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Eines der beeindruckendsten Fotos...

Was für eine Diskussion - erfreulich, dass der Ton hier auch bei deutlichen Kontroversen stimmt.
Ja, das sehe ich auch so. Eben typisch für dieses Forum :daumenhoch_smilie:

Heiner


Auch von mir ein herzliches Dankeschön dafür - vorbildlich.

Ob man solche Bilder machen sollte, ob man sie "gut" oder wichtig findet, muss jede Person für sich selbst entscheiden. Enorm wichtig und bereichernd finde ich die daraus resultierende Diskussion und die verschiedenen Ansichten, die mir immer wieder helfen meine eigene Meinung zu überdenken und/ oder die Kehrseite einer Medaille zu sehen, danke euch dafür.

Gruss
Michi
 
das ist mir zu einseitig: denn ohne Worte wären diese Bilder nichts, weil niemand wüßte, was sie zeigen. Gerade darum sidn sie ja hier vielleicht auch so kontrovers diskutiert. Eher andersherum: nur mit entsprechenden Worten haben diese Bilder uberhaupt etwas zu sagen.

Hallo Dieter.

Das empfinde ich ganz anders. Ein gutes (nicht "schönes", sondern aussagekräftiges Bild) funktioniert meist auch ohne Erläuterung, wenn auch vielleicht nicht in vollem Umfang.

Für mich mich dieses Bild ein Symbol für Zuneigung, Menschlichkeit bis in den Tod. Das funktioniert auch, ohne den Kontext zu kennen - würde es Erdbebenopfer zeigen, hätte das keinen Einfluss auf diesen Teil der Aussage.

Dass hier darüberhinaus auch Mißstände aufgezeigt werden, um deren Abstellung wir uns alle im Rahmen unserer Möglichkeiten bemühen sollten, ist ein weiterer Aspekt.

Grüße
Matthias
 
Hallo Wolf,hallo Heiner,
ich halte es weiterhin so wie bisher,keinen Blick auf Bilder,die mich mehr als erschüttern.
Warum soll ich mir das antun,wenn ich eh nix ändern kann.

Hallo Heidi.

Das ist natürlich Dein gutes Recht und Deine eigene Entscheidung.

Ich für meinen Teil bin lieber gut informiert, auch über die negativen Einflüsse, die unser Lebensstil auf andere hat. Nachtwey sagte einmal "wenn wir nicht hinschauen, wer denn?" Daher finde ich Deine Einstellung bedenklich. Wir sind die Auslöser dieser Entwicklungen, daher sollten wir uns auch die Konsequenzen vergegenwärtigen - und negative Entwicklungen, soweit uns möglich, zum besseren beeinflussen.

Grüße
Matthias
 
n'Aaabend zusammen,
werd noch alles nachlesen.
Hatte gestern gar keine Zt.und am Nachmittag kaufte ich mir endlich mein *Immerdabei*.

Was LR4 angeht,ich hab mich bei Leica eben registriert und bekomme nun die Möglichkeit Download und Installation die Software für Bildbearbeitung angeboten.
Ich weiss nun gar nicht,wie ich mich verhalten soll,ich hab doch schon LR4.
Gute Nacht allerseits!
LG
Heidi
 
Hallo Moderator,
hab mich im Thread vertan,mein Beitrag müsst in den Adobe Thread rein.
LG
Heidi
 
Hallo Heidi.

Das ist natürlich Dein gutes Recht und Deine eigene Entscheidung.

Ich für meinen Teil bin lieber gut informiert, auch über die negativen Einflüsse, die unser Lebensstil auf andere hat. Nachtwey sagte einmal "wenn wir nicht hinschauen, wer denn?" Daher finde ich Deine Einstellung bedenklich. Wir sind die Auslöser dieser Entwicklungen, daher sollten wir uns auch die Konsequenzen vergegenwärtigen - und negative Entwicklungen, soweit uns möglich, zum besseren beeinflussen.

Grüße
Matthias

Moin Mathias,
hm,nein,nein,meine Einstellung braucht nicht bedenklich machen.Sieh mal,wenn ich derartige Bilder im Kopf nicht richtig verarbeiten kann,dann schau ich sie mir nicht an,ich kann doch Nachrichten lesen und hören und das mache ich tgl.
Wir haben z.B.den Berliner Tagesspiegel im Abo.
Also ich nehme auf meine Art an grauenvollen Entwicklungen teil,ich bin tgl. bestens informiert.
Zum *besseren beeinflussen*,sag,wie gelingt dir das?
Ich lebe so,dass ich weder Mensch noch Tier Leid zufüge,das erwarte ich von meinem Gegenüber auch.
LG
Heidi
 
Hmmm, genau den kann ich nicht mehr hören, damit haben sie uns schon in der Schule vor über 40 Jahren genervt. Für mich ist das Geschichte wie der Burenkrieg, der Genozid der Spanier und Portugiesen in Südamerika oder die Greuel der römischen Legionen in Germanien. Irgendwann muß einfach mal ein Schnitt sein. Die politischen Implikationen der ständigen Remineszenzen an diese Zeit möchte ich mir hier ersparen und sie tun auch nichts zur Sache.

:daumenhoch_smilie:

So isses, für mich als Nachkriegskind aus den Sechzigern habe ich selber damit erst mal nix zutun, werde aber in den Medien immer als Deutscher damit in Verbindung gebracht, sowohl eine Kanzlerin, die über Staatshilfen diskutiert ist eine Nazi-Kanzlerin weil einige Hohlköpfe im Ausland sie so sehen wollen als auch der Deutsche ansich, wenn es mal wieder knapper wird mit der weltweiten Sympathie.
Wenn es heute Neos gibt, die sich damit heute beschäftigen, dann muss man die Energie in diese Richtung bündeln, die bekämpfen anstelle ständig diejenigen permanent daran zu erinnern, die bereits bestens diese Geschichte kennen und auch wissen wie schlimm das damals war - denn ich wurde bisher mehrfach darüber aufgeklärt, kenne alle Daten des Holocaust und kenne auch den aktuellen Stand der Geschichtsbücher.
Es gibt genug Amerikaner, die nach der geplatzen Immobilienblase tagsüber die Akermann-Plakate mit Edding-Schnäuzern bemalt haben inklusive der entsprechenden Kreuze und abends die weißen Kapuzen aufsetzen um die ungeliebten Menschen zweiter Klasse im eigenen Land zu jagen... Da kann man doch ruhig mal über den eigenen Tellerrand zur Weltgeschichte schauen ohne gleich die eigene Geschichte zu vergessen, oder ??

Zum Foto:

Journalismus und solche Fotos gehen für mich völlig in Ordnung, da habe ich schon ganz andere Fotos gesehen und sie haben mich aufgewühlt, ich habe diese schlimmen Bilder nie vergessen und genau das ist meiner Meinung nach das, was man bezwecken sollte damit.
Die Gesichter der Menschen darauf habe ich in einigen Tagen vergessen, die Bildaussage jedoch nicht. Es gab ein WorldPressAward-Foto welches einen Afrikaner zeigte, der ein totes Kind aus einem Container heraus auf einen Leichenhaufen warf, auch das Foto habe ich noch strukturell im Kopf, die Gesichter jedoch darauf nicht. Die Aussage war wohl auch da etwas anderes und nicht aud zwei Gesichter bezogen - es zeigt mir einen Zustand und keinen speziellen einzelnen Menschen mit seinem Gesicht.

Zum Gutmenschen:

Heute ist es hip sich ständig selbst an den Holocaust zu erinnern, die Ausbeutung von Juden etc. und das zu verurteilen, aber heute ist es auch hip die fetten Telegläser bei Amzon zu ordern, natürlich versandkostenfrei, denn der Paketbote muss für den Gutmenschen ja zum Dumpingpreis die Shore nach hause karren - scheiß egal, der Gutmensch will es billig - die Kleidung, der Kaffee und noch so einiges andere kann man ja heute im Discounter kaufen, ein T-Shirt für 2 Euro oder sonstige Schnäppchen eignen sich hervorragend für den Kneipenabend, denn da kann man allen erzählen wie cool man ist weil man das T-Shirt ja theoretisch wegwerfen könnte wenn das Bier für 3,40€ darauf Flecken hinterlässt...

Fazit ?

Wo fangen wir den nun an ?? Solche Fotos nicht zu zeigen ist viel schlimmer, denn das würde verhindern, dass man als Wohlstandsmensch mal den Spiegel vor die eigene Fratze gehalten bekommt, und das würde höchstens das Gewissen beruhigen beim nächsten Schnäppchen.

Somit bin ich dankbar für solche Fotos, die MIR den Spiegel vor meine Fratze halten um dann auch anders zu handeln im Leben, das fängt damit an, dass ich FairTrade kaufe und Objektive im Shop abhole und es massiv vermeide bei Amazon etwas zu kaufen, was es auch hier in der Stadt gäbe und so weiter...

JustMy2Cents

:z04_bier01:
 
Moin allerseits,

bin leider heute erst auf diesen Thread gestoßen und bin Matthias äusserst dankbar für den Link.
Die Auffassungen wurden in der sehr sachlichen Diskussion deutlich thematisiert, es gibt (logisch) keinen einheitlichen Standpunkt dazu und glücklicherweise keine dogmatischen Denkweisen.

Insofern möchte ich mich hier insbesondere bei Heiner und Wolf bedanken, die auch meine Auffassung zu solchen Dokumentarfotos sehr ausführlich dargelegt haben.
Diese Art der Berichterstattung finde ich wichtig und wertvoll - denn das ist die Sprache der Bilder!

Und ich selbst bekenne mich dazu, im Alltag und auf Reisen den Blick vor unangenehmen Situationen nicht zu verschliessen, diese auch fotografisch festzuhalten und zu zeigen.
Bereits das führt (auch bei vergleichsweise viel weniger erschütternden Bildern) oft zu Diskussionen, wie z.B. hier bei dem Foto eines Bettlers oder den kürzlich gezeigten Fotos von Menschen auf der Straße in Rom.
Ich halte solche Aufnahmen nicht für voyeuristisch und behaupte auch, die Würde dieser Menschen mit diesen Fotos nicht zu verletzen, dafür hat hier die Gesellschaft in der sie leben müssen bereits gesorgt.
Also, schaut nicht weg!

VG, Gerd
 
Na ja, habe jetzt mal den Anfang der Diskussion gelesen und den Rest dann quer. Ich habe in der Vergangenheit, altes Forum, immer wieder solche Diskussionen angeregt. Sie sind wichtig! Wichtig zum Verständnis von Bildern, vom Betrachten, der Aussage und letztlich auch zum Umgang und Verständnis künstlerischer Freiheit.
Auch sollte man nie vergessen das Bilder auch Lügen können. Man kann die Aussage steuern, einen falschen Text eine verabredete Schlußfolgerung dazu machen und schon, peng, sagt das Bild was ganz anderes aus.
Berühmte Beispiele sind das "Hissen der Flagge durch die Rote Armee auf dem Reichstag", wurde 2 Tage später nochmals nachgestellt. Als die Flagge gehisst wurde war keine Kamera dabei. Der berühmte "Kopfschuß aus dem Vietnamkrieg" wurde durch einen Vietnamesen nicht von einem Amerikaner abgegeben und auch das oben zitierte Bild mit dem "Napalm Mädchen". Es floh nicht, wie seiner Zeit in der Presse dargestellt, vor einem Amerikanischen Napalm-Angriff. Es waren Südvietnamesen. Die Bilder wurden allesamt instrumentalisiert. Das sollte man sich bei dem Satz "ein Bild sagt mehr als tausend Worte" auch auf der Zunge zergehen lassen. Worte können lügen, Bilder auch.
Was mich an dem eingangs erwähnten Bild stört, es gefällt mir nämlich nicht, ist die Tatsache, daß es mir zu Weit geht. Nicht im Sinne der Ablichtung, sondern der Umsetzung. Es ist ein schlechtes Bild, das nur den Tod zeigt ohne das Leiden zu zeigen. Ich finde das Bild gefühllos und daher ist es für mich nicht akzeptabel. Man kann ein solches Bild auch besser machen. Da hilft auch das rausreden mit Dokumentar nix.
Ja, die "blutige Träne", die Umarmung ist schon da. Aber das puppenhafte, surreale Aussehen, der Tod im Geröll, das Tuch an der Seite. Nein, meine Herren hier sehe ich zwei Menschen die aus dem Leben gerissen, bar ihrer letzten Gefühle im Dreck liegen und sehe einen Fotografen der dies für seine Zwecke respektlos ohne Demut einfach mal so ablichtet. Für mich ist dieses Foto kein Siegerfoto, ein zufälliger Schnappschuß, eher ein geknipstes Bild.
Bei einem Siegerfoto hätte ich zumindest mal erwartet das man etwas mit der Schärfentiefe arbeitet. Wenigstens versucht sich der Szenerie mit Respekt zu stellen und dann dauch versucht die letzten Gefühle des Paares auch so in Szene zu setzen. Das wäre das mindeste gewesen. Da hat nur einer drauf gehalten auf Kohle komm raus.
Ich habe ja mit meinem Bild von dem Kindergrab auch was auf die Ohren bekommen, aber ich hatte hier mehr Reaktionen in die Richtung die ich auch verstanden wissen wollte als dieser Herr hier. Und nein, man muß nicht immer drauf halten. Als ich letzte Woche in Idstein als einer der Ersten bei dem Unfall mit den 40 Leuten war hatte ich die Kamera im Auto und hätte aus genügender Entfernung alles super ablichten können. Aber ich habe es sein lassen.

Vielleicht unterliege ich ja dem Irrtum das ich die Art der direkten Dokumentation einfach nicht verstehe. Aber um für eine Konfrontation zu sorgen, um wachzurütteln, zum Nachdenken anzuregen, da braucht es solche Bilder nicht. Um dies zu erreichen muß ich die Emotionen, die Phantasie des Betrachters treffen. Dieses Bild empört und schlimmer: es stumpft ab. Sehen, oh wie schrecklich denken, und dann ist es vergessen.
OK, ihr habt recht. Das Bild dokumentiert dies oder jenes. Das sagt mir aber das Bild nicht. Das sagt mir nur der Text.
 
Da wir uns ja hier aus fotografischer Sicht den Dingen nähern habe ich mal ergänzend zu meinem Beitrag dies hier rausgesucht.
http://www.arte.tv/de/Die-Welt-verstehen/geschichte/3058704.html
Es ist die wahre Geschichte zu dem Bild mit dem fliehenden Mädchen aus Vietnam. Ein kurzer Bericht zu dem filmischen Beitrag der sich nur mit dem Bild und dessen Hintergründe befasst.
 
Hallo Dirk,
für mich kann nicht besser argumentiert werden,danke für deinen Beitrag.
LG
Heidi
 
Moin!


Was mich an dem eingangs erwähnten Bild stört, [...] ist die Tatsache, daß es mir zu Weit geht.

[...]

das nur den Tod zeigt ohne das Leiden zu zeigen. Ich finde das Bild gefühllos

[...]

Ja, die "blutige Träne", die Umarmung ist schon da. Aber das puppenhafte, surreale Aussehen, der Tod im Geröll, das Tuch an der Seite. Nein, meine Herren hier sehe ich zwei Menschen die aus dem Leben gerissen, bar ihrer letzten Gefühle im Dreck liegen


Ich zitiere bewusst "in Stücke zerrissen", weil Du, Werner, in den zitierten Passagen genau das formulierst, was ich nicht in Worte fassen konnte.


Ich konnte mir nicht erklären, warum mir das diesjährige WPA-Siegerbild auf Gaza zusagt und mich das hier gezeigte Bild schier abstößt.


Das hier macht den Unterschied:

das nur den Tod zeigt ohne das Leiden zu zeigen


Das diskutierte Bild zeigt etwas, ist.eine schonungslose Darstellung. Das Gaza-Bild hingegen transportiert das ganze Leid, die Trauer, die Verzweiflung und Hilflosigkeit, die eine solche Situation für Menschen bedeutet.

Diese Gefühlsebene lässt das Photo, des verunglückten Paares imho außen vor...


VG Jan
 
... Ich halte solche Aufnahmen nicht für voyeuristisch und behaupte auch, die Würde dieser Menschen mit diesen Fotos nicht zu verletzen, dafür hat hier die Gesellschaft in der sie leben müssen bereits gesorgt.
...
VG, Gerd

Moin zusammen,
hm, da komme ich nicht mit: Nachdem irgendjemand anderes (hier: die Gesellschaft) die Würde dieser Menschen bereits verletzt hat, ist es dann auch egal, wenn ein Photograph es nochmal tut.

@Werner: danke für Deine Ausführungen!
 
Hallo Dicki.

Danke für Deine Ausführungen. Viele hier sind Deiner Meinung, ich gehöre nicht dazu. Aber gerade das - und der erfreulich zivilisierte Umgangston hier im Forum - macht die Diskussion ja gerade so interessant.

Für mein Empfinden habe ich selten ein Bild gesehen, das die Opfer so würdevoll darstellt. Gerade das Ruhige, Stille in diese Bild macht es für mich so besonders. Das drängende, selbst im Bild lärmende Volk in den Straßen eines nahöstlichen Bürgerkriegslandes läßt mich hingegen kalt. Mich stört eher die Manipulation dieses Bildes, die nun endlich diskutiert wird (http://www.spiegel.de/kultur/gesell...-soll-photoshop-verwendet-haben-a-899807.html).

Wie widersprüchlich und emotional dieses Bild hier (und sicher nicht nur hier) aufgenommen wird, zeigt für mich auch, dass der Fotograf damit "einen Nerv getroffen" hat. Und mehr kann ein Reportagefoto kaum leisten.

Noch eine Anmerkung zu Deinen Anmerkungen zu den Vietnam-Fotos: Das Bild von Eddie Adams (Du nennst es das "Kopfschuss-Bild") zeigt, ebenso wie der existierende Film von dem Ereignis, dass der damalige Geheimdienstchef von Saigon (ein Vietnamese) den Schuß abfeuert. Das war nie strittig.

Der Napalm-Angriff, durch den das Mädchen im Bild von Nick Ut verletzt wurde, wurde von US-Flugzeugen ausgeführt, geflogen von US-Piloten. Auch dies ist bekannt (der Pilot hat sich in Interviews geäussert und sich auch mit der Betroffenen unterhalten). Dem Piloten wurde gemeldet, dass sich zum Zeitpunkt des Angriffs keine Zivilisten mehr im Ort aufhalten würden. Das hat sich bekanntermaßen als falsch heraus gestellt, diese Information stammte allerdings von der südvietnamesischen Armee.

Grüße
Matthias
 
Moin,

Es ist ein schlechtes Bild, das nur den Tod zeigt ohne das Leiden zu zeigen. Ich finde das Bild gefühllos und daher ist es für mich nicht akzeptabel. Man kann ein solches Bild auch besser machen. Da hilft auch das rausreden mit Dokumentar nix.

Es ist schlecht, weil es das Leiden nicht zeigt? Muss ein Bild vom Tod auch immer gleich das Leiden davor zeigen? Kann man nicht auch ein stilles, ruhiges Bild des Todes selbst machen?

Um dies zu erreichen muß ich die Emotionen, die Phantasie des Betrachters treffen. Dieses Bild empört und schlimmer: es stumpft ab. Sehen, oh wie schrecklich denken, und dann ist es vergessen.

Und wie erklärst Du Dir dann, dass dieses Bild - zumindest bei einigen Menschen - sehr starke Emotionen auslöst und tief bewegt?

Grüße,

Heiner
 
Moin Werner,

Man kann ein solches Bild auch besser machen. Da hilft auch das rausreden mit Dokumentar nix.
...
hier sehe ich zwei Menschen die aus dem Leben gerissen, bar ihrer letzten Gefühle im Dreck liegen und sehe einen Fotografen der dies für seine Zwecke respektlos ohne Demut einfach mal so ablichtet. Für mich ist dieses Foto kein Siegerfoto, ein zufälliger Schnappschuß, eher ein geknipstes Bild.
Bei einem Siegerfoto hätte ich zumindest mal erwartet das man etwas mit der Schärfentiefe arbeitet. ... Da hat nur einer drauf gehalten auf Kohle komm raus.

ich respektiere Deine Einstellung und Haltung, meine aber, dass Du mit mancher Einschätzung bzw. Schlussfolgerung weit übers Ziel hinausgeschossen bist.

Wer Streetlife- oder Reportagefotografie schon versucht hat weiß, dass man sehr häufig keinerlei Möglichkeiten hat, sich eine Umgebung im Sinne einer Komposition zurechtzulegen.
Das sind keine Studiofotos, hier muss oft in Sekundenbruchteilen reagiert werden. Das dann als Schnappschuss herabzuwürdigen geht mir persönlich jedenfalls entschieden zu weit.

LG, Gerd
 
Was mich an dem eingangs erwähnten Bild stört, es gefällt mir nämlich nicht, ist die Tatsache, daß es mir zu Weit geht. Nicht im Sinne der Ablichtung, sondern der Umsetzung. Es ist ein schlechtes Bild, das nur den Tod zeigt ohne das Leiden zu zeigen. Ich finde das Bild gefühllos und daher ist es für mich nicht akzeptabel. Man kann ein solches Bild auch besser machen. Da hilft auch das rausreden mit Dokumentar nix.
Ja, die "blutige Träne", die Umarmung ist schon da. Aber das puppenhafte, surreale Aussehen, der Tod im Geröll, das Tuch an der Seite. Nein, meine Herren hier sehe ich zwei Menschen die aus dem Leben gerissen, bar ihrer letzten Gefühle im Dreck liegen und sehe einen Fotografen der dies für seine Zwecke respektlos ohne Demut einfach mal so ablichtet. Für mich ist dieses Foto kein Siegerfoto, ein zufälliger Schnappschuß, eher ein geknipstes Bild.
Bei einem Siegerfoto hätte ich zumindest mal erwartet das man etwas mit der Schärfentiefe arbeitet. Wenigstens versucht sich der Szenerie mit Respekt zu stellen und dann dauch versucht die letzten Gefühle des Paares auch so in Szene zu setzen. Das wäre das mindeste gewesen. Da hat nur einer drauf gehalten auf Kohle komm raus.
Ich wollte mir eigentlich phototechnische Anmerkungen zu diesem Bild schenken, weil es für sich spricht und weil ich es eigentlich nicht ganz angemessen finde, aber das kann ich beim besten Willen so nicht stehenlassen.
Mit "Knipsen", mit einem Schnappschuß hat das gezeigte Bild nun wirklich nichts zu tun, im Gegenteil, weit davon entfernt (ob es nun verinnerlichte, reproduzierbare Meisterschaft im Umgang mit der Kamera ist oder Zufall, das lassen wir mal dahingestellt). Was gibt es hier noch mit der Schärfentiefe zu arbeiten? Das ist kein Foren-Bild, wo man debattieren kann, hier ein bißchen mehr, dort ein bißchen weniger, und die Leichen doch bitte ein bißchen anderes arrangieren, das Tuch beiseite legen und, ach ja, nicht vergessen, auf das Rauschen zu achten.
Das ist Reportagephotographie, keine Hobby-Streetphotographie, voll aus dem realen Leben gegriffen, ungeschönt, brutal offen, von einem Profi, der selbst inmitten der Apokalypse noch funktionieren muß, ohne seine eigene Menschlichkeit zu verlieren. Und doch ist dieses Bild gleichzeitig von einer Subtilität, die ihresgleichen sucht. Gerade das Tuch als ein Alltagsgegenstand gibt der Szene etwas so bedrückendes. Ein schon fast surrealistisches Merkmal des normalen Lebens, aus dem diese beiden Menschen herausgerissen wurden, inmitten von Chaos und Zerstörung. Gefühllos? Diese Bild erzählt in 1/125 s o.ä. eine ganze Geschichte, weit über eine reine Dokumentation hinaus, eine Geschichte von einer tödlichen Überraschung und von Menschlichkeit und Mitleid angesichts des Endes, und es ist von einer Eindringlichkeit, wie ich sie sonst nur von James Nachtwey kenne.

Als ich letzte Woche in Idstein als einer der Ersten bei dem Unfall mit den 40 Leuten war hatte ich die Kamera im Auto und hätte aus genügender Entfernung alles super ablichten können. Aber ich habe es sein lassen.
Nun, da bin ich zwangsweise aus einem anderen Holz geschnitzt. Auf spektakuläre, gut verkäufliche Bilder zu verzichten, bedeutet schlicht: Kein Essen auf dem Tisch! Auch das ist der Unterschied zwischen Amateur und Profi.

Dieses Bild empört und schlimmer: es stumpft ab. Sehen, oh wie schrecklich denken, und dann ist es vergessen.
OK, ihr habt recht. Das Bild dokumentiert dies oder jenes. Das sagt mir aber das Bild nicht. Das sagt mir nur der Text.
Nein, es stumpft nicht ab. Dieses Bild reiht sich bei mir in die Reihe der Bilder ein, die ich niemals vergesse. Und ich brauche auch keinen Text dazu, um seine Aussage, seine Geschichte zu verstehen, denn die Sprache dieses Bildes ist verständlich und vor allen Dingen eindringlich!

So, das mußte ich mir jetzt von der Seele schreiben! Sorry!

Gruß
Wolf
 
Ja, so sieht jeder ein Bild anders. Jeder empfindet auch anders. Klar, auch dieses Bild spricht Menschen an. Menschen, die vielleicht bei anderen Bildern nicht hinsehen. Liegt halt daran, da jeder auch anders denkt. Irgendwie. Und das ist gut so.
Es ist auch gut darüber zu reden. Dazu gibt es ein Forum.
Ich hatte auch nicht daran gedacht da vor Ort herumzumanipulieren. Das mag ich auch nicht. Ich mag Bilder die für sich sprechen. Ohne unbedingt nötige Erläuterung. Natürlich ist das Bild im Zusammenhang mit einem Bericht, einer Schilderung der Situation gut. Aber es hat ja den ersten Preis als Bild bekommen. Habe allerdings das Bild vom letzten Jahr auch nicht verstanden und eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Nachbarn deswegen. Haben wir dann mit einer Flasche Wein weggespült.
So wie Menschen nun mal halt unterschiedlich denken und fühlen, so werden sie auch immer unterschiedlich wahrnehmen, interpretieren und letztlich auch fotografieren. Das ist ja der Spaß an der Sache. Und die Diskussion zeigt, daß wir hier noch nicht abgestumpft sind. :z02_respekt:
Es ist bestimmt auch nicht einfach Situationsbedingt zu handeln. In der Streetfotografie macht aber das für mich den Unterschied aus.
Noch eine Anmerkung zu dem Mädchenbild: Habe auch einen anderen Bericht gelesen, denke es steht aber auch in dem Link drinne, der Pilot der US Airforce der behauptete er habe ein Flugzeug dort geflogen war gelogen. Ist aber im Grunde auch egal, daß Bild zeigt ohne Worte den Schrecken des Krieges. Und darauf kommt es letztlich an. Ich wollte nur Aufzeigen das Bilder auch immer recht gerne instrumentalisiert werden. Und das je variabler ein Bild einsetzbar ist.
 
Moin,

Aber es hat ja den ersten Preis als Bild bekommen.

Wo hat das Bild aus Bangladesh bislang irgendeinen Preis gewonnen? Ich denke, wir sollten hier keine Gerüchte in die Welt setzen. Mattest hat nur geschrieben, dass es für ihn ein Kandidat für den WPA wäre.

Grüße,

Heiner
 
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