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Philosophische Ecke

Hallo Opo,

wie schon erwähnt Badener, auch wenn man hier unten am See die Schwaben gerne mal etwas hochnihmt, hat man sie trotzdem irgendwie gern.

Intersanterweise sind hier doch einige im Süden der Republik angesiedelt, was ja ein Forumtreffen im "wilden Süden" durchaus möglich erscheinen lässt.

Gruß vom sonnigen Bodensee

Klaus
 
Hallo Westfalen,

ich bin aus eurem Land vor 35 Jahren ausgewandert und bin seit 20 Jahren Rheinland-Pfälzer.

Gruß aus dem Kannenbäckerland im Westerwald
Jochen
 
Hallo Freunde!
Ich habe bisher zu verschiedenen Threads Beiträge geleistet, hier in der "Philosophischen Ecke" jedoch noch nichts beigetragen. Vielmehr habe ich es vorgezogen, eure Statements zu lesen und meine Gedanken dazu für mich zu behalten.
Heute möchte ich jedoch auch einige Gedanke und Eindrücke zum besten geben, in der Hoffnung, sie können die Philosophische Ecke ein wenig bereichern.
Ich komme aus der gerade eröffneten Retrospektive des Altmeisters und Leica-Fotografen Henri Cartier Bresson. Sie läuft im Berliner Gropius Bau bis Anfang August.
Um es vorweg zu nehmen: Ich ging voller Neugier rein und kam voller Demut wieder raus.
Was hatte ich gesehen? Ein Meisterwerk neben dem anderen, eine ganze Etage des Museums füllend, über 600 Exponate. Fotos, von denen ich mir wünschen würde, auch nur eines davon selber geschossen zu haben! Jedes Bild zog mich in sich hinein, erzählte eine Geschichte, berührte. Und während ich durch die einzelnen Ausstellungsräume schlenderte und staunte, musste ich an unsere Diskussionen hier im Leica Forum denken. Plötzlich erschienen mir die Aspekte wie MTF-Kurven, Auflösungsvermögen, Kontrastverhalten etc. völlig belanglos. Mir wurde klar, dass wir alle hier, die wir eine oder mehrere Leicas besitzen, über Technik und Qualität auf so hohem Niveau verfügen, dass ein "Gerede" darüber – eigentlich – völlig überflüssig wäre. Wir reden wohl auch eher darüber, weil es irgendwie Spaß macht, drüber zu fachsimpeln, als aus dem Grund, dass es wirklich ernsthaft für die Fotografie wichtig wäre.
Wenn Henri Cartier Bresson, den ich, wäre ich katholisch, sofort zum Papst der Photographen wählen würde, sagt: "Ich habe mich nie für Photographie interessiert", dann ist das für Menschen, deren Hobby das ist, zunächst wie ein Schlag ins Gesicht. Eine Provokation, die nachdenklich macht. Mich jedenfalls hat sie sehr nachdenklich gemacht.
Und es dämmert mir, dass wir uns irgendwann an einem Scheidepunkt befinden, ob wir die Photographie lieben und ihre Schöpfungen wollen oder uns an das Werkzeug resp. die Fototechnik klammern. Ich versteige mich nach dem heutigen Tage sogar zu der frevelhaften Behauptung, dass das eine das andere ausschließt.
Der gute alte Henri, heute über 90 Jahre alt und immer noch schöpferisch aktiv, hat sein ganzes Leben mit einer M-Leica fotografiert. Und er hat sie über die vielen Jahrzehnte seines Photographenlebens nie aus der Hand gelegt. Sie war immer(!) dabei. Besonders interessant finde ich – und hier mache ich doch noch mal einen Schlenker zu unseren Brennweiten-Diskussionen – dass er die meisten seiner über 600 ausgestellten Meisterwerke mit einem 50mm-Objektiv geschossen hat. HCB hat sich nicht mit Technik belastet, er hat sich aufs Sehen konzentriert. Aufs Beobachten und das Warten auf "den entscheidenden Augenblick". Die Suche nach genau diesem Moment hat ihn sein Leben lang umgetrieben. Zitat "Ich lief den ganzen Tag angespannt herum und suchte in den Straßen nach einer Gelegenheit, Photos aus dem Leben zu greifen, wie auf frischer Tat ertappt".
Ich erinnerte mich auch an unsere Forumsbeiträge zum Thema Schnappschuss und Streetfotografie. Wie machte es HCB? Leicht beschwingt, auf den Zehenspitzen, die Leica in der Hand verborgen, schweigend und unsichtbar war er unterwegs. Er fragte nie.
Folgendes Zitat eines Kritikers fand ich im Ausstellungskatalog: "In der Photographie – speziell mit der Kleinbildkamera und dabei wiederum insbesondere in der Personenphotographie – drückt sich Intellekt durch Instinkt aus. Zeit zum Überlegen gibt es nicht. Deshalb brillieren die meisten Photographen nur dort, wo sie zu Hause sind, wo eine Stimmung, ein Blick, eine Geste, ein Zusammentreffen sofort erkannt und der Augenblick festgehalten wird. – Cartier Bresson war überall zu Hause."

Ich möchte meinen Ausflug in die philosophischen Überlegungen hiermit beschließen, wünsche uns allen, dass wir noch viele entscheidende Augenblicke entdecken und auch festzuhalten vermögen. Vielleicht konnte ich ja auch den einen oder anderen von euch ein wenig dazu motivieren, die kleine Ausrüstung immer dabei zu haben und öfter mit wachem Blick auf der Lauer zu liegen. Ich glaube, für mich persönlich zeigt das zuvor Gesagte jetzt schon Wirkung. ;-) Euen allen wünsche ich einen schönen Abend und allzeit die schussbereite Leica in der Hand! Gruß aus Berlin, Peter
 
Hallo Peter,

danke für den tollen Bericht, ganz toll zum Lesen. Demut bei der Betrachtung von Bildern befällt mich schon lange nicht mehr, es sei denn es sind die eigenen...

Manchmal fragt man sich schon, wie macht der das, das Equipment ist doch das gleiche. Aber Eric Clapton klingt ja schließlich auch auf jeder Gitarre gleich, man muß einfach seinen eigenen Stil versuchen zu entwicklen, dann wird das schon. Ich versuche es zumindest, mal schauen ob es irgendwann mal was wird :)

Gruß vom Bodensee

Klaus
 
Hallo Peter,

vielen Dank für deinen schönen Beitrag. Ich kann deine Demut verstehen. Ich bin auch deiner Überzeugung, dass wir viel zu wenig über Fotografie sprechen. Ich teile allerdings deine Meinung nicht, dass die Technik in Anbetracht dieser Meisterwerke völlig unwichtig wird.

Ich habe mich bisher noch nicht klar über meine berufliche Tätigkeit geäußert, halte es aber jetzt für angebracht. Ich bin Professor an einer Fachhochschule und bin für die Ausbildung von Keramik-Ingenieuren zuständig (mein Hauptfach ist "Strukturkeramik" [Keramik im Maschinenbau]). Damit habe ich hauptamtlich zunächst nur mit Technik zu tun. Ich hatte aber seit meiner Jugendzeit einen sehr stark ausgeprägten Hang zur Kunst, was man an meiner einzig wirklich positiven Abiturnote (1) in Kunst auch erkennen kann. Meine künstlerische Ader hatten offensichtlich auch meine Kollegen vom im gleichen Ort befindlichen, auch zur FH gehörenden Institut für "Künstlerische Keramik und Glas" erkannt, die mich als Prüfer für die "Kunstgeschichte" und die Abschlussarbeiten der Künstler akzeptieren. Diese Prüfungen sind natürlich ganz anders als meine Prüfungen bezüglich der keramischen Technik.

Ich habe zu differenzieren gelernt. Für mich schließt die Kunst die Technik nicht aus und umgekehrt geanau so wenig. Damit haben beide scheinbar nicht miteinander zu vereinbarende Fachgebiete Kunst und Technik für mich ihre gleichberechtigte Daseinsberechtigung.

Gruß Jochen
 
Lieber Klaus und lieber Jochen, ich danke euch für das Lob. Es war mir ein Bedürfnis, mal ein wenig stärker in diese Richtung zu laut denken. -

Lieber Jochen, vielleicht habe ich mich mißverständlich ausgedrückt. Keinesfalls möchte ich behaupten, dass Techniker nicht künstlerisch unterwegs sein können. Im Gegenteil, ich denke, für viele ist die Kunst oder eine andere Muse ein willkommener Ausgleich zum beruflichen Alltag, eben weil sie ganz anders ist! ABER: Wenn ich an ein Thema wie die Photographie heran gehe, sei es aus Leidenschaft oder aus Profession, dann wird sich früher oder später zeigen, dass ich mich einer "Fraktion" zugehörig fühle.
Ich finde, man spürt es auch in unseren Diskussionen und den Interessenschwerpunkten im Forum. Manch einer sucht Sicherheit und Bestätigung seiner Kaufentscheidung durch Testberichte und durch die Meinung anderer (Ursache ist die kognitive Dissonanz, wie es der Marketingprofessor Kroeber-Riehl nennt), ein anderer findet in seinem Streben nach Erlesenem und/oder technischer Perfektion in LEICA z.B. die richtige "Heimat" und wieder ein anderer will sich nur optimal ausrüsten, um dann frei von Zweifeln und frei von technischen Unzulänglichkeiten mit gutem Gefühl auf die Fotopirsch zu begeben. Ich habe für mich persönlich alles erlebt und durchlebt. Ich weiß heute, dass wir als Leica-Besitzer und Leica Freunde mit einem hehren Anspruch unterwegs sind. Ich weiß, dass meine Ausrüstung den höchsten Ansprüchen gerecht zu werden vermag. Aber ich wünschte mir jetzt, neben einem Schrank voller Leica-Zeugs sitzend, etwas ganz anderes. Nämlich, dass auch einige meiner Fotos wenigstens ab und an diesen staunenden Blick hervorrufen, denn ich bei vielen Besuchern der Ausstellung gesehen habe. Mit anderen Worten: Die Bedeutung der Technik schwindet für mich zugunsten etwas ungleich Faszinierenderem. Der Jagd nach dem entscheidenden Augenblick. Verstehst du, was ich meine?
 
Ja, lieber Peter, das verstehe ich sehr gut. Es ist sehr schade, dass ich am vergangenen Wochende nicht in der Ausstellung war, obwohl ich ausnahmsweise und nach langer Abwesenheit wieder einmal in Berlin war. Vielleicht oder sogar wahrschienlich hätte ich ähnlich empfunden wie du jetzt.

Gruß aus dem wesentlich langweiligeren Westerwald
Jochen
 
Hallo Peter,
Du sprichst mir aus der Seele. Ich kann mich zwar auch stundenlang mit bestimmten technischen Aspekten befassen und es macht auch Spass (allerdings nicht gerade Steuerkurven. Davon verstehe ich nix);
aber was mich letztendlich immer wieder auf die Strasse treibt ist der Wunsch, etwas bestimmtes einzufangen, was man manchmal auf den Bildern von z.B. Cartier-Bresson u.a. sieht, und noch seltener auf eigenen. Eine bestimmte Stimmung, ein gewisses Licht, einen Eindruck, der bleibt...

Gruesse, stefan
 
Ich sag erst mal Hallo,
Und eine schöne Woche.

.....Plötzlich erschienen mir die Aspekte wie MTF-Kurven,
Auflösungsvermögen, Kontrastverhalten etc. völlig belanglos......

Kommt mir irgendwie bekannt vor :)) (siehe unter Beiträge zur Galerie )

Damit die M6 funktioniert, braucht es Technik. Damit brauchbare Bilder auf den Film gebannt werden braucht es Technik in Form passabler Optiken. Das ist dann auch schon alles. Wie die Technik und warum funktioniert, interessiert mich nicht besonders. Vielleicht sind dies meine Gemeinsamkeiten mit HCB und die Vorliebe des 50er an meiner M, doch sind dies eigene Erkenntnisse zur Technik (Objektiv) und meine persönliche Entwicklung zum eigenen Bild, die sich so ergeben hat weil ich merkte welche Art Bilder mir gefallen und das mir das eine oder andere Bild in diese Richtung gelungen ist.
Es freut mich sehr Peter, daß Du hier Deine Gedanken dazu ausgesprochen hast, die ganz nah an meinen Empfindungen liegen.
In diesem Sinne mache jeder die Bilder, die Ihm am Herzen liegen. Einen Fotografen, und sei er noch so berühmt, zu kopieren gelingt nicht. Wenn sein Schaffen (z.B. HCB) aber zum anregen reizt ist schon viel erreicht.
Gut Licht
Jörg
 
Hallo alle,
ein guter Gesprächsfaden, der mir sehr aus dem Herzen spricht. Deshalb hier mein Senf dazu:

1. ich glaube nicht, dass die Technik-Freaks sich nun ausgerechnet in der Leica-Gemeinde ansammeln, wer heiß auf Technik als Selbstzweck ist, hat doch an einer Canon oder Nikon wahrscheinlich mehr Spaß, da kann man dann auch noch die Geschwindigkeit des Autofokus oder die Zahl der Felder für die Mehrfeldmessung diskutieren und endlose Abhandlungen über die tollen und wichtigen Motivprogramme lesen und schreiben...

2. Wer erst einmal eine Leica haben will oder bereits besitzt und sich mit anderen darüber austauscht, der hat natürlich auch praktische technische Fragen (welches Objektiv besser für welchen Zweck, bester Film, etc.), damit negiert man noch nicht, dass man die Kamera hat, um sich auf die Jagd nach "dem guten Bild" zu begeben.

3. Ich hatte es schon irgendwo geschrieben: Natürlich machen die ganz großartigen Bilder, es müssen gar nicht die von HCB oder S. Saldago sein, demütig, wenn man weiß, wie flüchtig die Augenblicke sind, die dort eingefangen wurden. Das mag den einen entmutigen, den anderen anspornen. Erstere sollten sich eine Galerienjahreskarte und viele tolle Bildbände kaufen, letztere eine wirklich gute Kamera (na, was wohl für eine?)
Ich habe nun weit über 10.000 Bilder gemacht, davon tausende bloß mit exotischen Pflanzen (bin Botaniker), einige Tausend von der Familie, die "berühmten" Weihnachts-, Urlaubs-, Geburtstags- und Ausflugsbilder. Dabei habe ich mich zwar oft bemüht, ein schönes, scharfes und gut aufgebautes Bild zu machen, aber für Galerien sind sie irgendwie alle nichts...
Bei den auch schon beachtlich vielen Bildern, bei denen ich einfach ein gutes Bild machen wollte (Landschaft im Nebel, Dresden Altstadt kurz nach der Wende, Natur und Architektur usw.) habe ich meistens gemerkt, dass mich die (unzureichende) Technik einschränkte. Die Belichtung bei schwierigen Situationen und die Schärfe waren oft nicht so toll, wie ich beim Blick durch den Sucher gehofft hatte. So manches interessante und großartige Bild hatte ich mit dem verinnerlichten Sucherblick zwar gesehen, aber mit der alten M42-Porst gar nicht erst zu machen versucht. Vor allem die Bildqualität bei weit geöffneter Blende und Randschärfe sowie Kontrast beim Tokina-24er Weitwinkel sind weit hinter dem, was meine R5 auf den Film zaubert.

4. Und jetzt kommt´s: Dann hast du endlich die Kamera, die du immer wolltest, das Werkzeug der Werkzeuge, mit der du auch großartige Bilder machen kannst und willst. Und im Hinterkopf schwirren die Bilder von Romy Schneider, die müde lächelnd im Straßencafe am Fenster sitzt, oder der gähnende Eisbär vor der gigantischen Polarlandschaft. Und dann schnappst du dir deine M oder R und läufst durch Stuttgart, oder Friedrichshaven, oder Hannover und suchst das „gute Bild“. Das kannst du dort zwar auch finden, aber es kostet viel Zeit, der richtige Augenblick, die richtigen Gesichter, das passende Licht warten nicht unbedingt während meiner Mittagspause in der Stuttgarter Innenstadt auf mich. Auch lässt die 40-Stundenwoche immer nur ein paar Stunden hier und da für die Fotopirsch übrig. Und die Dienstreisen in interessante Städte und ferne Länder sind selten und kurz und die Familie mault (zurecht), wenn man im Urlaub nur fotografieren will. Deshalb dauert es eben lange, bis man die Handvoll Bilder beisammen hat, die man dann mit Stolz betrachtet und anderen zeigen möchte. Und für die spielte, wie Ihr richtig sagt, die Technik dann fast keine Rolle mehr im Bewusstsein, nur der Blick auf die möglichen Motive und das Warten und Lauern.
Und diese lange Zeit kann man doch auch schön mit dem Blättern in der LFI und dem Schwelgen über die vielen siegreichen Tests der Leicas etc. verbringen…
Und das Gemeinste ist: So ein richtig irres Bild kann auch schon mal mit einer Billigkamera entstanden sein...
Gruß erst mal aus dem wolkenlosen Stuttgart,
Nils
 
@Admins
Gut finde ich die Einrichtung einer Rubrik "off Topics". Diskreditierend finde ich, unsere "Philosophische Ecke" unter "Small Talk" suchen zu müssen!!! Im Gegenteil halte ich die (Leica-) Philosophie für das Herz des gesamten Forums. Auch wenn nicht in jedem Statement das Wort Philosphie vorkommt, sind doch unser aller Gedanken rund um das Fotografieren für jeden das Hauptmotiv, hier überhaupt aktiv zu werden. Verkauft deshalb die "Ecke" nicht unter Wert, schon gar nicht als Smalltalk! :)
 
Hallo Peter,

das Verschieben in diesen Chat-off topic Bereich ist keine inhaltliche Bewertung sondern dient der besseren Übersichtlichkeit auch für später dazustossende Mitglieder.

Wir wollen mit dieser Rubrik auch das Kommunizieren ausserhalb der reinen Technikdiskussion fördern. Deswegen ja auch die Fotothemenrubriken innerhalb des Forums, die ja auch neu hinzugekommen sind.

Das bedeutet aber nicht, daß dieser Bereich weniger anspruchvoll ist.
 
Hallo allerseits,
habe mit Bestürzung festgestellt, dass das Forum in diesen Tagen einzuschlafen droht. Kaum neue Beiträge. Daher möchte ich mal wieder eine neue, hoffentlich lebhafte Diskussion entfachen.
Anlass ist für mich eine kontroverse Auseinandersetzung mit Bildern in der Galerie, Rubrik Tiere. Hier sind Fotos zu betrachten, die einige für völligen Schrott halten, andere wiederum als neue Sichtweise a la W. Eggleston interpretieren. - Meine Frage an euch: Wann haltet ihr ein Foto für gut, schlecht oder für Kunst? Bin ja mal gespannt! :)
 
dann will ich mal.
Am besten ich beginne mit einem beliebten Spruch "meines" Professors (Ulrich Mack):
...Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen hieße es Wullst.. soweit das Zitat.
Ein andere schlauer Kopf sprach auch davon, daß Kunst im Auge des Betrachters entsteht. Da kommen wir der Sache schon etwas näher. Doch sind wir dann immer noch im individuellen Segment.

Kunst ist erst Mal alles für mich, was von Menschenhand erschaffen wurde, auch die (für mich) unsäglichen Skupturen und Plastiken eines Arno Breker. Antike Kunst oder die Kunst "alter" Meister bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erfreuen sich der Zustimmung einer breiten Masse. Ab den Ex- und Impressionisten scheiden sich schon die Wege, Kubismus, Dadaismus fordern schon den Intellekt. Dem mag sich nicht jeder unterordnen. Ganz dramatisch wird es, wenn für ein Bild, das nur eine gleichmäßige farbige Fläche hat, eine riesige Summe bezahlt wird. Ist es dann Kunst? mindestens in dem Maße, das der Künstler es geschafft hat sein Bild mit diesem Geldbetrag zu verkaufen :)
Was Kunst ist, wird oft von namhaften Kritikern oder von Leuten propagiert, denen man unterstellt, sie wissen wovon sie sprechen. Dann wird es brav in Presse, Funk und Fernsehen verbreitet und irrgendwann glaubt es die Mehrheit. Ist es dann Kunst? Wird so aus einem Filzanzug an der Wand oder Fett in der Ecke Kunst?
Ist William Eggleston ein großer zeitgenösschischer Fotograf, weil er einen Bekannten im MoMa in NY hat, der erstmalig seine Bilder zeigte? ja, vielleicht.
Habe ich keine Ahnung vom Fotografieren weil ich noch nie einen Preis oder eine Auszeichnung beim DVF gewann? wo mir doch Zuspruch von allen Seiten aus meinem Bekanntenkreis zu Teil wird. Von Leuten denen ich ein Urteilsvermögen zubillige, (z.B. Artdirektoren, Drucker, Lehrer an Kunstschulen)also Leute, die ständig mit Bildern im Beruf zu tun haben.
Und wann halte ich ein Foto für gut? wenn es mich emotional anspricht, egal was auf dem Bild zu sehen ist, dann kann es auch ein dümmlich grinsender "Köter" sein.
Mit Kunst der Malerei und Bildhauerei verhält es sich genauso.
Auf der anderen Seite gehe ich nicht so weit, das was mir nicht gefällt, zu verteufeln, da bin ich toleranter, ruhiger geworden. Liegt vielleicht am fortschreitenden Alter.
Gruß
Jörg
 
Hallo Leute,
danke Peter, für den Weckruf, anscheinend sind viele zur Zeit im Freibad und sitzen abends auf dem Balkon, statt vorm PC.
Die Diskussion mit dem "guten Bild" hatten wir hier ja schon mehrfach, aber sie ist natürlich unerschöpflich und daher auch wieder aktuell und sinnvoll (es sagt ja auch keiner: Oh, ich esse nichts, das habe ich ja letzten Monat schon getan...)
Ich denke, es gibt das "gelungene Bild", mit dem man etwas dokumentieren, zeigen, festhalten will. Dazu gehören auch die allermeisten Urlaubsfotos, Geburtstags-/ Weihnachts-, Familienbilder, aber auch bsw. meine mehreren Tausend Bilder von Kakteen, meist Nahaufnahmen. Und die sollen scharf sein, richtig belichtet, den Leuten sollten die Köpfe nicht fehlen, der Horizont gerade sein, die Tiefenschärfe dem jeweiligen Zweck angemessen. Wenn man dann auch noch ein hübsches und gut belichtetes Gegenlichtportrait seiner Tochter am Strand hinkriegt, oder im Urlaub dramatische Weitwinkelaufnahmen vom Markusplatz oder einem Nordseeleuchtturm gemacht hat, dann kann man diese eigentlich auch in der Galerie zeigen, obwohl es Bilder sind, die noch nicht im eigentlichen Sinne künstlerisch sind. Dazu gehören, denke ich, auch die meisten meiner Architekturaufnahmen.
Das "gute Bild" sollte aus einem ungewohnten Blickfeld entstehen, und / oder etwas Ungewöhnliches einfangen. Oder es sollte Menschen/ Portraits/ Street-Szenen einfangen, die ausdrucksstark sind, eine Stimmung widerspiegeln.
Die Menschen, die Stefan in China „einfängt“, die U-Bahn-Bilder von ruedione, die Landschaftsbilder von pauli, vielleicht auch mein Schattenrissbild „ecouter et attender“ sind solche Bilder (und natürlich noch eine ganze Menge andere).
Meine wirklich reizende Dackeldame würde ich nur in die Galerie stellen, wenn mir entweder „das perfekte Hundeportrait“ gelingen würde, oder aber ich sie in einer atypischen Situation einfangen würde, z.B. habe ich ein „Aktbild“ von ihr, auf dem sie sich wirklich unglaublich „aufreizend“ auf dem Sofa räkelt. Tolle Farben, super Schärfe, aber noch ohne Leica...
Trotz berechtigter Kritik an einzelnen Bildern denke ich, dass die Galerie sich doch ganz gut entwickelt, es sollten nur mehr Mitglieder ihre Bilder präsentieren.
Gruß aus dem gewittrig-schwülen Remstal
Nils
 
.....Und die sollen scharf sein, richtig belichtet, den Leuten sollten die Köpfe nicht fehlen, der Horizont gerade sein, die Tiefenschärfe dem jeweiligen Zweck angemessen......
Da sind wir aber schon bei einer persönlichen Ansicht, die nicht prinzipell auf ein vermeintlich gutes Bild zutreffen muß. Und ein Bild, das diese Kriterien erfüllt ist nicht zwangsweise gut. Dies sind technische Kriterien, Kunst ist nach meiner Ansicht aber eine (vorrangig) emotionale Kiste, also subjektiv eingefärbt auch wenn der Gegenstand gängige/gültige Bewertungsmaßstäbe erfüllt.
Gruß
Jörg, aus HH
 
Obwohl Kunst eine subjektive (vom Künstler ausgehende) Aussage wiederspiegelt, ist das, was Kunst ist, wirklich objektiv (zum Beispiel vom Kunstkritiker) bewertbar. Problematisch aber ist die Frage, wer Kunst wirklich bewerten kann und darf. Können wir wirklich Kunst bewerten? Sind wir dafür kompetent genug? Selbst dann, wenn wir selbst Künstler sind, brauchen wir nicht unbedingt in der Lage zu sein, die Kunst anderer zu beurteilen, da wir unsere Kunst nur aus unserer engen eigenen Sicht betreiben. Daher braucht die Kunstszene Kritiker, die selbst keine Kunst ausüben, damit sie über den Dingen stehen.

Ich gebe Jörg Recht, wenn er sagt, dass nicht zwangsweise ein Bild dann gut sein muss, wenn die formalen Dinge und die Gastaltungskriterien erfüllt sind. Aber anders herum kann man eine tolle Bildidee haben; wenn die formale Umsetzung nicht stimmt, ist daraus leider auch kein tolles Bild geworden. Man sollte schon auf die formalen Dinge achten, finde ich. Es kann allerdings auch sein, dass in der Unschärfe des Bildes gerade der Reiz, das Besondere liegt. Dann ist dieser Effekt aber nicht zufällig (weil der Fotograf nicht aufgepasst hat) sondern bewusst entstanden.

Die meisten Leute in unserer Bildergalerie uploaden SW- und Personenbilder. Damit ist doch klar, dass die meisten Mitglieder dieser Galerie
besonders die SW- und Personenbilder der anderen Uploader mögen. Als Peter Venus vor wenigen Tagen zwei Farbbilder uploadete, hat er sich sogar dafür entschuldigt.

Vielleicht ist es auch der Grund, dass in der Galerie so wenige Leute mitmachen, dass wir viele erschreckt haben. Ich kann mich erinnern an die erste Galerie (die später gelöscht wurde), dass hier viele Landschafts- und Architekturfotografen mitgemacht haben, die man in der zweiten (jetzigen) Galerie nicht mehr wiedergesehen hat.

Ich finde das sehr bedauerlich. Auch Leute, die keine Künstler sind, dürfen doch in unserer Galerie mitmachen oder...?
happy.gif


Gruß aus dem Kannenbäckerland
Jochen
 
Hallo Jörg,
entschuldigung, da hast Du was missverstanden. Ich hatte zwischen "dem gelungenen Foto", das aber eben nicht künstlerisch ist oder sein soll und dem "guten Bild", der "art-fotografie" unterschieden. Erstere müssen natürlich technisch gelungen sein, denn man wollte ja etwas festhalten, darstellen, dokumentieren. Diese Fotos können natürlich gleichzeitig von hohem ästhetischen Reiz sein. Dieser Reiz resultiert aber vor allem aus dem Motiv selbst, der hübschen Frau, der tollen Blüte, der atemberaubenden Landschaft.
Bei der künstlerischen Fotografie spielt man dagegen oft ganz gezielt mit Unschärfe, schiefen Blickwinkeln, Bewegungsunschärfe, dämonisch dunklen Motiven etc.
Ich denke, folgendes Unterscheidungsmerkmal zwischen diesen beiden Fotografie-Arten ist denkbar: Wer beim Blick auf das Bild sagt: Das ist aber eine schöne Stadt, eine schöne Frau, ein alter Baum, ein beeindruckender Käfer etc., der nimmt vor allem das (offenbar gelungen fotografierte) Motiv wahr. Beim "guten Bild" empfindet man eher, unabhängig vom konkreten Motiv, "das ist aber ein gutes/ beeindruckendes Bild". Es versteht sich von selbst, dass es auch eine Schnittmenge dazwischen gibt.
Bei Jörgs Haifisch-Auto beeindruckt mich zuerst das Bild, dann erst das (nicht mal ganz sichtbare) Auto. Auch Peter Venus´ Bild vom Potsdamer Platz ist aus meiner Sicht mehr art-fotografie als "gelungen dokumentierte Häuser".
Gute "Art-fotografie" sind für mich auch mart´s temporäre Bauten, oder pvenus Beine und Raucher.
Deshalb meine ich, keineswegs anderer Ansicht zu sein als Jörg. Allerdings kann man bei der ersten Fotokategorie natürlich leichter und recht objektiv beurteilen, ob ein Bild gelungen ist. Bei der künstlerischen Fotografie kommt jedoch so viel Emotionalität und Subjektivität mit hinein (soll ja auch), dass wie bei anderer moderner Kunst auch, der eine ein Bild rattenschlecht findet, das den anderen beeindruckt.
Und natürlich sollten beide Kategorien in der Galerie vertreten sein. Ich jedenfalls werde ab und an Fotos einstellen, die zwar wenig künstlerischen Reiz haben, die ich aber einfach für sehens- und zeigenswert halte, so wie die riesige Glasfassade des Europaparlamentes mit den Spiegelungen darin. Leider muss sich jeder eine kleine Portion Farbe und Schärfe dazudenken, der den Unterschied zwischen Scan und Originaldia kennt.
Gruß,
Nils
 
Liebe Teilnehmer dieser Diskussionsrunde,
ich freue mich sehr, dass es mir gelungen ist, wieder "Leben in die Bude" zu bringen. Leider habe ich den Fehler gemacht, abzuwarten und mich erst jetzt einzuschalten. ;-) Denn es sind so viel gute und erörterungswürdige Aspekte genannt worden, von Jörg über Nils bis hin zu Jochen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! An den Anfang möchte ich meine Freude darüber stellen, dass es in unserer Runde Freunde gibt, die sehr wohl die Unterschiede unserer Galerie erkennen, wahrnehmen und fühlen können. - Und natürlich war meine Frage am Anfang dieser Diskussion ausgesprochen hinterlistig, zu fragen, was gute, schlechte und was künstlerische Fotografie ist. Denn mir war klar, dass hier im wahrsten Sinn des Wortes "Anschauungen" aufeinander prallen werden. (Einen Wermutstropfen hat diese Runde allerdings: Es sind immer dieselben "üblichen Verdächtigen", die sich hier beteiligen und gehaltvolle Beiträge liefern, von denen ich das Gefühl habe, sie bringen mich ein Stück weiter!) Gefühl ist auch genau das Stichwort, das ich ins Feld führen möchte. Ich halte wenig von der Intellektualisierung der Fotografie, aber ich halte viel davon, wenn sie Kopf oder Bauch anspricht. Oder im Idealfall beide. Ich sehe mich nicht als Künstler, dieser Begriff ist mir zu verquast und zu unscharf (sic!). Ich möchte durch meine Bilder, mit meinen Bildern nur andere teilhaben lassen an diesem besonderen Gefühl, das ich im Augenblick der Sichtung empfand. Manchmal gelingt es mir (danke Nils!), manchmal nicht. Das liegt daran, dass ich nicht eine bestimmte Sicht der Dinge systematisiere und versuche, diese zur Perfektion zu treiben. Und - da kommen wir doch wieder in die intellektuelle Diskussion - man kann auch die Stümperei, das vermeintlich Banale oder das Laienhafte zur Perfektion treiben. Sozusagen perfekt unperfekt sein. Das würde ich u.U. als Kunst gelten lassen, auch bei Leuten wie Eggleston, lieber Jörg! Ich mag ihn nicht und seine Fotos bereiten mir Unbehagen, aber das auf eine sehr subversive Art, und daher könnte es Kunst sein. - Doch wer sich anschickt, "Kunst" zu schaffen, der muß erstmal alle Regeln der Fotografie beherrschen, um sie dann brechen zu dürfen! Das ist ja unser Dilemma: Es tummeln sich überall so viele Dilettanten, die uns mit ihren Exkrementen besudeln, dass einem feinsinnigen Menschen fast schlecht davon werden kann. Jörg hat recht: Wer (hier) experimentieren will, der soll vor der Kür gefälligst erst mal die Pflicht ablegen. Wenn in der Galerie zum Beispiel "Thomas" verwundert fragt, was denn Fotografie mit Leistung zu tun hätte (sinngemäss) , dann merke ich, dass wir in unterschiedlichen Galaxien zuhause sind. Ich hoffe, ihr versteht mich. Jetzt muß ich erstmal Luft und dann ein Bier aus dem Kühlschrank holen! ;-)
 
So, Gerstenkaltschale ist da. Braucht Mann auch bei dieser schwülen Hitze! :)
Lieber Jochen, ich glaube nicht, dass es hier ernsthaft ein Problem mit der Farbfotografie gibt. Das war eher ironisch zu verstehen, weil ich weiß, wie sehr die meisten hier SW lieben. Geht mir ja auch so. Die Abstraktion der Farbe lässt einfach ohne Ablenkung die Konzentration auf andere Gestaltungselemente zu. Reduktion ist ein Gestaltungsmittel, und mir fällt eine passende Devise dazu ein, die ich irgendwo mal gehört habe: Manchmal muß man flüstern, um gehört zu werden! SW ist für mich Flüsterfotografie und gerade deshalb unüberhörbar. Denn wir ersaufen ja geradezu in den Farben der bunten Glitzer- und Werbewelt, und wir ahnen, wieviel Lüge oft in diesen schönen Farben steckt! - Vorliebe für SW heißt für mich aber nicht. lieber Jochen, dass ich die Farbfotografie deshalb kategorisch ablehne. Ich setze Farbe dann ein, wenn es dem Bild unerlässliche Informationen mit auf den Weg gibt. Ich glaube, meine zwei Architekturfotos sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch Farbe glaubhaft und authentisch Stimmungen vermitteln kann.
Nun noch ein Wort an Nils: Es hat mir sehr gut gefallen, Nils, wie du versucht hast, ein gutes Foto und ein "Art-Foto" zu unterscheiden. Ich würde den Begriff Art nie wählen, aber gemein ist uns doch die Meinung, dass "Art" nicht nur Gegenständliches abbildet, sondern auf einem 2. Kanal zu uns Dinge funkt, die wir oft nur unterschwellig, nach langer Betrachtung oder nur mit dem Bauch wahrnehmen. Hat eben mit Gefühl zu tun! :)
In der anderen Ecke der Fotografie sehe ich die handwerkliche Sachaufnahme. Ich möchte nicht falsch verstanden werden! Ich achte und ehre das Handwerk. Ich habe einen großen Respekt vor Fotografenmeistern. Nur Meisterfotografen sind sie meistens nicht! Wir haben einige Fotos in der Galerie, gegen die technisch nichts einzuwenden ist. Schärfe, Ausschnitt, Belichtung - alles ok. Und ein paar davon sind dennoch seltsamerweise zu gefällig oder versprühen den Charme einer deutschen Autobahnraststätte. Immer wieder kommt eben das Gefühl mit ins Spiel. Und jeder von uns ist im Moment der Betrachtung gerade in einer ganz besonderen persönlichen Situation. - Als ich meinen (zu) herben Kommentar zu dem Hundebild geschrieben habe, war ich einfach schlecht drauf. Ich dachte, alle Welt verlangt von uns Leistung, und dann kommt einer daher und setzt sowas in eine Galerie, noch dazu in die von Leica! Diese Nonchalance hat mich wütend gemacht. Ich finde übrigens auch nicht, dass ein (schlechtes) Bild besser ist als gar keins. Schlechtes Zeug müssen wir uns den ganzen Tag anschauen. Man braucht ja nur mal den Trash von RTL & Co. im Fernsehen verfolgen. - Ich plädiere einfach für Selbstkritik, einen gewissen Anspruch an sich selbst und an den Respekt vor unseren Freunden im Forum, die sich mit unseren "Ergüssen" schließlich auseinander setzen müssen. Deshalb bin ich dennoch auch für Neues, Erfrischendes, Ungewohntes und Mutiges offen - solange ich das Gefühl habe, hier hat sich jemand ernsthaft und intensiv Gedanken gemacht! :)
 
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