Da anderenorts die Frage aufkam, was wir denn nun gelernt hätten in den drei Tagen, hier meine persönliche Sicht:
Zunächst einmal war da die Möglichkeit, lange an einem Gehege zu verweilen, die Tiere zu beobachten und Lauf- und Schwimmrouten kennenzulernen. Daraus erwuchs die Erkenntnis, dass es sich nicht lohnt, möglichst viele Tierarten zu sammeln, sondern sinnvoller ist, durchaus mal eine Stunde oder länger an einem Gehege zu verweilen, von verschiedenen Standpunkten aus Bilder zu machen, zu schauen, wo der Hintergrund nicht allzu sehr nach Zoo aussieht, oder auch dass man das Zoo-Ambiente sinnvoll ins Bild integriert. Dann bin ich irgendwann dazu übergegangen, nur ein Tier zu beobachten und das Treiben im restlichen Gehege so gut es ging auszublenden. Man hat dann zwar immer das Gefühl irgendwas zu verpassen, aber durch die Konzentration auf ein Tier kommen im Endeffekt dann doch genügend Situationen zusammen, die sich aufzunehmen lohnen.
Die technische Anweisung "ISO hoch, Blende auf", um a) zu halbwegs kurzen Zeiten zu kommen (im trüben Licht der ersten zwei Tage und in den Häusern) und b) eine möglichst geringe Tiefenschärfe zu haben war jetzt für mich nichts wirklich Neues, ich habe an den Grundeinstellungen meiner Kamera für die meisten Aufnahmen nichts geändert: Av, automatische ISO, begrenzt auf 6400, und je nach Linse offen oder fast offen. Leider reichte mein Budget bisher nicht zu einem wirklich lichtstarken langen Tele, aber das DA* 50-135mm hat mit und ohne Konverter ganze Arbeit geleistet und auch das DA 55-300mm schlug sich wacker, auch wenn dessen AF das Attribut schnarchlangsam verdient. Letztere Linse läßt mit dem Konverter doch arg nach, sodass ich damit nur sehr wenige Bilder gemacht habe. Im Aquarium war dann mein Makro (Tamron 90mm) im Einsatz, manuell fokussiert.
Hätte ich einen Zoo in der Nähe und könnte ihn regelmäßig besuchen, würde sich die Investition in das DA*300mm f/4 sicher lohnen.
Nur bei den Wölfen haben wir es auf etwas längere Belichtungszeiten abgesehen, um Mitzieher üben zu können. Aufgrund des trüben Lichts um kurz nach acht Uhr morgens war das auch mit offener Blende möglich.
Einzig bei den Vögeln im Tropenhaus habe ich die Grundeinstellung geändert, um mit Aufsteckblitz (der mir immer suspekt gewesen war) Licht ins Dunkel zu bringen, aber dennoch das vorhandene Licht mit ins Bild zu bekommen: Tav, Offenblende, 1/125s, Blitzleistung etwas reduziert. (Bilder kommen noch.)
Darüber hinaus habe ich in der Nachbesprechung einige sehr sehenswerte Bilder von anderen Teilnehmern zu sehen bekommen, die natürlich eine Inspirationsquelle darstellten. Zudem habe ich dort demonstriert bekommen, wie sehr man an den Reglern ziehen kann und was man aus den meisten RAWs wirklich herausholen kann.
Was ich wirklich gelernt habe, wird die Zeit zeigen. Ich denke aber schon, dass es einiges ist und allein die intensive Beschäftigung mit dem einen Thema sinnvoll und nützlich war.
Natürlich können und sollen Zooaufnahmen kein Wildlife ersetzen. Hierfür ist ein ungleich höherer Aufwand nötig, viel mehr biologisches Hintergrundwissen und eine große Leidensfähigkeit. Dies alles läßt sich mit meinem familiären und beruflichen Alltag nicht vereinbaren. Daher finde ich es durchaus legitim, auch in Zoos ernsthaft und mit einem gewissen Anspruch Bilder zu machen.