu geringstem Preis.

Ich bin der Meinung, daß gerade jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg in die Contax-Fotografie ist. Die Kameras sind preiswert, hochwertig und die Objektive bezahlbar und das Beste, was man u.a. bekommen kann.

cu ...
Dickie
 

Pentaxburschi

Da fällt uns kein Titel mehr ein
Moin Dickie,

vielen Dank für die Erfahrungen, solche Liebe zum Werkzeug kann ich sehr gut verstehen, oft wird man von Neuerungen enttäuscht und landet wieder bei Bewährtem :daumenhoch_smilie:

:z04_bier01:
 

cgrille

Läuft öfters hier vorbei
Die Beurteilung der C/Y Objektive kann ich bestätigen, auch wenn ich diese an meiner A7 nutze. Ein Distagon 28mm (AE), ein Planar 85mm (MM), ein Yashica ML 50mm 1.4 und ML Zoom 28-85mm/3.5-4.5 gefallen mir sehr gut.
Einzig die Zahl der Blendenblätter der Yashica Festbrennweiten sind etwas sparsam ausgefallen
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin,

"Warum überhaupt eine Contax Kamera?" - Weil man CONTAX N-Objektive oft günstiger bekommt, als wenn man diese einzeln kauft!
Auf der Suche nach CONTAX-Angeboten, bin ich auf Euer Forum gestossen und obwohl viele Einträge bereits Jahre oder gar Dezennien auf dem Buckel haben, sind auch diese für mich noch interessant. - Warum?

Anno 1996 bekam ich eine Leica III, Baujahr 1939 geschenkt und begann mit der S/W-Photographie, legte mir nach und nach eine Laborausrüstung zu und bekam in meiner neuen Dunkelkammer eine Gänsehaut, als ich im schummerigen Rotlicht sah, wie mein erster 18x24-Print das Licht der Welt erblickte - das hatte ja überhaupt nichts mehr mit meinen vorherigen, gelegentlichen und bunten Knipsbildern aus dem Grosslabor zu tun.

Das Fieber stieg, die Ausrüstung wuchs und wechselte [ergänzte] sich: Canon A1 - Olympus OM 4 Ti - EOS 50 bis hin zur EOS 1V - dem letzten Canon Flagschif der analogen Ära.
Parallel dazu stiegen auch meine Ansprüche an die Motive: interessante Menschen und Situationen - Photogene Frauen mit und ohne - sowie Künstler, in erster Linie Musiker "on stage". Als Hobbyknipser wurde es aber umso schwieriger an diese Leute heranzukommen, je berühmter und besser diese waren und ins Konzert kam man damals mit 'ner Knipse erst garnicht rein. - Also wurde dem eigenen Computerladen noch eine eigene Presseagentur angegliedert und mit 'nem "richtigen" amtlichen Presseausweis und offizieller Akkreditierung klappte dies dann meist. Bei den Stones leider nicht, aber bei Barry White, Nena, den Lords, Suzie Quatro, Eric Burdon, Gerorgie Fame u.v.a. konnte ich ganz vorn meine Bilder machen.

Nachdem dann 2005 mit der Canon EOS-5D die erste digitale Vollformat-Spiegelreflexkamera bezahlbar wurde - und die Auftraggeber nunmehr auf digitaler Einlieferung bestanden, wechselte ich aus meinem Darkroom zu Lightroom. Drei Jahre später hiess mein Modell dann EOS D MK II - und als ich Ende 2009 einen Blues-Gig im Münchener Club Hide Out photographierte, hatte ich noch genügend Platz auf der Speicherkarte und drückte "spasshaber" mal den kleinen roten Knopf für Videoaufnahmen.

Als ich mir später am Rechner diese Full-HD-Footage ansah, traute ich menen Augen und Ohren nicht: Mit dieser Camera war es tatsächlich erstmals möglich cinematographisch zu filmen, ohne gleich 250.000 USD je Camera-Unit auszugeben. Für lächerliche 5.000 $ bis10.000 $ wurde das Kinofilmen plötzlich für Jedermann möglich und auch die TV-Sender schwenkten für Reportagen schnell auf diese Schiene um. Kaum ein Musikvideo wurde nach 2010 NICHT mit dieser Camera produziert.

Leider war es damals aber noch kaum möglich CONTAX C/Y-Objektive hierbei einzusetzen und die Zeiss Cine-Prime-Lenses waren jeweils sechsstellige Investitionen.
Aber schon im Dezember 2015 gab es mit dem Erscheinen derspiegellosen Sony Alpha 7S II den nächsten Knall im Profi-Lager - jetzt war sogar filmen in 2K und kinotauglichem 4K-Recording möglich - und das Allerbeste war das Bajonett-Auflagemass von lediglich 18mm!

Fortan konnte somit fast jedes beliebige "Altglas" adaptiert werden - also auch die excellenten CONTAX C/Y-Objektive für manuellen Follow-Focus - und da diese optisch meist baugleich mit den Zeiss-Cine-Lenses waren, gebraucht jedoch weniger als ein Zehntel davon kosteten, begann zügig "der Grosse Run" auf dieses Altglas bei explodierenden Preisen für viele Prime-Lenses.

Ich hatte viel Glück und konnte mir nach und nach ein Set von neun noch bezahlbaren Contax-Zeiss Festbrennweiten mit C/Y-Bayonett ergattern.

Mehr zufällig wurde ich in den letzten Wochen nun auch auf die Contax-Zeiss-Objektive mit AF N-Mount aufmerksam und konnte feststellen, dass diese einen absoluten Höhepunkt der Objektivbaukunst darstellen und derzeit in Fernost nagelneu bzw. "mint" und für'n Appel und 'n Ei [relativ] zu haben sind.

Für dieses Bayonett gibt es einen rein manuellen Adapter mit manueller Iris für Sony E-Mount von Fotodiox - Preis unter hundert Euro, sowie drei vollelketronische - z.B. den Metabones Contax N Lens to Sony E-mount Smart Adapter (MB-CN-E-BT1) für 399 USD, für den ich mich entschieden habe, da sämtliche Blenden- und Fokusfunktionen [inl. tracking] meiner Sony A7 RII unterstützt werden. Das Irre daran ist, dass der Autofokus mit der Sony gefühlt deutlich schneller ist, als an der original Contax N1.

Die Leistungen, selbst der Zoomobjektive, stellen sogar viele - wenn nicht die meisten - modernen Objektive in den Schatten, zumal sie 2001- 2005 bereits für den digitalen Vollformatsensor der N1-Digital gerechnet sind!

Mein N-Mount Setup heute:
- Vario-Sonnar T* 2,8/17–35 mm - es ist aus sieben Linsen in sechs Gruppen aufgebaut und hat einen Ultraschallmotor
- Vario-Sonnar T* 3,5–4,5/24–85 mm - es verfügt über einen Ultraschallmotor und besteht aus 14 Linsen in zwölf Gruppen
- Vario-Sonnar T* 4,0–5,6/70–300 mm - es handelt sich um eine sehr aufwändige Konstruktion mit 16 Linsen in elf Gruppen und einem Ultraschallmotor
- Makro-Sonnar T* 2,8/100 mm 1:1 - mit zwölf Linsen in acht Gruppen, Gleichstrommotor fokussiert, in die laufende Fokussierung kann eingegriffen werden
Jedes der drei Vario-Sonnare liefert in allen Bereichen die Leistung der korrespondierenden Festbrennweiten und das Makro-Sonnar stellt in Tests sämtiche Mitbewerber in den Schatten. [ siehe z.B. hier:
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]
Die beiden N-Primes Planar T* 1,4/50 mm und T* 1,4/85 mm sind derzeit leider NICHT unter 1.000 bzw. 1400 Euro zu finden und müssen deshalb noch etwas auf mich warten.
Meine vier N-Objektive kosteten mich - anders als heute die manuellen C/Y-Primes - lediglich 15% -25 % des ehemaligen Neupreises.

Zur Information hänge ich hier mal eine Endverbraucherpreisliste für das Contax N-System und die Objektive von 2002 an. Die Euro-Preise kann man - kurz nach dessen Einführung - getrost mit zwei multiplizieren um den DM-Wert dieser Objektive zu realisieren.

WARUM NICHT GLEICH "MODERNE" ZEISS/SONY OBJEKZIVE KAUFEN ?

Erst als ich an meiner Sony A7 RII mit 42 Megapixel die Schärfeleistung meines edlen "Sony Zeiss Vario-Tessar T* FE 24 - 70mm / f4 ZA OSS" überprüfte, fiel ich aus allen Wolken und stellte damals für mich persönlich fest: Sony is eine grooosse Elektronik-Butze, kann aber KEINE Objektive bauen - auch wen ein Zeiss-Bepper draufklebt.
Inzwischen baut Sony mit den GM-II tolle Objektive - aber wohl nur, weil jetzt in jedem Objektiv individuelle Daten und in der Camera die "allgemeinen Objektivdaten" gespeichert sind.

Anders Uschold der weltweit gefragte Experte für Digitalfotografie stellte bereits bei den Vorgängerobjektiven fest, dass diese scheinbar keinerlei Vignettierungen oder Distorsionen mehr aufweisen - selbst in extremen Weitwinkelbereichen scheinen sie nahezu vollkommen auskorrigiert zu sein. Stutzig wurde Uschold aber, als er mit seinen aufwändigen Messeinrichtungen feststellte, dass selbst in den RAW-Dateien das Rauschen in den Ecken und Randbereichen deutlich zunimmt.
Des Rätsels Lösung war für ihn sehr einfach: bereits die RAW-Bilder werden von der Camera-Software- a la Photoshop und Lightroom - korrigiert und die KI in den neuesten Modellen sorgt heimlich für das intelligente Nachschärfen der Randzonen, beseitigt die chromatische Aberration und hat - wie die aktuelken Handys - weitere Tricks zur "Bildverbesserung" auf Lager.

Aber es kommt ja noch schlimmer: Da in Jedweder Fertigungslinie sich die Toleranzen addieren, war es frher die heilige Aufgabe einer Endabnahmeprüfung, fehlerhafte Objektive nachträglich zu korrigieren und neu zu zentrieren. [Wurde und wird bei Zeiss so gehandhabt.] Da eine derartige, konsequente Qualitätssicherung ordentlich ins Geld geht, könnte jemand ja mal auf die Idee gekommen sein, die Abweichungen eines jeden einzelnen Objektivs in dessen eigenen Speicher zu hinterlegen und sie in Richtung Camera zu melden.
Die immer leistungsfähiger werdende KI der Camera-CPUs ersetzt dann die manuelle Nacharbeitung und vermeidet Ausschuss. Das wäre wie zusätzliches Geld drucken.
Dies näher zu untersuchen und zu veröfentlichen, bleibt unabhängigen Fachleuten und Journalisten überlassen - so es diese überhaupt noch gibt.

Ich persönlich traue KEINEm der "Influenzer"mehr, die sich zu Dutzenden auf Youtube herumtreiben und die neuesten Objektive [und Cameras] ihrer Lieblingsmarke ob ihrer wahren Wunderleistungen hinsichtlich deren Abbildungsqualität über den grünen Klee loben. Die oben aufgezeigten Möglichkeiten implizieren ja sogar die Option, dass als "Fremdobjektiv" erkannte Mitbewerbsprodukte [gemäss EU-Recht] zwar kompatibel bleiben, aber dass dann vielleicht das Maximum ihrer Leistung nicht mehr den Weg vom Sensor über den Prozessor bis in das RAW-File schafft. - Honi soit qui mal y pense!

Meine "alten" N-Mount-Objektive zeigen - auch ohne integrierten Fehlerspeicher - durchweg keine oder nur minimalste Abbildungsfehler der oben beschriebenen Art am Sony-Sensor, und mit der N1 auch nicht auf analogem Filmmaterial - zumal dieses einen Fehlerspeicher schlichtweh ignorieren würde. Und die wenigen verbleibenden Korrekturen erledige ich bei Bedarf und nur ganz gezielt in LR, PS oder Capture One.

Ich vertrete deshalb die Ansicht, dass Sie auch heute auf dem Neuwarenmarkt kaum "bessere" Objektive finden können, als die guten "alten" Zeiss Contax C/Y, geschweige denn bessere als die N-Mount Objektive finden werden. Die neuesten Carl Zeiss Objektive aus Oberkochen vielleicht mal ausgenommen - aber dies ist eine andere Geschichte und auch hier setzt das Zeiss-Management heute möglicherweise "modernere" Masstäbe an.

Ich hoffe, dass ich den Einen oder Anderen hier animieren konnte, sich mit dem inzwischen wieder hochaktuellen "Altgläsern" aus der legendären Zeiss-Contax-Ära zu befassen, oder besser noch mit diesen zu photographieren und zu filmen. - Es lohnt sich!


Mit den besten Grüssen aus Stuttgart-West
Bernd D. Behnk

P.S. hier mal ein Link zu einer meiner Videoproduktionen:
 

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