Ich denke es hat bei dieser Art Fotos zu liefern sicherlich mit Proffesionalität zu tun, nur eben auf eine menschlich völlig abgestumpfte Weise, die ich nicht nachvollziehen kann.
Hmmm, jetzt begehst Du einen Denkfehler. Jemand der emotional völlig abgestumpft ist, könnte ein solches Bild überhaupt nicht machen, denn die von mir angemerkte Visualisierung ist ein emotionaler Prozeß, kein intellektueller. Zur Professionalität gehört, das Geschehen nur bis zu einem gewissen Maß an sich heranzulassen, gerade so weit, wie es der Job erlaubt. Den schon genannten Ärzten, Feuerwehrleuten, Polizisten, Katastrophenhelfern usw. usf. geht es nicht anderes. Sie brauchen Mitgefühl, um sich für diesen Job zu entscheiden und ihn zu machen, aber sie würden durchdrehen, emotional zerbrechen, wenn sie die Geschehnisse zu nahe an sich heranlassen.
Lee5 schrieb:
Hat hierbei schon einmal jemand an die Hinterbliebenen gedacht, die solchen "Bilddokumenten" ausgesetzt sind ?
In Mitteleuropa traut sich wohl niemand so derart drastische Bilder zu veröffentlichen, wäre so ein Unglück hier passiert -warum nur .....
Weil hierzulande der Tod gerne verdrängt wird, weil es "politisch unkorrekt" ist, ihn zu zeigen, weil man nicht gerne mit der Nase drauf gestoßen wird. Die Toten sind jenseits unseres Mitleides, und wenn Bilder wie das gezeigte bewirken, daß sich in Bangladesh in puncto Arbeitssicherheit was bewegt, dann dürfte das durchaus im Sinne der Hinterbliebenen sein. Imho ist das Bild nicht einmal das, was man "drastisch" nennen könnte, nicht sensationsheischend, sondern eher eine fast stille, melancholische Mahnung, was zu tun, aktiv zu werden, damit sich solche Geschehnisse tunlichst nicht wiederholen. Gerade in der zurückhaltenden (sic!) Darstellung liegt das "wortgewaltige" in diesem Bild.
Das ist jetzt nur ein Einzelbild, um das sich unsere Diskussion dreht. Aber schau Dir z.B. mal die HP von James Nachtwey an. Er ist einer der Mahner mit der Kamera, dessen Bilder bewegen können, eben weil sie Elend und Leid fast künstlerisch erhöhen. Primitive Sensationsphotos sehen nun wirklich anderes aus...
"I have been a witness, and these pictures are
my testimony. The events I have recorded should
not be forgotten and must not be repeated."
-James Nachtwey-
Der gleiche Grundtenor wie bei dem o. gezeigten Bild...
orni100 schrieb:
Wollt ihr denn wirklich morgen in der Welt-Presse in aller Brutalität sehen (auf eine genauere Darstellung verzichte ich jetzt gerne) wie eine Indische Frau von 5 Männern brutalst vergewaltigt und dann aus dem Bus geschmissen wird?? Ich nicht!!!
Das will kein Mensch und ich habe von den weltbekannten Bildjournalisten auch noch kein Bild in dieser Hinsicht gesehen. Zur Verantwortung des seriösen Bildjournalisten gehört auch, zu erkennen, wann man im Begriff ist ,eine gewisse Grenze zu überschreiten. Es ist ein Tanz auf dem schmalen Grat eines emotionellen Vulkans und die Virituosität, mit der dieser Tanz mit der Kamera geführt wird, zeigt den wahren Meister des Bildjournalismus, deren es nicht viele gibt. Worte sind in ein paar Tagen, Monaten, allenfalls wenigen Jahren vergessen. Bilder wie die von James Nachtwey, Nick Út oder eben auch Taslima Akhter bleiben über
Jahrzehnte im Gedächtnis:
Ich vergesse
niemals ein Bild, das mich emotional berührt hat, so auch dieses nicht!
Gruß
Wolf