Hallo Stefan,
ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, meine Position gegen deine Argumente zu verteidigen. Daher versuche ich einmal einen geschichtlichen Vergleich Leitz - Contax bzw. Leitz- -Zeiss-Objektive zu ziehen.
In Deutschland gab es schon vor dem Krieg zwei große Messucherkameras, die Contax und die Leica. Das fortschrittlichere Kamera, aber das schwierigere Konzept war durch die Contax gegeben. Die Leica war die billigere Kamera und hat sich schließlich durchgesetzt, obwohl es nach dem Krieg (wegen der einfacheren Bauart) dutzende Leica-Kopien gegeben hat.
Vergleichen wir einmal die Vorkriegsobjektive. Die Objektive zur Contax von Zeiss/Jena waren fast alle (einzige Ausnahme Elmar 3,5/50mm) um Längen besser als die von Leitz.
Beide Systeme, Contax und Leica, waren nicht kompatibel zu einander. Es gab aber Ausnahmen, sehr begerhte Zeiss-Objektive zur Leica waren die "Leica-Sonnare" 1,5 bzw. 2/50 bzw.58 bzw. 60mm. Keiner weiß genau, wer diese Zeiss-Objektive wirklich gebaut hat.
Nach dem Krieg konnten die Leitz-Objektive im Vergleich zu den Zeiss/Oberkochen-Objektiven als fast gleichwertig angesehen werden. Ein besonderes Highlight der Zeiss-Objektive war das Biogon 4,5/21mm von 1953. Auch hier gab es Leica-Liebhaber, die sich dieses Zeiss-Objektiv für ihre Leicas adaptieren ließen.
Durch die weit überlegene M3 von 1954 wurde das Ende der Contax (IIa und IIIa) eingeläutet. Zunächst reagierte Zeiss-Ikon mit einer Preisreduzierung und schließlich wurde im Jahre 1962 die Produktion der (deutschen) Contax eingestellt.
1971 kam dann das Ende von Zeiss-Ikon. Das Zeiss-Hologon 8/15mm wurde von 1972-76 offiziell für die Leica-M produziert. Auch im R-Bereich gab es eine Super-Weitwinkel-Konstruktion von Zeiss: das Super Elmar 3,5/15mm (1980-2000).
Man kann damit sehen, dass Zeiss-Objektive für die Leica immer eine große Rolle gespielt haben, obwohl der Messsucherwettbewerb eindeutig für die Leica entschieden wurde.
Bei modernen Messsucherobjektiven setzt Leica auf die Asphärentechnologie. Man kann grob rechnen, dass pro Asphärenfläche eine Linse eingespart werden kann. Aus diesem Grunde sind moderne (d.h. asphärische) Leica-Objektive sehr zierlich gebaut und erreichen Höchstleitungen trotz relativ geringer Linsenzahl.
Die Firma Leitz bzw. Leica Camera ist aber nicht die Erfinderin der asphärischen Linsen. Die Asphärentechnik ist der Grund, dass Leica für das Summicron 2/35 asph nur 7 Linsen braucht, wohingegen das Biogon 2/35 9 Linsen benötigen muss. Ich habe übrigens das Biogon an meiner M7 bei der Photokina adaptiert. Ich hatte nicht den Eindruck, dass es besonders lang ist und den Gesichtskreis meines Sucherfensters deutlich einschränkt.
Das Patent zum M-Bajonett lief im November 1998 aus. Die erste Nicht-Leica-Kamera mit M-Bajonett war die Konica Hexar.
Ich halte es in Anbetracht des ausgelaufenen Patents für durchaus legitim, dass Zeiss auf den Leica-Zug aufspringen will; denn in der Objektiv-Rechnung ist Zeiss-Oberkochen immer noch kompetent
Und warum soll ich mir kein Zeiss-Objektiv zu meiner Leica-Kamera kaufen, wenn das Zeiss-Preis-Leistungsverhältnis stimmt? Der Markt kennt keine Moral!
Gruß Jochen